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Kampf dem Übergewicht
Aktionsplan für richtige Kinderernährung

Mit dem "Aktionsplan 2018" will die Regierung das Problem Übergewicht bei Kindern bekämpfen. Die Anschubfinanzierung beträgt 400 000 Euro.

ROLAND MUSCHEL

Stuttgart  Angesichts der zunehmenden Zahl dicker Kinder und Jugendlicher will die Landesregierung in Kindertagesstätten, Kindergärten und Schulen auf eine gesündere Ernährung hinwirken. Der dazu erarbeitete "Aktionsplan 2018", der der SÜDWEST PRESSE vorliegt, soll Montagabend im Kabinett verabschiedet werden. Die "bewährte Esskultur und Ernährungstraditionen werden in Familien nicht mehr selbstverständlich transportiert", begründet Agrarminister Peter Hauk (CDU) in der Kabinettsvorlage die Bemühungen. So habe eine Studie ergeben, dass 6,3 Prozent der Kinder zwischen drei und 17 Jahren krankhaft übergewichtig sind. Bei den 18- und 19-Jährigen steigt der Anteil sogar auf 9,4 Prozent bei den Frauen und 14 Prozent bei den Männern. Das Ziel ist daher klar: "Langfristig soll durch die vorgesehenen Maßnahmen des Aktionsplans das Ernährungsverhalten der Kinder und Jugendlichen verbessert werden." Damit, so Hauk, leiste man einen "wichtigen Beitrag zum Rückgang von Zivilisationskrankheiten" wie Herz-Kreislaufbeschwerden.
 
Ein Schwerpunkt des 64seitigen Aktionsplans, den federführend Agrar-Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch erarbeitet hat, liegt auf der Schulverpflegung. Sowohl das Angebot an Schulmittagessen als auch die Pausenversorgung soll gerade mit Blick auf den zunehmenden Trend zu Ganztagesschulen und Nachmittagsunterricht verbessert werden. So soll etwa der Trinkwasserkonsum durch die Bereitstellung kostenloser Trinkwasserspender an Schulen angekurbelt und so dem Boom von Cola und anderen stark zuckerhaltigen Getränken entgegengewirkt werden. Das Angebot der Schulkioske an Obst und Gemüse soll durch Kooperationen mit der regionalen Landwirtschaft besser werden. Ein Programm zur Ausgabe von Schulmilch ist in Planung.
 
Nicht vorgesehen von Seiten des Landes ist indes die Bezuschussung der warmen Schulmahlzeit für Kinder von Hartz-IV-Empfängern. Während Nordrhein-Westfalen dafür einen Sonderfonds aufgelegt hat, fordert Stuttgart vom Bund die Anpassung der Hartz-IV-Sätze.
 
Ein weiterer Fokus des Aktionsplans liegt auf Eltern mit Kleinkindern und auf sozial benachteiligten Familien. So ist die richtige Ernährung im ersten Lebensjahr Bestandteil der Kurse, für die die neuen Bildungsgutscheine für frisch gebackene Eltern eingelöst werden können. Zudem wird das Fortbildungsangebot für Hebammen, Tagesmütter und andere Multiplikatoren in Sachen Ernährungsberatung erweitert. Außerdem soll die bereits bestehende Landesinitiative "Bewusste Kinderernährung" (BeKi) ausgeweitet werden. BeKi-Fachleute informieren im Unterricht der Klassen 1 bis 6 über gesunde Ernährung und stellen Bildungseinrichtungen Informationsmaterialien zur Verfügung.
 
Da für die Umsetzung des Aktionsplans zehn Jahre vorgesehen sind, soll er jährlich aktualisiert werden. Ab 2010 soll der Erfolg der Maßnahmen anhand messbarer Kriterien wie dem Durchschnittsgewicht bei der Einschulung oder der Anzahl der Schulen mit qualitativ guter Mittagsverpflegung überprüfbar sein. Im Etat 2009 sind als Anschubfinanzierung für den Aktionsplan, der in großen Teilen auf bereits bestehenden Programmen wie BeKi aufbaut, 400 000 Euro eingeplant.
 




Erscheinungsdatum: Samstag 18.10.2008

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