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STUDIUM / Rektoren boykottieren Kabinettsbeschluss
Gegenwind an den Unis
Streit um Abschlüsse für Gymnasiallehrer - Zeitplan wackelt

Während noch vor einigen Jahren junge Leute die Universitäten mit dem Magister oder dem Diplom in der Tasche verließen, streben sie heute Bachelor- oder Master-Abschlüsse an. Auch das Studium von Gymnasiallehrern soll umgestellt werden. Doch die Unirektoren sperren sich.

FRANK VAN BEBBER

STUTTGART  Im Streit um neue Bachelor- und Master-Abschlüsse für angehende Gymnasiallehrer boykottieren Baden-Württembergs Universitätsrektoren seit einem halben Jahr einen Beschluss des Landeskabinetts. Kaum zu halten ist damit der Zeitplan, nach dem die neuen Studiengänge für Lehrer bereits im kommenden Wintersemester starten sollten.
 
Die Regierung hatte am 3. Juli entschieden, das Lehrer-Staatsexamen durch die in anderen Fächern bereits üblichen Abschlüsse zu ersetzen. Doch es erhob sich Protest von unerwarteter Seite. Rektoren, die zuvor auf die Reform gedrungen hatten, widersetzen sich. "Die Universitäten weigern sich, das so umzusetzen", sagt der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz, der Konstanzer Rektor Gerhart von Graevenitz.
 
Die Rektoren sehen ein Grundprinzip des neuen, gestuften Studiensystems in Gefahr: Das Land will beim Lehramt alle Absolventen des dreijährigen Bachelors für ein Masterstudium zulassen. Einzige Zulassungsbedingung soll ein geleistetes Schulpraxissemester sein. Für die Rektoren ist das ein Bruch des Systems, das sie in Diplom- und Magisterfächern einführen mussten. Hier dürfen nur besonders gute Bachelor-Absolventen ins Masterangebot aufsteigen. Solch einen "Flaschenhals" müsse es auch beim Lehramt geben, fordert von Graevenitz. Es stelle das neue Abschlusssystem in Frage, wenn beim Lehramt jeder weiterkomme, in den anderen Fächern aber nur von den Universitäten ausgewählte, besonders qualifizierte Kandidaten. Auch drohe dem Lehramt so der Ruf eines Studiums für Leistungsschwache.
 
Bachelor genügt nicht
 
Das Kultusministerium argumentiert dagegen, mit Hinblick auf gesuchte Lehrer für Mangelfächer solle der Zugang nicht erschwert werden. Der Staat habe zudem das Monopol bei der Beschäftigung von Lehrern und damit besondere Verantwortung. "Der Bachelor erfüllt noch nicht die Voraussetzung, um Lehrer zu werden", sagt eine Ministeriumssprecherin. Die Rektoren dagegen verweisen darauf, dass auch Ingenieure geltend gemacht hätten, in Berufen ihrer Richtungen sei der Bachelor nicht viel wert, sondern nur der Master qualifiziere hinreichend. Doch stets hatten die Befürworter der neuen Abschlüsse argumentiert, es gehe ja um neue Berufsbilder und die Chance, nach dem Bachelor zwischen verschiedenen Masterangeboten zu wählen. Nun warten die Beteiligten auf ein Rechtsgutachten, das die Rektoren in Auftrag gegeben haben.
 
Der Streit legt einen alten Konflikt in der Regierung offen. Das Kultusministerium hatte sich lange geweigert, das Staatsexamen zugunsten der uni-internen Prüfungen Bachelor und Master aufzugeben. Das Wissenschaftsministerium dagegen drang darauf. Das Ergebnis war der Kompromiss. Entsprechend vielsagend kommentiert ein Sprecher des Wissenschaftsressorts den Streit: Das neue System fuße darauf, dass es für das Masterstudium gesonderte Zugangsvoraussetzungen gebe. "Daran wird sich nichts ändern", sagt er - um sogleich zu erklären, wegen der Besonderheiten der Lehrerausbildung gebe es keine weiteren Hürden. Ein der Politik geschuldeter Widerspruch, den die Rektoren nicht hinnehmen wollen. Von Graevenitz sagt, es sei an der Zeit, dass das Land bei Fächern für seine eigenen Berufe umsetze, was es allen anderen Studiengängen längst per Gesetz verordnet habe.
 




Erscheinungsdatum: Donnerstag 27.12.2007

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