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FREILUFTKUNST / Luci d Artista erleuchten Turin während der dunklen Jahreszeit
Kleine blaue Geister jenseits des Po

In Turin bringen alljährlich von November bis Januar internationale Künstler Licht in die dunkle Jahreszeit. Bislang 16 Kunstwerke erleuchten den öffentlichen Raum.

HENNING PETERSHAGEN

TURIN  Weil er die übliche Weihnachtsbeleuchtung satt hatte, regte der für den Tourismus zuständige Turiner Stadtrat Fiorenzo Alfieri im Jahr 1998 an, während der dunklen Jahreszeit Künstler die Stadt mit leuchtenden Kunstwerken erhellen zu lassen. Daraus entstand die jährliche Saison-Ausstellung "Luci dArtista", die in diesem Winter zum nunmehr sechsten Male stattfindet.
 
An 16 Schauplätzen in der Turiner Innenstadt leuchten die unterschiedlichsten Installationen. Am Dach des charakteristischen Turmes "Mole Antonella" etwa klettert eine rote Zahlenfolge empor, die der (jüngst verstorbene) Mailänder Künstler Mario Merz ersonnen hat. Über der Via Roma leuchten Sternbilder aus dem Atelier des Turiner Künstlers Carmelo Ciammello. Und wer die Via Garibaldi entlangpromeniert, kann sich dort an den Worten des Erzählers Guido Quarzo ergötzen. Die prangen, aufgeteilt in verschiedenfarbige Lichtgirlanden von jeweils einigen Wörtern, über den Häuptern der Passanten.
 
Jedes Jahr kommt ein neues Kunstwerk hinzu. Der Neuzugang dieser Saison ist ein Lichtkunstwerk der New Yorker Künstlerin Jenny Holzer, genannt "Xenon for Torino" - Xenon für Turin. Seit 1996 benutzt Jenny Holzer Xenon-Projektoren, um überall auf der Welt ihre Text-Bilder auf die Wände prominenter Orte zu projizieren. In diesem Fall ist es der Palazzo Carignano, auf dessen barocker Backstein-Fassade eine 6000-Watt-Lampe Holzer-Lyrik in englischer Sprache erstrahlen lässt.
 
Auch eine deutsche Künstlerin ist vertreten - an exponierter Stelle: Jenseits des Po, auf dem Monte dei Cappuccini, hat Rebecca Horn ihre "kleinen blauen Geister" installiert. Die Kirche Santa Maria del Monte dei Cappuccini wird von kräftigen blauen Scheinwerfern angestrahlt, und wie kleine blaue Heiligenscheine schweben davor kreisrunde Lichtröhren am nächtlichen Himmel, der um diese Jahreszeit nicht selten vom Nebel getrübt ist - was der Installation eine andere Qualität verleiht, ohne ihren Reiz zu schmälern.
 
Das kunstvolle Lichtspektakel lässt sich im Übrigen auch in ganz banalen Zahlen bemessen: Über 100 Kilometer elektrischer Leitungen und rund 80 000 Glühbirnen sind in 30 000 Arbeitsstunden installiert worden. Nach dem 9. Januar werden sie wieder verschwinden - bis zum nächsten Herbst.
 




Erscheinungsdatum: Freitag 02.01.2004

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