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TIERE / Experten beklagen Hunde-Boom aus Osteuropa
Billigwelpen als Schnäppchenware
Österreich verbietet zumindest den Handel auf öffentlichen Plätzen - Auch Angebote im Internet

Schnäppchenpreise und die niedlichen Hundegesichter verleiten viele Menschen zu einem spontanen Kauf, den sie anschließend wieder bereuen. Experten beklagen immer häufiger den Boom von billigen Hunden aus Osteuropa. Der nützt nur den tierfeindlichen Züchtern.

DPA

WIEN  Mit großen Augen blickt der Labradorwelpe aus dem Kofferraum auf. 150 Euro soll der Kleine kosten, sonst droht ihm der sichere Tod, sagt der Verkäufer auf einem Wiener Supermarktparkplatz. Fast jeder Tierfreund greift bei dem Hund zum Schnäppchenpreis zu. Der Handel mit billigen Rassehunden aus Osteuropa ist für die Händler ein boomender Markt.
 
Die Tiere stammen nach Angaben von Experten aus riesigen Zuchtfabriken etwa in Rumänien oder Ungarn, sind gequält, krank, psychisch gestört und nicht geimpft. Mit der Erweiterung des Schengen-Abkommens und dem Wegfall der Grenzkontrollen Ende Dezember wird der Handel mit der Ware Hund weiter aufblühen, befürchten Tierschützer.
 
Als erstes Land hat Österreich reagiert und zu Beginn des neuen Jahres den Handel mit Tieren auf öffentlichen Plätzen verboten. Da die Hunde auch im Internet angeboten werden, versprechen sich die Tierschützer jedoch von dem neuen Gesetz nicht allzu viel. "Die Kontrollen waren schon vorher schlecht, mit der Schengen-Erweiterung fallen sie völlig weg", sagt Philipp Strohm von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten in Österreich. Obwohl die Einfuhr der Hunde ohne die von der EU vorgeschriebenen Impfungen, einem Chip und einem Heimtierpass illegal sei, würden die Händler fast nie aufgehalten. Bis zu 30 Hunde-Lieferungen mit zig Tieren im Kofferraum gehen seinen Schätzungen nach täglich allein über die österreichische Grenze. "In Deutschland ist das Problem mindestens genauso groß."
 
Kosten nur ein Zehntel
 
Der Schnäppchenpreis und das niedliche Welpengesicht verführen viele Menschen, beim Wochenendeinkauf auf dem Supermarktparkplatz mal eben unüberlegt ein Hundebaby mit einzupacken, bestätigen Züchter. "Die Tiere kosten nur ein Zehntel des normalen Preises", sagt die Sprecherin des österreichischen Züchterverbandes, Katja Wolf. Während künftige Herrchen oder Frauchen bei einem seriösen Händler beispielsweise für einen kleinen Golden Retriever zwischen 1500 und 2000 Euro ausgeben müssten, sei der Ostimport bereits für 150 Euro zu haben. Doch mit dem Tier zum Discountpreis kommen auch die Probleme: "Die Hunde bringen Krankheiten wie Staupe nach Österreich, die es hier kaum noch gegeben hat", sagt ein Wiener Amtstierarzt. Die Behandlung der meist kranken Tieren koste dann mehr, als der Besitzer für einen gesunden Hund hätte zahlen müssen. Da die Welpen in den Zuchtfabriken außerdem kaum Kontakt zu Menschen hatten und viel zu früh von der Mutter getrennt wurden, reagieren sie in ihrer neuen Heimat oft ängstlich-aggressiv. Als Folge landen viele nach wenigen Tagen im Tierheim. "Es ist traurig, mit wie wenig Verstand sich die Leute oft einen Hund kaufen", sagt Strohm. Von den Import-Welpen erleben wenige ihren ersten Geburtstag.
 
Nach Schilderung der Züchterin sehen die Händler die Hunde als reine Ware, die es so billig wie möglich zu produzieren gilt: "Wenn eine Hündin es nach mehreren Würfen nicht mehr bringt oder Komplikationen bei einer Geburt hat, wird sie mit den Welpen schlichtweg entsorgt", sagt Wolf.
 
Auch die übrig gebliebenen Tiere nach einer Verkaufstour im Kofferraum werden ihrer Schilderung nach umgebracht: "Der Hund ist für die Händler nur etwas wert, solange er niedlich und klein ist - und das ist er eben nur wenige Wochen lang nach der Geburt."
 




Erscheinungsdatum: Donnerstag 27.12.2007

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