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Ein Combino namens Hildegard Knef
Ulmer Straßenbahnen mit Frauennamen

Die Ulmer Straßenbahnen sind männlich, zumindest ihren Namenspatronen nach. Die Grünen wollen mehr Gleichberechtigung.

Chirin Kolb

Ulm  Sechs zu zwei – wenn das kein eindeutiges Ergebnis ist. Die Männer liegen klar vorn, sie dominieren die acht schicken Combinos. Als die angeschafft und mit Namen bekannter Ulmer versehen wurden, fiel die Wahl auf sechs Männer und zwei Frauen. Nur zwei Frauen. Agathe Streicher, eine weit über die Reichsstadt hinaus gefragte Ärztin, und Sophie Scholl von der Widerstandsgruppe Weiße Rose.
 
Sechs zu zwei – da könnte man sagen: Bei den Combinos ist es auch nicht anders wie im richtigen Leben. Die Männer fahren voraus, die Frauen kommen unter die Räder. Doch die Grünen wollen ein so eklatantes Ungleichgewicht nicht länger hinnehmen. Die Fraktion – vier Männer, drei Frauen – fordert Geschlechtergerechtigkeit. Und zwar schnell. Der Weltfrauentag am 8. März wäre eine wunderbare Gelegenheit, Frauen zum Zug kommen zu lassen. Denn die beiden neuen Straßenbahnen, angeschafft wegen der längeren Strecke nach Böfingen, sind ungetauft.
 
Die Grünen haben an den OB geschrieben und unterbreiten Namensvorschläge. Sie haben Ulmerinnen ausgesucht, die „beispielhaft für das Engagement Ulmer Frauen“ stehen und dafür geehrt werden sollten. Ihre Vorschläge:
 
Elise Ernst (1891 bis 1969) begann 1944 nach der Bombardierung eine spontane Hilfsaktion am Bahnhof und war Gründerin der Christlichen Bahnhofshilfe in Ulm. Die gebürtige Ulmerin Hildegard Knef (1925 bis 2002) war als Schauspielerin, Autorin und Sängerin weltbekannt. Agnes Schultheiß (1873 bis 1953) war Mitbegründerin und langjährige Vorsitzende des Rettungsvereins Guter Hirte und eine der ersten Stadträtinnen. Resi Weglein (1894 bis 1977) wurde als Jüdin verfolgt, setzte sich im KZ Theresienstadt als Krankenschwester ein und verbrachte den Rest ihres Lebens wieder in Ulm. Nach ihr ist am Kuhberg bereits eine Straße benannt.
 
Jede der Frauen ist würdig, als Namenspatronin für eine Tram zu fungieren. Nur eine Frage bleibt offen: Wieso vier Namen für zwei Straßenbahnen? Soll Ivo Gönner eine breite Auswahl haben? Oder möchten die Grünen Doppelnamen? Vielleicht denken sie aber einfach weiter: Der nächste Combino kommt bestimmt – falls die Strecke ausgebaut wird.
 




Erscheinungsdatum: Freitag 06.03.2009 12:07 Uhr

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