SÜDWEST AKTIV > Land und Welt
Ihre Ansprechpartner Impressum
Anmeldung für...
SÜDWEST PRESSE - ein starker Verbund

Artikel per E-Mail versenden Artikel drucken Schrift größer Schrift kleiner


USA / Die Vereinigten Staaten verschärfen von Oktober an ihre Einreisebestimmungen
Auch Babys brauchen einen Pass
Visumpflichtige müssen ihre Anträge persönlich bei der Botschaft stellen

Wer eine USA-Reise bucht, muss bei der Einreise schon jetzt mit verschärften Kontrollen rechnen. Von Oktober an darf nur noch einreisen, wer einen fälschungssicheren Ausweis besitzt. Selbst Babys brauchen dann den Euro- Pass. Hier Tipps, worauf USA-Reisende achten sollten.

FABIAN VON POSER

USA-Reisen boomen. Der schwache Dollar macht es möglich. Doch die Pläne der US-Regierung, ihre Einreisebestimmungen zu verschärfen, haben viele Urlauber verunsichert. Zwar hat Washington das bereits für vergangenen Oktober geplante Maßnahmenpaket nach langem Tauziehen mit der Europäischen Union verschoben. Doch im Oktober will die US-Regierung nun endgültig Ernst machen. Wir sagen, wie die Einreise derzeit funktioniert, welche Regelungen ab Herbst auf USA-Reisende warten und welche Maßnahmen darüber hinaus geplant sind.
 
So funktioniert die USA-Einreise derzeit: Noch ist fast alles beim Alten. Reisende aus den 27 so genannten Visa-Waiver-Ländern, darunter auch Deutschland, Österreich und die Schweiz, können als Geschäftsreisende oder Touristen bis zu einer Dauer von 90 Tagen ohne Visum einreisen - selbst wenn sie den alten grünen Reisepass besitzen. Aufwendiger ist die Reisevorbereitung seit Januar dagegen für visumpflichtige USA-Besucher. Das sind zum Beispiel solche, die länger als drei Monate im Land bleiben, Austauschschüler, Studenten und Nordamerikareisende, die vorhaben, eine Arbeit in den USA aufzunehmen.
 
Konnten Visa-Anträge bislang schriftlich eingereicht werden, muss der Antragsteller neuerdings persönlich bei einem der US-Konsulate in Frankfurt oder Berlin vorstellig werden - egal, ob er aus Flensburg oder Garmisch-Partenkirchen kommt.
 
Auch Deutsche, die außerhalb der Bundesrepublik wohnen, müssen ihren Antrag persönlich stellen. Ausgenommen sind Kinder unter 14 Jahre, Personen über 79 Jahre und Diplomaten auf Dienstreisen. Für das US-Visum benötigen Bewerber ein Foto, außerdem werden zwei digitale Fingerabdrücke erstellt. Meist muss der Antragsteller in einem kurzen Interview mit einem US-Beamten auch Auskünfte über private Dinge wie das Motiv seiner Reise und im Einzelfall sogar zu seinen Vermögensverhältnissen geben.
 
Die Fingerabdrücke werden bei der Einreise in die USA mit den gespeicherten verglichen. Bei der Rückreise müssen visumpflichtige Reisende seit Januar an vielen US-Flughäfen an Selbstbedienungsterminals mit der Eingabe ihres Fingerabdrucks ihre Ausreise bestätigen. So funktioniert die Einreise ab 26. Oktober: Visumpflichtig sind ab 26. Oktober USA-Reisende deutscher Staatsangehörigkeit, die keinen maschinenlesbaren Reisepass besitzen, zum Beispiel den alten grünen. Für sie gilt die oben beschriebene Prozedur der Visa-Beschaffung. Für Reisende mit dem maschinenlesbaren, bordeauxfarbenen Reisepass ändert sich ebenfalls etwas. Zwar können sie auch nach dem 26. Oktober bis zu einer Dauer von 90 Tagen als Touristen oder Geschäftsreisende ohne Visum in die USA einreisen. Den neuen Reisepass benötigen dann aber auch Kinder, denn Kinderausweise, vorläufige Reisepässe und Einträge der Kinder in den Pässen der Eltern werden für die visumfreie Einreise nicht mehr akzeptiert. Jeder Reisende muss also seinen eigenen maschinenlesbaren Reisepass haben - im Zweifelsfall auch ein Baby.
 
Gut drei Wochen vorher, nämlich am 30. September, tritt zudem die jüngst beschlossene neue Einreiseregelung im Kraft: Ab diesem Termin müssen Besitzer des roten Euro-Passes bei der Einreise zwei Fingerabdrücke abgeben und Fotos von sich erstellen lassen. Die amerikanische Regierung begründet die Verschärfung mit dem Fehlen von biometrischen Merkmalen in den Pässen. Laut Gesetz dürfen Besucher ab Oktober nur noch mit fälschungssicheren Ausweisen einreisen. Die meisten Länder, darunter auch Deutschland, verfügen aber derzeit noch nicht über solche Pässe. Die Regelung gilt zunächst an 115 Flughäfen und 14 Häfen. An den meistbesuchten Grenzübergängen zu Lande tritt sie erst Ende des Jahres in Kraft. Insgesamt soll das Scannen der Fingerabdrücke und das Erstellen der Fotos nur 23 Sekunden dauern.
 
Zugriff auf Passagierdaten
 
Diese Maßnahmen sind darüber hinaus geplant: Die Verschärfung der Pass- und Visa-Bestimmungen ist nur ein Teil der zahlreichen Maßnahmen der USA zum Schutz vor Terror. Durch eine Ausnahmeregelung der EU-Kommission haben die US-Behörden über die Buchungssysteme der Fluggesellschaften bereits jetzt Zugriff auf die Passagierdaten europäischer Fluggäste. Abgefragt werden derzeit 34 Daten, darunter Anschrift, Telefon- und Kreditkartennummer, E-Mail-Adresse und Menüwunsch des Passagiers. Datenschützer sehen darin einen eklatanten Verstoß gegen das EU-Recht, weil es in den USA keinen vergleichbaren Datenschutz gibt.
 
Für zusätzlichen Ärger könnte die von der US-Regierung geplante Einführung des so genannten Computer Assisted Passenger Prescreening System (CAPPS II) sorgen, das eine Verschärfung der jetzigen Überprüfung darstellt. Die vom Fluggast bei der Buchung angegebenen Daten werden beim Check-in nicht nur mit amtlichen, sondern auch mit nichtamtlichen Datenbanken abgeglichen. Innerhalb von wenigen Sekunden wird eines von drei Ergebnissen angezeigt: grün für normale weitere Sicherheitsüberprüfung, gelb für sofortige Sicherheitsüberwachung und rot für Alarm.
 




Erscheinungsdatum: Samstag 10.04.2004

zurück zurück zur Ressort-Übersicht