Ich will die Leser unterhalten
Der Ulmer Autor Wulf Dorn auf dem Sprung in die BestsellerlistenDer Heyne-Verlag glaubt fest an den Ulmer Autor Wulf Dorn und hat 80000 Bücher als Startauflage von "Trigger" drucken lassen. Heute Abend stellt Dorn sein Romandebüt bei Jastram erstmals vor.
HELMUT PUSCH
Der Stoff ist düster: Ellen Roth ist Psychiaterin in der Waldklinik. Ihr Freund Chris, der ebenfalls in der Waldklinik arbeitet, ist zum Abenteuerurlaub nach Australien aufgebrochen und wochenlang nicht erreichbar. Auf einer Krankenakte hat er das Kürzel "BIF" hinterlassen. Das interne Kürzel der beiden für einen besonders interessanten Fall. Die Frau wurde schwer misshandelt, hat Angst vor einem mysteriösen schwarzen Mann.
Die Frau verschwindet. In der Klinik findet sich keine Spur von ihr. Ellen forscht nach und wird damit zum Ziel des Unbekannten, der erschreckend viel über Ellen weiß. Der Unbekannte zwingt sie zu einer makabren Schnitzeljagd - um ihr Leben und um das ihrer Patientin. Für Ellen beginnt ein verzweifelter Kampf, bei dem sie niemandem mehr trauen kann. Immer tiefer gerät die Psychiaterin in ein Labyrinth aus Angst, Gewalt und Paranoia . . .
Erdacht hat die Geschichte Wulf Dorn. Der gebürtige Ichenhausener bezeichnet sich als Ulmer. Dort lebte er fast 20 Jahre lang, erst vor wenigen Wochen ist er ins bayerische Umland gezogen. "Das ist nicht mein erster Roman, aber der erste, der veröffentlicht wird", sagt Dorn, der eigentlich mal Maskenbildner werden wollte, deshalb in Ulm auch eine Friseurlehre machte, schon bald auf Betriebswirt umsattelte und seit mehr als einem Jahrzehnt in der beruflichen Re-Integration von Psychiatrieerfahrenen arbeitet - derzeit im Bezirkskrankenhaus Günzburg. "Mein Roman spielt aber nicht in Günzburg", betont Dorn. "Die Waldklinik ist vielmehr eine Mischung aus drei psychiatrischen Kliniken." Die dienten dem 40-Jährigen auch nur als Schauplatz, um seine Szenen zu verorten. "Es hilft einem beim Schreiben ungemein, wenn man sich vorstellt, wo man sich gerade bewegt."
"Ich habe schon als Fünfjähriger meiner Oma versprochen, dass ich mal ein Buch schreibe." Die Lust am Fabulieren hatte der kleine Wulf schon, bevor er das Alphabet kannte. "Ich habe damals Comic-Geschichten gezeichnet." Selbsterfundene. Und dieser Hang zum Geschichtenerzählen ist es auch, der Dorn noch heute umtreibt. "Ich mache keine Literatur, ich erzähle Geschichten. Und mit denen will ich die Menschen erreichen, sie faszinieren, ihre Emotionen wecken, sie gut unterhalten." Die Sprache selbst ist für ihn kein Selbstzweck, sie soll Inhalte transportieren - allerdings auf einem gewissen Niveau.
Dorn hat ein festes Testpublikum. Freunde, "die mir klipp und klar sagen, was nicht stimmig ist". Eine Linguistin liest die Texte, bevor sie ins Lektorat gehen. Und Dorn ist auch Mitglied im "Club der fetten Dichter". Das ist ein Autorenstammtisch, der sich regelmäßig in Stuttgart trifft und dem so namhafte Autoren wie Andreas Eschbach ("Jesus-Video") und die erfolgreiche Jugendbuch-Autorin Nina Blazon angehören. Die beiden stammen übrigens auch aus Ulm. Und was sagt Dorn zu seinem Start als Autor im Heyne-Verlag?
"Als jemand, der schon mehr als zehn Jahre als Autor versucht, einen Roman zu veröffentlichen, ist das wie vier Lottosechser auf einen Schlag. Ich kann es immer noch nicht richtig glauben." Vergangene Woche auf der Buchmesse gab es zudem auch schon die ersten Hinweise, dass Dorn mit "Trigger" in der kommende Woche in den Bestsellerlisten zu finden sein wird. Und was kommt danach? Dorns nächster Roman ist schon fertig, er soll im Herbst 2010 erscheinen, am dritten schreibt der 40-Jährige derzeit.
Wulf Dorn: Trigger. Heyne Verlag, 426 Seiten. 9.95 Euro.
Wulf Dorn liest daraus heute, Donnerstag, 20 Uhr, in der Bücherstube Jastram.
Erscheinungsdatum: Donnerstag 22.10.2009
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