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Thema des Tages

GESELLSCHAFT / Britische Pädagogen wehren sich gegen Schikane durch Schüler
Im Internet grassiert das Lehrer-Mobbing

Immer mehr Lehrer in Großbritannien leiden unter Mobbingaktionen ihrer Schüler im Internet. Das so genannte "Cyber Bullying" greift immer mehr um sich.

HENDRIK BEBBER

LONDON  Der Mathe-Lehrer schrieb mit dem Rücken zur Klasse eine Formel an die Tafel, als ihm ein Schüler blitzschnell die Hose herunterzog. Der "Spaßvogel" flog von der Schule, aber der fassungslose Pädagoge in Unterhose war seither im Internet zu sehen. Mitschüler hatten mit dem Handy ein Video des Vorfalls aufgenommen und ins Internet-Portal "Youtube" gestellt.
 
Dies ist nur ein Beispiel des grassierenden "Cyber Bullying" (to bully heißt schikanieren) unter dem britische Lehrer so leiden, dass es zu einem Hauptthema des Jahreskongress ihrer Gewerkschaft wurde.
 
Vom Psychoterror ihrer Schüler durch Handys und Internetseiten klagt laut einer Umfrage der Gewerkschaft fast die Hälfte ihrer Mitglieder. Meist sind es hassvolle Textbotschaften oder E-Mails. Aber zunehmend werden Lehrer und Lehrerinnen auch Opfer anzüglicher Fotomontagen und Videos im Internet. In einem Fall musste eine Lehrerin monatelang psychisch betreut werden, nachdem Schüler ihr Gesicht in ein Porno-Foto hineinmontiert den ins Internet gestellt hatten. Filme aus den USA etwa zeigen ausrastende Lehrer.
 
"Sie werden öffentlich lächerlich gemacht und ihrer Menschenwürde und ihres Selbstwertgefühls beraubt", klagt die Generalsekretärin der Gewerkschaft, Mary Bousted. Scharfe Kritik üben die Pädagogen auch an Webseiten, in denen Schüler ihren Unterrichtsstil "benoten". So hat "RateMyTeachers" schon eine halbe Million Bewertungen von über 100 000 Lehrern an 5000 britischen Schulen. Der Anbieter achtet zwar darauf, dass keine beleidigenden und "unsachlichen" Kommentare abgegeben werden, kann aber natürlich nicht in jedem Fall prüfen, ob die positiven oder negativen Punkte für einzelne Lehrer gerechtfertigt sind. So klagte der Sportlehrer Andy Brown aus Nordirland, dass ihn die zwei negativen Kommentare in seiner Beurteilung mehr schmerzen als ihn die zwei Dutzend positiven Bemerkungen anderer Schüler gefreut haben.
 
Das Schulministerium versprach Abhilfe. Handys, die von Schülern benutzt werden, um heimlich die Unterwäsche der Lehrerin zu filmen, können kassiert werden. Gleichzeitig wurden die Anbieter von Videobörsen zu stärkerer Kontrolle ermahnt um zu verhindern, dass obszöne und beleidigende Fiktionen verbreitet werden.
 
Eine legale Grauzone bleiben jedoch die "Bewertungs-Seiten" für Lehrer. Rund 50 britische Schulen haben auf ihren hauseigenen Computern schon den Zugang gesperrt.
 
"Absurde" Vorwürfe
 
Michael Hussey, der Gründer der in New York ansässigen "RateMyTeachers" hält diese Zensur und den Vorwurf des "Cyber Bullying" für "völlig absurd." Er wies darauf hin, dass 70 Prozent der Lehrerbewertungen positiv seien. "Aber es gibt halt auch schlechte Lehrer, denen ihre Schüler egal sind, die keine Leidenschaft für den Beruf haben und nur am Gehalt interessiert sind."
 




Erscheinungsdatum: Samstag 21.04.2007

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