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FORSCHUNG / Protest gegen gentechnisch veränderte Pflanzen
Gegner erstatten Strafanzeige am Maisfeld

Aktivisten des Netzwerks "Gendreck weg" schritten gestern bei Oberboihingen zur Tat. Direkt am Test-Maisfeld erstatteten sie Strafanzeige gegen den Versuchsleiter. Der Professor der Fachhochschule Nürtingen-Geislingen beklagt seinerseits die Zerstörung seines Testfelds.

RAIMUND WEIBLE

NÜRTINGEN  "Normalerweise nehmen wir Anzeigen nur auf der Dienststelle entgegen. Aber weil heute so schönes Wetter ist, machen wir eine Ausnahme", sagt Polizeioberrat Mathias Lipp. Und nimmt die 23-seitige Akte in Empfang, die ihm Jürgen Binder überreicht. Binder, Aktivist des Netzwerks "Gendreck weg" aus Rottenburg, übergibt dem Leiter des Polizeireviers Nürtingen auch das Beweismittel, eine fast ausgewachsene, frisch ausgerissene Maispflanze. Der demonstrative Akt spielt sich am Rande eines Versuchsfelds der Fachhochschule Nürtingen/Geislingen ab, im Flurstück Rübholz beim Nürtinger Stadtteil Oberboihingen. Der Autolärm von der A 8 ist dort nicht zu überhören.
 
Die Versuche der Fachhochschule auf dem Rübholz stören die Gentechnik-Gegner. Professor Andreas Schier unternimmt Saatzeit-Tests mit gentechnisch veränderten Maispflanzen. In das Genom der Sorte "Mon 810" wurde der Bazillus thuringiensis (Bt) eingebaut, der ein spezielles Eiweiß produziert. Das Protein wirkt im Darm des Maiszünslers giftig. Die Pflanze kann sich so selbst gegen den Schädling wehren, ohne dass gespritzt werden muss.
 
Die Gentechnik-Gegner befürchten gravierende Folgen durch den Freilandversuch. Sie sind der Meinung, dass dieser Versuch illegal ist. Sie berufen sich auf ein Gutachten, das von der Grünen-Bundestagsfraktion bei der Kanzlei Gaßner und Kollegen in Auftrag gegeben worden ist. Das Gutachten besagt, dass es keine Genehmigung dafür gibt, Saatgut deutscher Sorten "in Verkehr zu bringen".
 
Jürgen Binder steckt in einem Overall und hat Gummistiefel an. Der gelernte Imker trägt Lipp den Wortlaut der Strafanzeige vor. Sie richtet sich nicht nur gegen Schier, sondern auch gegen die Saatgutfirma, Bundesernährungsminister Horst Seehofer (CSU) und den Stuttgarter Agrarminister Peter Hauk (CDU). Ihnen allen wirft er die ungenehmigte Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen, Boden- und Luftverunreinigung vor. Lipp lächelt, als Binder sagt: "Die Begründung lese ich jetzt nicht vor." Es ist heiß, und die Aktivisten haben vom nächsten Bauernhof zwei Kilometer zu Fuß zurückgelegt.
 
"Versuch kann ich abhaken"
 
Nicht eingeplant von den "Gendreck weg"-Leuten ist Schiers Anwesenheit. Der Professor erwartet die Gruppe am Feldrand und stellt sich ihren Fragen. Unaufgeregt, im blauen Hemd und Jeanshose. Er nützt die Gelegenheit, den Aktivisten und den Journalisten die Vorzüge des Bt-Einsatzes zu verdeutlichen. "Das ist ein außerordentlich sanftes Toxin", meint Schier "und eine der besten Möglichkeiten, den Maiszünsler zu bekämpfen."
 
Am Rand wirkt das Maisfeld völlig intakt. Dahinter sieht es anders aus. Schier führt die Gruppe in die Kultur hinein. Auf 400 Quadratmeter Fläche sind die Pflanzen geknickt und niedergetrampelt. "Das ist am vergangenen Freitag geschehen", sagt der Professor. Auch an anderen Stellen, klagt er, sei das Versuchsfeld zertrampelt worden. Den Schaden schätzt Schier auf 50 000 Euro. Außerdem: "Den Saatzeitversuch kann ich abhaken."
 




Erscheinungsdatum: Donnerstag 02.08.2007

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