SEGELFLIEGEN / Uli Schwenk einer von 19 Teilnehmern bei der ersten Grand Prix-Weltmeisterschaft in NeuseelandDie weltbesten Piloten gehen an den Start
Münsinger startet am Samstag ans andere Ende der Welt - Tochter Tanja hilft als RückholerinDer Countdown läuft: Am 19. Dezember ist erster Wertungstag der ersten Grand Prix-Weltmeisterschaft der Segelflieger im neuseeländischen Omarama. Zu den Favoriten des in Fachkreisen mit großer Spannung erwarteten Wettbewerbs zählt der Münsinger Uli Schwenk.
REINER FRENZ
MÜNSINGEN Zwei Jahre lang hatten die weltbesten Segelflugpiloten Gelegenheit, sich bei acht Wettbewerben für die erste Grand Prix-Weltmeisterschaft zu qualifizieren, die in der Zeit vom 19. bis 24. Dezember im neuseeländischen Omarama über die Bühne geht. Die jeweils besten zwei der Quali-Wettbewerbe und in ein paar Fällen auch die Dritten lösten die Fahrkarten für die Reise ans andere Ende der Welt. Zu ihnen zählt der Münsinger Uli Schwenk, der nach einer verkorksten DM zwar erstmals seit 15 Jahren nicht mehr Mitglied der Deutschen Segelflug-Nationalmannschaft ist, dennoch nach wie vor zur Pilotenelite zählt.
Das unterstreicht beispielsweise sein aktueller Rang in der Weltrangliste, wo der 47-Jährige auf dem 20. Platz geführt wird. Unter den 19 Teilnehmern in Omarama liegt er damit auf dem fünften Rang. Die Teilnehmerliste wird angeführt vom Weltranglisten Sebastian Kawa aus Polen. Neben Uli Schwenk gehen in Neuseeland vier weitere deutsche Piloten an den Start, Michael Sommer, der amtierende Weltmeister in der Offenen Klasse, Herbert Weiß, Mario Kießling und Erwin Sommer. Damit kommen vier der Teilnehmer aus Baden-Württemberg. "Das macht einen schon ein wenig stolz", bekennt der Schwabe.
Für Uli Schwenk ist Omarama bekanntermaßen ein gutes Pflaster. Hier hatte er vor zwölf Jahren seinen größten internationalen Erfolg errungen, als er Vizeweltmeister wurde, erst am letzten Tag den Einheimischen Ray Lynskey an sich vorbeiziehen lassen musste. Vor knapp zwei Jahren ließ Schwenk beim Qualifikations-Grand Prix an gleicher Stelle erneut aufhorchen. Lange Zeit lag er aussichtsreich im Rennen um den Sieg, musste sich am Ende aber mit einem fünften Platz begnügen. Die Qualifikation holte der Münsinger dann aber im August 2006 auf der Hahnweide bei Kirchheim/Teck, wo er ganz souverän siegte.
Am Samstag wird Uli Schwenk in Frankfurt das Flugzeug besteigen, mit dem es Richtung anderes Ende der Welt geht. Ab Dienstag nächster Woche beginnt für ihn dann die einwöchige Trainingsphase. Fliegen wird Uli Schwenk mit einer Ventus 2 ax, einem Werkflugzeug von Schempp-Hirth aus Kirchheim/Teck, das seit einer Woche vor Ort ist. Zuvor hatte Schwenk den Rennklassengleiter noch zwei Mal auf dem Eisberg geflogen, die eigenen Instrumente eingebaut.
Auch wenn der Textilkaufmann schon Dutzende von Wettbewerben geflogen ist, so ist der WM-Grand Prix doch etwas ganz Besonderes für ihn, was sich bereits in den letzten Tagen in der Heimat durch steigende Anspannung bemerkbar machte. Umso wichtiger war ihm ein im kleinen Kreis von Testpersonen - allesamt bekannte Segelflugpiloten - vorgenommenes Mentaltraining mit Prof. Dr. Jan Mayer vom Institut für Sportpsychologie und Mentales Training in Schwetzingen. Eine der zentralen Botschaften für ihn war die Feststellung, dass man sich während des Wettbewerbs nicht durch kleine Probleme ablenken lassen darf. Mit der Konzentration aufs Wesentliche wäre wohl auch die DM nicht so schlecht gelaufen, glaubt Schwenk.
Schon die beiden Anflugtage nach Neuseeland will der Ex-Europameister bereits mit mentalem Training nutzen, "damit das kein bloßes Absitzen wird". Entsprechende Lektüre hat er jedenfalls dabei.
Auf den Wettkampf freut sich Uli Schwenk schon jetzt: "Das ist eine riesige Herausforderung für mich", bekennt er. Schließlich misst er mit Piloten die fliegerischen Kräfte, die er bislang nur vom Namen her kannte, weil sie in anderen Klassen unterwegs sind. Dass alle Piloten zur gleichen Zeit starten, findet Uli Schwenk eine ausgesprochen gute Lösung: "Das wird so viel entspannter, da gibts überhaupt keine Taktiererei." Am Ende wird der beste Pilot gewinnen, derjenige, der die richtigen Flugwege im schwierigen Gebirgsterrain mit den schnellen Wetterwechseln findet, derjenige, der sein Flugzeug am besten beherrscht, glaubt der 47-Jährige.
Toll findet er es, dass die Neuseeländer wieder mit großem technischen Aufwand die Flüge für die Zuschauer am Flugplatz aber auch im Internet nachvollziehbar machen wollen.
Uli Schwenk reist natürlich nicht alleine ans andere Ende der Welt. Eine Woche nach ihm macht sich auch Tochter Tanja auf den Weg, die vom Gymnasium eine Woche freigestellt wurde und ihren Vater als Rückholerin unterstützen wird. "Für sie ist es natürlich eine gigantische Sache, dass sie in Omarama dabei sein darf", so Uli Schwenk, der sich freut, dass die Schule ihn und seine Sportart auf diese Weise unterstützt.
INFO
Wer den Grand Prix-Wettbewerb in Omarama zeitnah mitverfolgen will, kann sich in der Wettbewerbszeit im Internet unter http://www.gpgliding.com informieren.
Erscheinungsdatum: Freitag 07.12.2007
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