Thema des Tages
JUGENDSTRAFEN / Alternative zum GefängnisMehr Plätze im "Projekt Chance"
Oettinger für dritten Standort im LandDas "Projekt Chance" soll junge Straftäter vor einer Knast-Karriere bewahren. Regierungschef Oettinger will den Strafvollzug ohne Gefängnismauern ausweiten.
ROLAND MUSCHEL
STUTTGART Sie haben gestohlen, gelogen und geschlagen. Jetzt gehen sie vor dem Frühstück joggen, machen dann Abwasch und lernen anschließend für die Berufsschule. Bis zu 15 jugendliche Straftäter bekommen jeweils in den beiden Häusern des "Projekts Chance" in Creglingen (Main-Tauber-Kreis) und in Leonberg (Kreis Böblingen) eine Chance, sich außerhalb der Gefängnismauern langsam aufs Leben in Freiheit vorzubereiten. Wer gegen die Regeln verstößt, muss zurück in das Jugendgefängnis Adelsheim.
Manche gehen auch freiwillig zurück. Denn der Tagesplan in Creglingen und Leonberg ist härter als hinter Gittern. Aufgenommen werden nur sorgfältig ausgewählte Jugendliche. Wer dann aber seine Chance nutzt, hat ziemlich gute Aussichten auf Resozialisierung.
"Das Projekt Chance mit den beiden Häusern in Leonberg und Creglingen hat bei der Resozialisierung junger Menschen Erfolge gezeigt", lobte Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) das Lieblingsprojekt von Justizminister Ulrich Goll (FDP). "Deshalb wollen wir im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten mehr Plätze in dieser Form der Strafverbüßung schaffen", sagte Oettinger der SÜDWEST PRESSE. "Ich kann mir einen dritten Standort in Baden-Württemberg vorstellen." Leonberg sei ein Angebot für den Großraum Stuttgart, Creglingen für den Norden des Landes. "Auf der Rheinschiene oder im Schwarzwald wäre daher ein weiterer Standort überlegenswert." Darüber wolle er mit Justizminister Goll im Frühjahr sprechen, kündigte er an. Zunächst gehe es darum, die bisherigen Standorte zu sichern.
Bisher hing das Projekt am Tropf der Landesstiftung und privater Geldgeber. Von März an zahlt allein das Land. 203 Euro ist der Tagessatz für einen Jugendlichen, das macht insgesamt gut 2,1 Millionen Euro pro Jahr. Mit dem Etat 2009 will Oettinger "endgültig" klarstellen, dass Creglingen und Leonberg "dauerhaft" fortgeführt werden.
Erscheinungsdatum: Dienstag 15.01.2008
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