SÜDWEST AKTIV > Land und Welt > Im Brennpunkt
Ihre Ansprechpartner Impressum
Anmeldung für...
SÜDWEST PRESSE - ein starker Verbund

Artikel per E-Mail versenden Artikel drucken Schrift größer Schrift kleiner


BERLINER SZENE
Versteckte Kritik
 
Manchmal ist sogar die Bundeskanzlerin erstaunt, wie leicht es ihr Journalisten machen, sich in Interviews souverän zu präsentieren. Im Angesicht von Angela Merkel werden selbst berühmte Fernsehmoderatoren von einer erstaunlichen Beißhemmung befallen. Wie jüngst RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel, der die CDU-Chefin beim Sommerinterview augenscheinlich nicht ins Schwitzen brachte. Als die Kameras schon abgeschaltet waren, nicht aber die Mikrophone, entspann sich ein entlarvender Dialog zwischen der Politikerin und dem TV-Anchorman. Merkel: "Das ist doch gut gelaufen." Kloeppel: "Finde ich auch." Merkel: "Sie haben ja auch gar keine kritische Frage gestellt." Kloeppel: "Ich hatte mir aber welche aufgeschrieben. . ."
 
Versteckte Minister
 
In der SPD-Spitze wächst die Nervosität. Davon zeugt eine hitzige Debatte, die jetzt in der Parteiführung um die Frage entbrannte, wieso die sozialdemokratischen Minister, mit Ausnahme des Spitzenkandidaten Frank-Walter Steinmeier, nicht großformatig plakatiert würden. Verwiesen wurde auf die Aktion der CDU, die in diesen Tagen neben ihren eigenen Kabinettsmitgliedern Annette Schavan, Wolfgang Schäuble, Franz Josef Jung und Ursula von der Leyen sogar CSU-Shootingstar Karl-Theodor zu Guttenberg für sich werben lässt. "Ein Unding, dass wir Leute wie Peer Steinbrück oder Sigmar Gabriel verstecken", schimpfte ein SPD-Präside. Kleinlaute Antwort von Wahlkampf-Manager Kajo Wasserhövel: "Wir setzen auf Argumente statt auf Prominente."
 
Verstecktes Foul
 
So richtig hat Michael Glos seinen ruhmlosen Abgang als Bundeswirtschaftsminister noch nicht verwunden. Das lässt der Müllermeister aus Schweinfurt nicht nur manchen vertraulichen Gesprächspartner wissen, er schreckt auch vor versteckten Fouls an seinem Nachfolger Karl-Theodor zu Guttenberg nicht zurück. In dieser Woche verschickte Glos auf dem Briefpapier seines Abgeordnetenbüros im Bundestag eine "Pressemitteilung", um auf ein Sommerfest in seinem Wahlkreis hinzuweisen. Im Pfarrheim von Rannungen werde er mit der stellvertretenden CSU-Generalsekretärin Dorothee Bär an die unterfränkischen Wurzeln Ludwig Erhards erinnern, dessen Vater aus dem kleinen Ort stammt. Dass nun sein Parteifreund zu Guttenberg aus Kulmbach die fränkische Tradition an der Spitze des Wirtschaftsministeriums fortführt, verschwieg Glos dabei absichtsvoll. gha
 




Erscheinungsdatum: Samstag 22.08.2009

zurück zurück zur Ressort-Übersicht