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Straßenbahnprojekt
Ausspracheabend am Eselsberg

Genaue Pläne und Zahlen liegen noch gar nicht vor. Dafür haben die Anwohner schon genaue Vorstellungen davon, wie die Straßenbahnlinie auf den Eselsberg verlaufen soll – oder vielmehr nicht verlaufen soll.

Jakob Resch

Ullm  „Ein bisschen was wollen wir dann auch davon haben!“ Sagte eine Bewohnerin vom Eselsberg zur künftigen Streckenführung der Straßenbahn zur Wissenschaftsstadt hinauf – und traf damit bei einem Ausspracheabend am Donnerstag den Knackpunkt, an dem sich Planer und Lokalpolitiker bei diesem Verkehrsprojekt noch bis zum Baubeschluss ordentlich aufreiben dürften: Soll die Straßenbahn auf den Eselsberg nur für die Wissenschaftsstadt fahren? Bleiben die eigentlichen Eselsberger links liegen?
 
150 Leute im Foyer der VfB-Halle beweisen, dass das Interesse an der Straßenbahn am Eselsberg weiter riesengroß ist – nachdem das Fünf-Linien-Konzept für eine Stadtbahn in Ulm und Neu-Ulm 1999 nicht zuletzt am Eselsberger Widerstand gescheitert war. Ingo Wortmann, technischer Geschäftsführer des Verkehrsbetriebs der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU), versuchte Bedenkenträgern jetzt denn auch gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen: „Wir sind erst am Beginn der Planung.“ Alle Varianten seien offen. So werde auch nicht ans Fünf-Linien-Konzept angeknüpft. Statt den großen Wurf zu wagen, heiße es jetzt vielmehr: „Wir gehen Schritt für Schritt vor.“ Mit Information und Beteiligung der Bürgerschaft.
 
Eine Information, die Wortmann schon explizit geben konnte, betraf die Voraussetzungen für eine effiziente Streckenführung, die nach der so genannten standardisierten Bewertung dann auch hohe staatliche Zuschüsse garantiert. So muss die Strecke zum Beispiel ziemlich zielführend sein und die Reisezeit knapp halten. Lege man den Beschluss der Ulmer Stadträte zugrunde, mit dieser Linie die Wissenschaftsstadt anzubinden, sei klar, „dass wir keine riesigen Schleifen über den Eselsberg bauen werden“.
 
Genau das war die Befürchtung, die in vielen Fragen der Anwohner anklang: Statt möglichst viele Bewohner des alten und neuen Eselsbergs zu erreichen, gehe es kurz gesagt doch nur um Studenten. So blieb an Wortmann auch der Verdacht hängen, dass man sich insgeheim längst auf eine Streckenführung festgelegt habe – nämlich die direkte den Mähringer Weg hoch.
 
Abgesehen davon, dass der Mähringer Weg gerade erst erneuert worden sei, wie ein Besucher bemerkte (Applaus!), böten sich ganz andere Wege an. So würde eine Straßenbahnlinie über den Weinbergweg auch gleich die Blaubeurer Straße und das Blautalcenter mitnehmen. Das war eine Stimme. Eine andere zum Mähringer Weg: Was sei morgens, wenn die Studenten hoch wollten, aber keiner runter, die Leute vom neuen Eselsberg aber schon? Und wer fahre an Wochenenden?
 
Wortmann blieb vorsichtig und sagte nach der Schrittetheorie, dass eine Strecke durch das Wohngebiet „ein zweiter Schritt“ sein könnte. Untersucht würden zunächst wie gesagt alle Varianten. Dagegen liegt der alte Streitfall der Bewältigung der Kienlesbergstraße für ihn klar: „Ich gehe zu 100 Prozent davon aus, dass sie nicht gesperrt wird.“
 




Erscheinungsdatum: Freitag 13.02.2009 19:02 Uhr

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