Kulturauschuss einigFür Ulmer HfG-Archiv fehlt Platz und Personal
Die Ulmer Hochschule für Gestaltung (HfG) ist in Designer-Kreisen weltweit ein Begriff. Jetzt soll auch das Ulmer HfG-Archiv dem Stellenwert der Schule angemessen ausgestattet werden.
Helmut Pusch
Ulm 1968 war alles vorbei. Die als Fortsetzung des Bauhauses projektierte Hochschule für Gestaltung wurde geschlossen. Nur war damit das Kapitel HfG in Ulm nicht vorbei. Vor allem deshalb nicht, weil das von der damaligen Politik ungelittene Kind die Stadt Ulm weltweit bei Designern zu einem Begriff gemacht hat. Das zeigt derzeit auch die Ausstellung „ulmer modelle – modelle nach ulm“, die auf ihren fünf Stationen in Lateinamerika fast 500 000 Besucher gesehen haben.
Zusammengestellt hat diese Ausstellung das Ulmer HfG-Archiv, das seit mehr als 20 Jahren bewahrt und sichert, was hier von der HfG übrig geblieben ist. Und das ist nicht wenig, wie sich die Mitglieder des Kulturausschusses des Ulmer Gemeinderates bei ihrer jüngsten Sitzung, die in den Räumen des HfG-Archivs in der ehemaligen Pionierkaserne beim Congress Centrum stattfand, überzeugen konnten. Oder besser: Es ist schon jetzt zu viel für die rund 700 Quadratmeter des Archivs.
Die Modelle eines Walter Zeischegg stapeln sich in Regalen, eine fertige Ausstellung mit Arbeiten Tom Gondas steht im Gang in Kisten verpackt. Und: Schon jetzt haben ehemalige HfG-Studenten und Dozenten angekündigt, ihre Arbeiten und Sammlungen gerne nach Ulm zu geben. Der Nachlass Otl Aichers ist zwar großteils bearbeitet, die einzelnen Dateien müssen aber noch in ein mit anderen Forschungseinrichtungen kompatibles Software-Programm übertragen werden. Tausende von Fotos harren der Digitalisierung. Und damit sind wir beim zweiten Problem. Das Archiv treiben derzeit Dr. Dagmar Rinker als Leiterin, Marcela Quijano und Christiane Wachsmann um. Ihre gemeinsame Wochenarbeitszeit liegt bei 50 Stunden. Zu wenig, um die anstehenden Arbeiten zu erledigen, machte Dagmar Rinker in der Kulturausschusssitzung klar.
Im Klartext: Das Archiv braucht mehr Platz und eine zusätzliche Vollzeitstelle für die Inventarisierung. Und zwar bald: „Die Ehemaligen der HfG sind jetzt alle in einem Alter, in dem sie ihren Nachlass regeln wollen“, sagt Dagmar Rinker. Da ist Ulm nicht der einzige Bewerber, wie Designer Nik Roehricht berichtete. Er will seine Materialien und seine Designbibliothek mit mehr als 3000 Bänden gern dem Ulmer Archiv überlassen. Allerdings habe er auch ein Angebot aus Berlin – vom dortigen Technikmuseum. Und auch das dortige Bauhaus-Archiv sammelt Arbeiten von Ehemaligen der Ulmer HfG.
Alles Argumente, die bei den Stadträten im Kulturausschuss auf fruchtbaren Boden fielen. In Sachen Raum bot Kulturbürgermeisterin Sabine Mayer-Dölle zwei Alternativen an. Denkbar sei, das Archiv auf die doppelte Fläche am alten Standort auszubauen, wenn die gewerblichen Schulen aus der Pionierkaserne ausgezogen sind. Oder ein neuer Standort – etwa in der HfG, die nach dem Auszug der Universität mittelfristig frei wird.
Ein Gedanke, der bei der Mehrheit der Räte auf Gegenliebe stieß. Nur Thomas Kienle (CDU) forderte erst einmal gedankliches Innehalten, warnte davor, jetzt ein Detail zu lösen, ohne das Ganze im Blick zu haben. Etwa einen Technikpark, der seiner Fraktion schon länger vorschwebt, eine Einrichtung, die Ulmer Industriegeschichte inklusive Ulmer Design thematisieren soll.
Derweil hat Dr. Dieter Bosch, der geschäftsführende Vorstand der HfG-Stiftung, schon grünes Licht für eine etwaigen Umzug auf das Hochsträß signalisiert. „Unsere Türen auf dem Kuhberg stehen im Falle eines Umzuges des HfG-Archivs offen.“ Nur, soweit ist das Ganze noch nicht. Jetzt soll die Verwaltung prüfen, wie ein Technikpark, das HfG-Archiv und die Nutzung der HfG-Gebäude sinnvoll unter einen Hut zu bringen sind.
Erscheinungsdatum: Dienstag 24.02.2009
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