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Organ verkauft, Plantage gewonnen
In Asien blüht das Geschäft mit Lebendspenden für wohlhabende Ausländer

Die Armut treibt viele Menschen dazu, ihre Organe zu verkaufen. In Asien "spenden" junge Männer ihre Niere oder ein Teil ihrer Leber für wohlhabende Ausländer - im Tausch für einige tausend Euro.

SABINE SEEGER

Salimudin hat gut lachen. Der junge Indonesier ist Besitzer einer Palmenplantage. Er baut Palmöl an, ein Produkt, das auf dem Weltmarkt ziemlich gefragt ist, weil es in die Produktion von Margarine, Kosmetik und Seife wandert und auch der Herstellung von Biodiesel dient. Das Öl sichert ihm ein gutes Auskommen. Erst kürzlich konnte der 27-Jährige mit seiner Frau und den beiden Kindern ein neues Haus beziehen. Ein schönes Heim aus den harten Stämmen des tropischen Regenwaldes. Der beginnt nicht weit von der Plantage. Suleiman lebt auf Sumatra, der sechstgrößten Insel der Welt. Der Äquator läuft mitten durch das Eiland und teilt es in eine Nord- und eine Südhälfte. Salimudin ist im Norden zuhause: in Galang, einem Bauerndorf.
 
Zu den Bauern darf sich Salimudin rechnen. Neuerdings. Denn noch vor wenigen Jahren war er einer der "armen Teufel", die sich den Plantagenbesitzern als Tagelöhner andienten. Aber der junge Mann hat den Sprung aus der Armut geschafft. Allerdings zu einem Preis, einem hohen Preis. Der zweifache Familienvater hat einen Teil seiner Leber "verkauft".
 
Eigentlich hatte er keine Ahnung, dass so etwas möglich ist. Bis eines Tages - es war im Jahr 2002 - Männer in Galang auftauchten, die ihn auf der Suche nach Organspendern ansprachen. Dann ging alles sehr schnell: Der Spender wurde nach Singapur geflogen und operiert. Dort wartete ein reicher Geschäftsmann auf den Teil der Leber. Die Spende brachte Salimudin zwar einige Wochen Gefängnis und eine saftige Geldstrafe ein, denn der Stadtstaat verbietet Organhandel. Dennoch hat sich das Geschäft gelohnt: Als er nach dreimonatiger Behandlung nach Sumatra zurückkehrte, hatte er 22 000 Euro in der Tasche. Er konnte er sich den Traum von der eigenen Plantage erfüllen.
 
Salimudins gibt es viele in Asien, Männer und Frauen, die dem Elend entrinnen wollen und dafür auch bereit sind, ein Organ zu opfern. In Pakistan oder auf den Philippinen werden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO Jahr für Jahr je 2000 Nieren entnommen und verkauft. Angehörige der Botschaften beider Länder, so vermutet die WHO, fungieren als Vermittler. Sie nutzen ihre Auslandsposten zum Handel und erzielen damit eine willkommene Nebeneinnahme. Auch in Indien floriert das Geschäft: Jedes Jahr trennen sich 2000 Inder vom Kontrollorgan der Körperflüssigkeiten. Den Rekord aber hält China mit 12 000 Nieren- und Lebertransplantationen. Spezialisierte Zentren in Shanghai oder Hongkong bieten auf ihren Homepages "Transplant Packages" an, "All Inclusive-Touren", deren Preis neben Organ, Operation und Krankenhausaufenthalt auch Dolmetscherdienste mit einschließt. Einen Teil der Leber gibt es für 170 000, eine Niere für rund 100 000 Euro. Was die vertraueneinflößenden Internetseiten verschweigen, ist die grausige Tatsache, dass viele "Organspender" zum Tode verurteilte Häftlinge sind.
 
Das illegale Geschäft kennt keine Grenzen, denn weltweit steigt der Bedarf an Organen. In Singapur warten allein 563 Patienten auf eine Niere. In den USA stehen 75 000 auf der Warteliste für Organe, in der EU sind es 40 000. Hier sterben täglich zehn Menschen, weil sich für sie keine Lunge oder Leber findet. Entsprechend groß ist die Not und mit ihr die Versuchung, sich auf dem "Schwarzmarkt" umzutun.
 
Auf Sumatra kommen die Mittelsmänner der Organmafia mittlerweile aber nicht mehr nach Galang. Dafür haben sie einen Gewährsmann beauftragt. Herr Iyan betreut den örtlichen Wohlfahrtsverband, er verteilt staatliche Gelder, Sozialleistungen an die Bedürftigen - und nebenbei rekrutiert er willige Organspender. Junge Dorfbewohner wie Muhd Hisab Lubis, der mit seinen 31 Jahren seinen Job als Lastkarrenfahrer gerne an den Nagel hängen will. Oder Dodi Harmoko, der mit seinen 33 den Dienst als Wachmann gerne aufgeben möchte. Beide hoffen, bald eine Niere "verkaufen" und damit ihr Glück machen zu können.
 




Erscheinungsdatum: Donnerstag 28.08.2008

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