Straßenbahnbau nach BöfingenY-Schwellen halten Gleise
Der Ausbau der Straßenbahn nach Böfingen verläuft nach Plan. Gut dreiviertel der Schienen sind verlegt. Sobald sie ins Schotterbett eingerüttelt sind, werden die Oberleitungsdrähte gezogen.
Jürgen Buchta, jo
Ulm/ Böfingen Trotz der guten Nachrichten, die die Bauherrn der 4,7 Kilometer langen Straßenbahnlinie von der Friedrichsau nach Böfingen mitzuteilen haben, ein Wermutstropfen bleibt: Die Böfinger Steige ist bis Ende September bergauf gesperrt.
Ursprünglich hätte der Einbahnverkehr zwischen dem Hohen Steg und der Eugen-Boltz-Straße Ende dieses Monat aufgehoben werden sollen. Wegen verschiedener Veranstaltungen wie dem Schwörmontag und dem Stadtmarathon sei es aber bis dahin nicht möglich, die Einmündung der Steige in die Böfinger Straße für ein Wochenende zu sperren. Zwei Tage dauere es schon, um die neue Decke auf das Straßenstück aufzutragen.
„Alles andere liegt im Plan“, berichtet Jörg Zeeb, Projektleiter bei der SWU Verkehr. Sowohl der Zeit- wie auch der Kostenrahmen werde eingehalten – obwohl sich die Preise für Stahl, Treibstoff und Energie massiv erhöht haben. Einschließlich der Vorfinanzierung, die die Stadt übernommen hat, wird der Trassenbau etwa 20 Millionen Euro kosten.
Die Arbeiter haben in den vergangenen Tagen begonnen, die Aufhänger für die Oberleitungen zu montieren. Die Drähte selbst, über die die Straßenbahnen später ihren Strom beziehen, können erst dann gezogen werden, wenn die Gleise fest ins Schotterbett eingerüttelt sind, berichtet Konrad Mezger von Geiger und Schüle. Seine Firma teilt sich mit der Firma Eckle aus Langenau die Arbeiten an der Trasse. Der Gleisbau selbst wird allein von Geiger und Schüle ausgeführt, die auf solche Arbeiten spezialisiert sind. Oberhalb des Hohen Stegs sahen sich die Bauherren vor eine besondere Herausforderung gestellt. Dort verläuft die Trasse 300 Meter lang im engen Bogen und besonders steil: 7,6 Prozent. Dies stellt härteste Herausforderungen an die Gleise. Je nach Kälte oder Wärme – im Sommer werden sie schnell mal mehr als 60 Grad heiß, in einem kalten Winter müssen sie minus 20 Grad verkraften – dehnen und strecken sie sich: „12 bis 15 Zentimeter je 150 Meter Länge sind durchaus möglich“, berichtete Ingo Wortmann, technischer Geschäftsführer der SWU Verkehr.
Würden die Gleise da nicht fest verankert, könnte die Bahn leicht entgleisen. Die gängige aber teure Praxis sei, den Gleisuntergrund zu betonieren und die Schienenstränge fest zu verschrauben. Ansonsten liegen die Gleise unbefestigt auf dem Untergrund und erhalten erst durchs Schotterbett ihre notwendige Stabilität. Für diesen Streckenabschnitt griffen die Ulmer Bauherren auf Erfahrungen zurück, die bei der Berninabahn im Schweizer Kanton Graubünden gesammelt wurden: Auch dort sind Y-förmige Metallschwellen verlegt, die die Gleise trotz aller inneren Spannung zentimetergenau halten.
Wenn alles nach Plan läuft, dann starten die Probefahrten im November, berichtete Wortmann weiter. Bis Ende des Jahres sollte die Strecke technisch abgenommen sein, so dass Tramführer von Januar an darauf geschult werden können. Der Personenverkehr soll im März kommenden Jahres starten.
Von Sommer kommenden Jahres an werde es auch keine Überschwemmungen an der Einmündung der Böfinger Steige in die Böfinger Straße mehr geben, versprach Herbert Sehr von den Entsorgungsbetrieben der Stadt Ulm. Denn dann sei das Regenüberlaufbecken fertig, das von September an gebaut wird. Die neuen Entwässerungsrohre lägen zwar schon unter der Straße, sagte er. Sie würden aber erst dann angeschlossen, wenn das Überlaufbecken arbeite.
Erscheinungsdatum: Montag 21.07.2008 12:42 Uhr
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