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AUSZEICHNUNG / Vor ihrem UNO-Auftritt kommt die Kanzlerin einer feierlichen Pflicht nach
Angela Merkel ist jetzt Welt-Staatsmann

Große Ehre für Angela Merkel: Die Bundeskanzlerin hat in New York eine Ehrung als "Welt-Staatsmann" erhalten. Die Auszeichnung wurde ihr vor ihrem Auftritt bei der Generaldebatte der UN-Vollversammlung auch für ihr engagiertes Eintreten für Israel verliehen.

HEIKE WARMUTH, NEW YORK

Kanzlerin Angela Merkel betritt den kleinen Festsaal im eleganten St. Regis Hotel an der 55. Straße in Manhattan am Arm von Rabbi Arthur Schneier. Beide gehen bedächtig durch die Reihen der etwa 200 Anwesenden. Politiker, wie der österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und die israelische Außenministerin Zipi Livni haben sich eingefunden, um sich die feierliche Zeremonie nicht entgehen zu lassen. Immerhin wird die deutsche Regierungschefin offiziell zum "2007 Welt-Staatsmann" erklärt.
 
Vergeben wird die Auszeichnung, von der "Appeal of Conscience Foundation" (Stiftung zur Mahnung an das Gewissen). Eine Organisation, von Geistlichen verschiedener Religionen, von Politikern und Wirtschaftsführern. Darunter Medientycoon Rupert Murdoch und dem ehemaligen Nixon-Außenminister Henry Kissinger - der auch die Laudatio hält. 1965 von Rabbi Schneier gegründet, hat sich die Stiftung der Förderung von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten verschrieben. Schon Gerhard Schröder und Richard von Weizsäcker waren "World Statesman".
 
"Mit unserer Zusammenarbeit als Partner des Friedens haben unsere Nationen mitgeholfen Hoffnung unter den Menschen auf der ganzen Welt zu verbreiten", gratulierte etwa US-Präsident George Bush in einem Brief Merkel zu ihrer Auszeichnung. Auch Senatorin Hillary Clinton und der UN-Chef Ban Ki-moon sandten Glückwünsche.
 
Trotz der honorigen Teilnahme und Anteilnahme an der Preisverleihung, muss allerdings ehrlich gesagt werden: Kaum jemand kennt diese Auszeichnung. Niemand weiß so recht, was sie bedeutet. Der gläserne Adler mit den zerbrechlichen Flügeln wird wohl im Wohnzimmerschrank der Kanzlerin verstauben.
 
Mit Symbolcharakter
 
Dennoch: In gewissem Sinn kann er als Symbol gesehen werden. Nämlich, dass Angela Merkel einmal mehr auf der politischen Weltbühne angekommen ist. Dass sie sich auf dem internationalen Parkett bestens zu bewegen weiß. Sie ist gewissermaßen ein Star hier in New York, dem jeder nahe sein will. Vor allem die zahllosen Medienvertreter - die vor Ort oder die sie begleitenden.
 
Der Aufenthalt im "Big Apple" New York tut Merkel sichtlich gut. Die intensive Medienberichterstattung wird sie im Hinblick auf die 2009 anstehende nächste Bundestagswahl wohlwollend registrieren: Es kann dann nur von Vorteil sein, dass die Bundeskanzlerin als internationales politisches Schwergewicht gehandelt wird. Das steigert die Popularität auch Daheim.
 
Dass selbst die Frau "Welt-Staatsmann" aber nur ein kleines Rädchen im Getriebe ist, hat dann ihr Auftritt vor den Vereinten Nationen in der Nacht zum Mittwoch (MEZ) gezeigt. Erst nach langer Wartezeit konnte Merkel zur lokalen Abendstunde endlich ihre erste Rede vor der UN-Vollversammlung zur Sitzung der Vereinten Nationen halten. Das Protokoll der UN legt nämlich fest, dass Staatsoberhäupter vor Regierungschefs zu Wort kommen müssen. Geduldig musste Merkel also den Ansprachen des US-Präsidenten George Bush, des iranischen Staatschefs Mahmoud Ahmadinedschad und des Prinzen von Monaco lauschen, bevor sie selber das Podium betreten durfte.
 
"Wir leben in einer Zeit mit gewaltigen Umbrüchen. Großartige Perspektiven stehen dicht neben erheblichen Risiken", erklärt die Kanzlerin zum Einstieg. Von Globalisierung und ihren Herausforderungen spricht sie, von Klimawandel, fairem Wettbewerb, der Handlungsfähigkeit der Vereinten Nationen und natürlich dem Iran-Problem. "Machen wir uns nichts vor: Wenn der Iran in den Besitz der Atombombe käme, dann hätte das verheerende Folgen: zuerst und vor allem für die Existenz Israels, dann für die gesamte Region und schließlich für alle in Europa und der Welt."
 
Etwas enttäuscht war sie am Ende des Tages dann jedoch über George Bushs Aussage, dass für ihn nicht Deutschland, sondern Japan als aussichtsreichster Anwärter auf einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat gilt. Und dass, obwohl sich das Verhältnis USA-BRD seit dem Abgang Gerhard Schröders spürbar entspannt hat. Und Bush die Kanzlerin immer wieder einmal auch "meine Freundin" nennt.
 
Die Bundeskanzlerin ist gestern nach Berlin zurückgeflogen. Ihre Hoffnung setzt sie jetzt auf die im Dezember stattfindende Klimaschutzkonferenz auf der indonesischen Insel Bali. Dort sollen konkrete Maßnahmen zu einem Nachfolgeabkommen des Kyoto-Protokolls getroffen werden.
 
Dass die ehemalige Umweltministerin und frischgebackene "Welt-Staatsmännin" dabei eine wichtige Rolle spielen wird, darf man nach ihrem Auftritt in New York in dieser Woche annehmen.
 




Erscheinungsdatum: Donnerstag 27.09.2007

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