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Mehr junge Gewalttäter
Justizminister Goll präsentiert neue Strafverfolgungsstatistik - Etwa 124 000 Personen verurteilt

Gewaltdelikte in Baden-Württemberg nehmen zu - das geht aus der Strafverfolgungsstatistik hervor, die Justizminister Ulrich Goll vorgestellt hat. Besonders die Zahl der jugendlichen Gewalttäter hat sich erhöht.

Stuttgart  Die Zahl der verurteilten Jugendlichen in Baden-Württemberg ist im Jahr 2007 deutlich gestiegen. Wie Justizminister Ulrich Goll (FDP) gestern in Stuttgart mitteilte, wurden 9533 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 18 Jahren rechtskräftig wegen einer Straftat schuldig gesprochen. Das sind 9,5 Prozent mehr als im Vorjahr und fast doppelt so viele wie Anfang der 1990er Jahre. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 123 710 Menschen von einem baden-württembergischen Strafgericht verurteilt. Die Zahl der Schuldsprüche wegen Gewaltdelikten erreichte dabei einen neuen Höchststand. Goll sieht dennoch keinen Anlass zur Besorgnis.
 
Die steigenden Zahlen in einzelnen Bereichen führte er vor allem auf eine erhöhte Sensibilisierung der Bevölkerung und ein damit verbundenes geändertes Anzeigeverhalten zurück. Er habe den Eindruck, dass etwa körperliche Übergriffe Jugendlicher konsequenter als früher verfolgt und bestraft würden. "Die große Zahl der Menschen in Baden-Württemberg ist gesetzestreu", betonte der Politiker. Die steigenden Zahlen seien kein Indiz für immer mehr Kriminalität.
 
Insgesamt stieg die Zahl der Verurteilten 2007 in allen Altersgruppen an - bei den Jugendlichen nach einem Rückgang von sechs Prozent im Vorjahr aber mit deutlichem Abstand am stärksten.
 
Etwa die Hälfte der jungen Leute wurden wegen Diebstahls und Körperverletzungsdelikten verurteilt. Umgerechnet wurde jeder 52. Jugendliche in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr wegen einer Straftat verurteilt. Bei den Erwachsenen war es jeder 83., bei den Heranwachsenden im Alter von 18 bis 21 Jahren wurde jeder 28. schuldig gesprochen. Für Letztere fordert der Politiker, dass bei Straftaten das Erwachsenenstrafrecht angewendet wird. Er halte die Anwendung von Jugendstrafrecht in dieser Altersgruppe etwa bei Körperverletzung "für ein falsches Signal". Dass oft noch das Jugendstrafrecht angewendet werde, vermittle den jungen Erwachsenen das Gefühl, sie seien für ihr Tun noch "nicht so ganz verantwortlich", kritisierte der Minister
 
Alles in allem verzeichnen die Statistiker einen "horizontalen" Trend in der Strafverfolgung, also keine signifikante Entwicklung in die eine oder andere Richtung. Insgesamt mussten sich 2007 vor den Strafgerichten des Landes 145 214 Menschen verantworten. Von den Verurteilten erhielten 90 900 eine Geldstrafe und 19 900 eine Freiheitsstrafe, wobei diese in 14 100 Fällen zur Bewährung ausgesetzt wurde, so dass letztlich 5800 ins Gefängnis mussten. In 3009 Fällen gab es einen Freispruch, in den übrigen Fällen wurde das Verfahren eingestellt.
 
Die Zahl der Verurteilungen wegen Gewaltdelikten - Mord, Totschlag, Vergewaltigung und gefährliche Körperverletzung - stieg um knapp ein Prozent auf insgesamt 5344. Bei Drogendelikten sank dagegen die Zahl der Schuldsprüche im Vergleich zum Vorjahr um 4,7 Prozent auf 8481. ddp
 




Erscheinungsdatum: Dienstag 28.10.2008

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