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SCHWEIZ / Dignitas in der Kritik
Die Mehrheit stört der Sterbetourismus

Nach dem Tod zweier Deutscher auf einem Parkplatz wächst der Druck auf Dignitas. Viele Schweizer wollen nicht, dass man zum Sterben in ihr Land kommt.

JAN DIRK HERBERMANN, ZÜRICH

Die Eidgenossen halten wie kaum eine andere Nation ihre individuellen Freiheitsrechte hoch. Entsprechend liberal stehen sie dem assistierten Suizid gegenüber. Das Recht auf einen schmerzfreien Freitod stellt nicht einmal die christdemokratische CVP in Frage. Schweizer, die mit ärztlicher Hilfe aus dem Leben scheiden wollen, wenden sich meist an die Organisation Exit, die 60 000 Mitglieder zählt. Skeptisch sieht man den Verein Dignitas, weil er sich vor allem als Organisation für Ausländer versteht und verantwortlich für den ungeliebten Sterbetourismus gemacht wird.
 
Seit der Sterbehilfe für zwei Deutsche auf einem Parkplatz nahe Zürich geraten Dignitas und sein Vorsitzender Ludwig Minelli (74) immer stärker unter Druck. Der Zürcher Oberstaatsanwalt Andreas Brunner geißelt den Tod auf dem Parkplatz als "unter jeder Würde". Sozialdemokraten und CVP-Vertreter verlangen, es dürfe nie mehr zu solchen Szenen kommen. Brunner fordert nun Richtlinien, die eine Beihilfe zum Suizid bei Ausländern unmöglich machen sollen.
 
Am schärfsten geht das Ex-Vorstandsmitglied der Sterbehilfeorganisation Exit, Andreas Blum, mit Minelli ins Gericht: "Durch seine Militanz schadet er der Sache, für die er vorgibt zu kämpfen. Ich halte ihn für einen Zyniker." Der Dignitas-Chef, Journalist und Rechtsanwalt, gilt als einer, der zu Hochform aufläuft, wenn er polarisieren kann.
 
Seit einiger Zeit findet Minelli kein Zimmer für die Sterbehilfe mehr. Lange bot er die Freitodbegleitung in einer Mietwohnung in der Zürcher Gertrudstraße an. Mehrfach in der Woche kamen die Bestatter und holten die Toten ab. Die Anwohner fürchteten um den Ruf des Viertels. Für Minelli begann nach der Kündigung eine Irrfahrt: Mal mietete er Hotelzimmer an, mal ging er in ein Gewerbezentrum, jetzt war es der Parkplatz. Stets betont er, dass die Sterbewilligen bis zuletzt von ihren Vorhaben Abstand nehmen können. Gleichzeitig muss er einräumen, dass der Tod bei Dignitas nicht immer ein schneller Tod ist - in mindestens einem Fall dauerte das Sterben drei Tage lang.
 




Erscheinungsdatum: Freitag 23.11.2007

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