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Thema des Tages

ZUR PERSON: Im Schatten der Vergangenheit

Berlusconis Rechte hat auch das Rathaus in Rom erobert. Mit Gianni Alemanno zieht dort ein Mann mit postfaschistischer Vergangenheit ein.

BETTINA GABBE, ROM

Roms neuer Bürgermeister Gianni Alemanno hatte sich zu Beginn des Wahlkampfs kaum Chancen ausgerechnet, ins Rathaus einzuziehen. Zu stark schien die Hausmacht des scheidenden stellvertretenden Ministerpräsidenten Francesco Rutelli, der ihn im TV-Duell selbstgefällig als "Schätzchen" angeredet hatte. Alemanno haftete zudem der Geruch des Faschisten aus seiner Jugendzeit in der Partei seines Schwiegervaters an. Wegen einer Haftstrafe nach einem Angriff auf die sowjetische Botschaft in den 80er Jahren gilt der 50-Jährige seinen Gegnern als "faschistischer Schläger". Noch heute trägt er ein keltisches Kreuz am Hals, das Italiens Rechtsextreme als Markenzeichen benutzen. Doch bereits mit seiner Wahlkampagne, in der er Kindergartenplätze für alle versprach, bemühte Alemanno sich um Abgrenzung von der Vergangenheit. Vor der Stichwahl besuchte er demonstrativ Roms große Moschee und würdigte deren Integrationsbemühungen.
 
Seinen Aufstieg ins Rathaus begrüßten Anhänger mit dem italienischen Pendant zum Hitlergruß. Das tat Alemanno als "Prahlerei einiger Dutzend Personen, die wir nicht verteufeln sollten" ab. Er selbst bekannte sich zur Demokratie: "Wir müssen für immer mit der Nostalgie und dem Ruf nach jedweder Form von Totalitarismus abschließen." Nach dem Motto "Rom verändert sich" kündigt Alemanno tiefgreifende Veränderungen nicht nur in Fragen der öffentlichen Sicherheit an. Rutellis Lieblingsprojekt, das neue Museum für den Friedensaltar von Kaiser Augustus in der Altstadt, will er abreißen und am Stadtrand wieder aufstellen. Dabei gehört der 2006 eingeweihte Bau nach dem Vatikan und dem Kolosseum zu den drei meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Roms.
 




Erscheinungsdatum: Samstag 03.05.2008

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