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COMPUTER / Bill Gates ist einer der meist gehassten Menschen in der PC-SzeneMilliardär mit vielen Gesichtern
Verschmitztheit und brutale Geschäftsmethoden führten nach ganz obenEr wird gehasst und bewundert. Er gilt als genial und als maßlos überschätzt. Seine Geschäftserfolge werden genauso gerühmt wie seine milliardenschwere Stiftung. Der Microsoft-Mitbegründer Bill Gates polarisiert. Jetzt will der zweitreichste Mensch in den Ruhestand gehen.
THOMAS VEITINGER
Im Internet kursiert ein Film, der Bill Gates beim Spiel mit kleinen bunten Plastikfiguren in seinem Büro zeigt. Das besondere daran: Nichts wirkt komisch. Die Verschrobenheit und das Kindliche passen zum zweitreichsten Mann der Welt (am reichsten ist der mexikanische Telekom-Krösus Carlos Slim), der Spaß am Spiel scheint nicht aufgesetzt. Der Streifen zeigt fiktiv Gates letzten Arbeitstag. Nun wird dieser tatsächlich bald eintreten: Der Microsoft-Mitbegründer und 59-fache Dollar-Milliardär will bis zur Jahresmitte aufhören und seine kometenhafte Karriere beenden.
Warum der einst schmächtige Computer-Freak mit der zu großen Brille die Branche revolutionieren konnte, darüber wird seit eh und je gerätselt. Sein jugendliches Gesicht dürfte ein Türöffner sein. Selbst jetzt, 52 Jahre alt, wirkt er unter den Nadelstreifen-Bossen deplatziert. Sein verschmitztes Grinsen drückt aus: Seht her, ich habe höchstens Flausen im Kopf, aber bestimmt nichts Ernstes.
Ein Trugschluss - wie viele bereits erfahren mussten. Dies fängt bereits in der Schule an, als der Sohn eines vermögenden Rechtsanwalts Zugang zu Computern bekommt. Er manipuliert sie, um mehr Rechenzeit zu erhalten und wird daraufhin prompt vom Computerkurs ausgeschlossen. Anschließend einigt er sich aber mit dem Software-Hersteller darauf, Fehler in Programmen zu suchen und zu beseitigen und verdient damit sein erstes Geld.
Mit Verhandlungsgeschick legt der Studienabbrecher später den Grundstein für sein Imperium. Der Computer-Gigant IBM lässt sich von Gates junger Firma Microsoft das Betriebssystem MS-Dos liefern. Gates behält aber die Vermarktungsrechte. Auch andere Computer-Hersteller des sich stürmisch entwickelnden Marktes müssen daraufhin Geld an Microsoft zahlen. "Windows" (Fenster) wird mit diesem Kapital entwickelt und zum alles ominierenden Betriebssystem mit über 90 Prozent Marktanteil ausgebaut.
Apple fensterlt schon länger
Dass heute auf neun von zehn Computern Windows-Programme laufen, ist aber keine Erfindung von Microsoft. MS-Dos ist zugekauft, die Fenster-Technologie beim Konkurrenten Apple längst im Einsatz. Gates verfügt aber über genügend Geld, Verhandlungsgeschick und Skrupellosigkeit. Und er erkennt, dass die IBM-Prognose, es werde einmal weltweit höchstens 10 000 Computer geben, Quatsch ist.
Ein großer Visionär ist Gates dennoch nicht. Das zeigte sich auch bei seinem letzten großen Auftritt auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas, wo er sein Vermächtnis hätte hinterlassen können. Zunächst spielt Gates ein paar Takte des Rocktitels "Welcome to the Jungle" auf einer Plastik-Gitarre, um dann zu orakeln, dass im Wohnzimmer Fotos, Dokumente, Filme, Spiele und Musik bald zentral gespeichert und per Sprachsteuerung abgerufen werden können. Doch das alles gibt es schon - dies vorherzusagen, ist wahrlich nicht originell.
Gates liegt auch oft daneben. Die Liste seiner Flops ist lang. So verschläft er zunächst die Entwicklung des Internets, sein Suchdienst "MSN Search" ist bis heute kein Erfolg. Handcomputer, auf denen man mit einem Griffel schreiben kann, sind Rohrkrepierer. Das Potenzial von Musik-Playern wie Apples iPod wird nicht erkannt. Die Spielkonsole X-Box bringt Milliarden Dollar Verluste ein, elektronische Bücher und eine Windows-Uhr sind Ladenhüter.
Aber Gates schafft es auch, einen Misserfolg ins Gegenteil zu drehen - zumindest persönlich: Die grafische Oberfläche MS Bob, die mit virtuellen Alltagsgegenständen die Arbeit einfacher machen soll, interessiert zwar niemanden. Die Projektmanagerin Melinda Ann French aber wird Bill Gates Frau und heißt heute Melinda Gates. Zusammen hat das Paar drei Kinder.
Ein Glück, das ihm aber viele nicht gönnen. Gates gilt als eine der meist gehassten Personen der Computer-Szene. Das liegt daran, dass Windows so unzuverlässig ist. Abstürze und die folgende Fehlermeldung vor blauem Hintergrund sind legendär. Selbst dem Microsoft-Gründer passiert zur Schadenfreude des Publikums ein Windows-Absturz auf offener Bühne.
Konkurrenten werden von Gates gnadenlos ausgebootet, aufgekauft oder vor Gericht gezerrt, die Machtstellung mit allen Mitteln verteidigt. Das Geschäftsgebahren ruft immer wieder Gerichte auf den Plan. Microsoft wird wegen Patentverletzung und Monopolmissbrauchs angeklagt. Die EU verurteilt den Konzern zu 497 Millionen Euro Strafe.
Auch ein Wohltäter
Dazu kommen eine Reihe von Prozessen, die mit Vergleichen endeten. Erst Anfang dieser Woche hat die EU-Kommission zwei neue Verfahren gegen Microsoft eingeleitet. Geprüft werden sollen Vorwürfe, wonach das Unternehmen seine Monopolstellung genutzt hat, um Wettbewerber bei den Büroprogrammen und den Internet-Browsern vom Markt zu drängen.
Doch Gates hat auch ein anderes Gesicht. In eine Stiftung ist ein Großteil seines Vermögens eingeflossen. Von 29 Milliarden Dollar wurden bis heute etwa 7,5 Milliarden für wohltätige Zwecke gespendet, meist für Impfstoffe und Gesundheitsprojekte in Afrika und Asien. Kritiker werfen ihm dabei vor, dass er das Geld allzu beliebig ausgibt und so mit dem Schicksal der Menschen spielt. Aber vielleicht ist das ganze Leben für ihn nicht viel mehr als ein Spiel mit vielen Figuren.
Erscheinungsdatum: Freitag 18.01.2008
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