QUALIFIZIERUNGKOMMENTAR: Zu kurz gesprungen
GUNTHER HARTWIG
Deutschland hat zu viele Schulabbrecher und Jugendliche ohne Berufsausbildung. Es fehlt an Facharbeitern und Akademikern, besonders in den technischen Berufen. Deshalb wird es höchste Zeit für eine konzertierte Bildungsoffensive von Staat und Wirtschaft. Sonst fällt die Bundesrepublik im internationalen Wettbewerb immer weiter zurück.
Die jetzt mit viel Getöse präsentierte Qualifizierungsinitiative der Bundesregierung ist allerdings nicht mehr als eine Absichtserklärung, der konkrete Taten erst noch folgen müssen. Da wird manches im Kompetenzgerangel zwischen Bund, Ländern und Kommunen hängen bleiben, schließlich haben sich die Länder bei der Föderalismusreform I die alleinige Zuständigkeit für Schulen und Universitäten erstritten. Zudem erscheint der Finanzrahmen von rund 500 Millionen Euro für alle Maßnahmen nicht besonders ehrgeizig, wenn man den beträchtlichen Nachholbedarf auf dem Bildungssektor in Erinnerung ruft.
Der Koalition kommt es wohl vor allem darauf an, den Sockel erfolgloser Altbewerber auf dem Lehrstellenmarkt bis zum Wahljahr 2009 abzubauen, um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, viele Jugendliche in Deutschland hätten keine Perspektive. Dieses Ziel, immerhin, erscheint mit dem Förderprogramm erreichbar. Zur Lösung aller anderen Bildungsprobleme sind sicher weitaus mehr Anstrengungen nötig.
Erscheinungsdatum: Donnerstag 10.01.2008
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