Friedensbitten auf höchstem Niveau
Fellbacher Vocalensemble bietet in der Münsinger Martinskirche akkurate InterpretationenDas Chorkonzert des Fellbacher Vocalensembles in der Martinskirche weckte große Emotionen und zog die vielen Zuhörer in den Bann.
SIMON WAGNER
Münsingen - Gleich in fünf verschiedenen Kompositionen erklang am Sonntagabend in der vollbesetzten Martinskirche die Friedensbitte "Dona nobis pacem". Auf Einladung des Bezirkskantors Stefan Lust trug das Fellbacher Vocalensemble unter Gerhard Möllers Leitung Werke aus der Zeit des Barock bis ins 20. Jahrhundert vor. So unterschiedlich die Epochen und Komponisten - von Bach bis Bernstein - waren, so akkurat gelangen die Aufführungen der einzelnen Stücke.
Gleich zu Beginn des Konzerts fesselte der Schlusschor aus der Bachschen h-Moll Messe die Zuhörer und leitete einen besinnlichen und fast meditativen Abend ein. Eine Atmosphäre, die durch die Transkription des "Adagio for Strings" von Samuel Barber weiter vertieft wurde. Das Stück des amerikanischen Komponisten entfaltete durch präzis verflochtene und akzentuierte Chorstimmen seinen flehenden und kontemplativen Charakter. Für einen vorläufigen Höhepunkt sorgte Julius Himmler, der in einer atemberaubenden Virtuosität seinem Violoncello die Prélude aus Bachs Suite Nr. 1 in G-Dur entlockte und als Solist Gänsehautatmosphäre verbreitete.
Im anschließenden "Agnus Dei", aus der Es-Dur Messe von Josef Gabriel Rheinsberger, stellte das Ensemble erneut sein ganzes Können als homogener Klangkörper unter Beweis. Ohne instrumentale Begleitung - aufgeteilt in zwei vierstimmige Chöre - erklangen in sich verschlungene und schwirrende Melodielinien, um sich zurück am harmonischen Ausgangspunkt wieder kunstvoll zu vereinen.
Die konzentrierte Atmosphäre wurde durch Leonard Bernsteins "Dona nobis pacem" aus der "Missa brevis" durchbrochen. Mal sphärisch flehende, mal schwungvolle Chor-Passagen wurden mit Percussion und der Alt-Sopranistin Bettina Maile facettenreich begleitet.
Nachdem der mehrmalige "Jugend musiziert"-Preisträger Julius Himmler mit dem Menuett seinen Solovortrag aus Bachs Suite Nr. 1 am Violoncello kunstvoll fortsetzte, kontrastierte das folgende Requiem von John Rutter diese barocke Linien mit zeitgenössischen Klängen. Das erst 1985 entstandene Werk des Engländers bildete den großen Kontrapunkt des Abends und schloss die Reise durch die Musikgeschichte ab. Mit großem und ungewöhnlichem Instrumentarium und der souveränen Sopranistin Dorothea Bihler gelang es dem Ensemble, der romantischen und harmonischen Seele des Werkes kunstvoll Leben einzuhauchen und somit einen zweiten Höhepunkt zu schaffen.
Das tief beeindruckte Publikum spendete lang anhaltenden Beifall und wurde mit der Zugabe "Sanctus" aus Rutters Requiem belohnt. Es war der glanzvolle Schlusspunkt eines Abends auf höchstem, musikalischem Niveau.
Erscheinungsdatum: Dienstag 18.11.2008
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