SÜDWEST AKTIV > Land und Welt > Politik
Ihre Ansprechpartner Impressum
Anmeldung für...
SÜDWEST PRESSE - ein starker Verbund

Artikel per E-Mail versenden Artikel drucken Schrift größer Schrift kleiner


BELGIEN / Selbst im Notfall müssen Helfer an der roten Ampel halten
Fahrverbot für die Feuerwehr

SABINE SEEGER

BRÜSSEL  Wer in Belgien die Feuerwehr ruft, kann nur auf eine grüne Welle hoffen. Denn die Retter müssen an roten Ampeln stoppen, andernfalls drohen Strafzettel und Fahrverbot.
 
Schnell wie die Feuerwehr - dieser Vergleich als Ausdruck großer Geschwindigkeit mag für Deutschland gelten. In Belgien greift er aber nicht. Dort ist die Geschwindigkeit der Feuerwehrmänner zwangsweise gedrosselt. Gleichgültig, wie groß der Brand, gleichgültig, wie viele Menschen in Gefahr sind, das Auge des Gesetzes kennt keine Gnade: Selbst beim größten Brand müssen die Löschfahrzeuge an den roten Ampeln anhalten und wie jeder andere Verkehrsteilnehmer geduldig warten, bis das Licht auf Grün springt.
 
Die Verkehrsgesetze in Belgien unterscheiden nicht zwischen rasendem Schuft und rasendem Schutz. Das führt dazu, dass verantwortungsvolle Feuerwehrleute regelmäßig in einer Zwickmühle stecken. Sollen sie als gute Vorbilder an der roten Ampel stoppen und den Flammen freien Lauf lassen, oder der Not gehorchend rasch zum Einsatzort düsen?
 
Folgen sie dem Rat ihrer Gewerkschaft, dann entscheiden sie sich für ersteres. Denn die hat jetzt die Parole ausgegeben, dass die Einhaltung der Verkehrsregeln Vorrang hat. Ihre Mitglieder sind nämlich stinksauer, weil immer mehr Einsatzleiter hinterm Steuer abgestraft werden. Seit Beginn des Jahres wurden mehr als 400 von einem Strafmandat überrascht. Der Grund sind Radarfallen. Von denen gibt es vor allem in und rund um Brüssel immer mehr. Sie blitzen und nehmen auf, was sich in ihrem Blickfeld an Verkehrssündern tummelt - eben auch Fahrer, die hinter dem Steuer der roten Spritzenwagen sitzen.
 
Jüngst erwischte es einen Floriansjünger im Brüssels Vorort Vilvoorde. Der Feuerwehrmann gab auf dem Weg zum Einsatz bei Rot Gas. Das kostete ihn 275 Euro Strafe - und acht Tage Fahrverbot. Das brachte das Fass zum Überlaufen, die Zunft kocht vor Wut. Sie fordert eine Gesetzesänderung.
 
Doch das kann dauern. In Belgien brauchen derartige Änderungen schon zu normalen Zeiten länger als anderswo in Europa. Und derzeit herrscht im Königreich Belgien ohnehin Krisenstimmung. Die Bildung einer neuen Regierung will einfach nicht klappen. Da steht die Debatte um Strafzettel für die Feuerwehr ganz hinten an.
 




Erscheinungsdatum: Dienstag 11.12.2007

zurück zurück zur Ressort-Übersicht