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Sichtbar gemacht - ein Kastell aus Holz und Erde
Großer Andrang zur Ausstellungseröffnung in Gomadingen - Die Brüder Besch auf den Spuren der Römer

Eine gemischte Truppe römischen Militärs sicherte einst in Gomadingen die Querverbindung zur wichtigen römischen Alblimes-Straße. Das etwa im Jahr 80 angelegte Kastell war 190 Meter lang, 160 breit.

SABINE HERDER

Gomadingen  Dies belegen die geomagnetischen und geophysischen Untersuchungen, die letztes Jahr in Gomadingen durchgeführt wurden. Sie haben die Spuren der Römer in Gomadingen nun eindeutig nachgewiesen. Die Ergebnisse wurden der Öffentlichkeit am Freitagabend mit einer Ausstellung und informativen Vorträgen im Rathaus präsentiert.
 
Dazu fanden sich im Gomadinger Rathaus weit mehr interessierte Besucher ein, als der Sitzungssaal fassen konnte: Bis auf die Treppe drängten sich die Gäste, freilich mit dem Handicap, dass die vortragsbegleitenden Bilder nicht mehr zu sehen waren. Allerdings gab es auch reichlich zu hören. Aus der angekündigten Geschichtsstunde der besonderen Art wurde eine rund dreistündige Veranstaltung.
 

Über die Funde römischer Besiedlung in Gomadingen und die Bemühungen, diese nachzuweisen, können vor allem die Brüder Klaus und Heinz Besch viel berichten. Seit Jahrzehnten sind die beiden Hobby-Archäologen den Gomadinger Römern auf teils abenteuerlicher Weise auf der Spur: Sie kletterten auf Bäume und stellten Malerleitern in die Landschaft, um den Boden mit seinen versteckten Schätzen aus der Vogelperspektive zu betrachten - Luftbild-Archäologie für den Hausgebrauch sozusagen. Doch was sich ihnen damit bereits eröffnete, bestätigte sich erst recht beim späteren Überfliegen der Gegend mit dem Motorsegler: Die Luftbilder zeigten eindeutige dunkle Linien in den Feldern - die Linie des Kastellgrabens, Grundrisse der römischen Gebäude im Kastell-Vicus, dem Kastelldorf.
 
Ihre "Spurensuche", über die die Brüder Besch am Freitagabend in Gomadingen mit Bildern und viel Lokalkolorit berichteten, nennt sich Luftbildarchäologie. Beobachtet werden dabei Vegetationsanomalien, welche sowohl über Mauerresten als auch über inzwischen verfüllten Gräben auftreten.
 
In ihren Vorträgen bestätigten auch Frieder Klein von der Archäologischen Denkmalpflege des Regierungspräsidiums in Tübingen und Geologist Christian Hübner, der die geomagnetischen Untersuchungen geleitet hatte, die Funde der Brüder Besch. Dank moderner Messmethoden der Geophysik und des Geomagnetismus konnten auch die Ausmaße des Kastells und die Beschaffenheit der Bauten genauer ermittelt werden: Ein Holz-Erde-Kastell sei es gewesen, berichtete Klein, mit fünf Meter breitem und 2,5 Meter tiefem Spitzgraben, Wallanlage und hölzerner Palisaden-Front. Die Tore, in den Messbildern gut sichtbar durch die Unterbrechung des Grabens, maßen etwa 14 Meter. "Auch der Vicus gewinnt durch die Geophysik klarere Konturen", sagte Frieder Klein und freut sich schon auf weitere Erkenntnisse durch den Abgleich mit den Luftbildern der Brüder Besch.
 
Ginge es nach Bürgermeister Klemens Betz, der sich laut Klaus und Heinz Besch in den vergangenen Wochen immer mehr für Gomadingens römische Geschichte begeistert hat, sollte zumindest ein Teil der Grabenanlage im Gewann Hasenberg/Schwärze ausgehoben werden. Bislang sind es einzelne Funde, die jetzt in der Ausstellung im Rathaus von der römischen Besiedlung in Gomadingen kunden: eine Brunneneinfassung aus Eichenholz, Tonscherben, ein Stück bemalter Wandverputz, eine Lanzenspitze mit Inschrift, die beim Bau der Kreisstraße 230 im Jahr 1966 gefunden wurde. Vom Kastell selbst kam bislang nicht viel zu Tage - obgleich die Straße damals mitten durch die einstige Anlage und ihr Hauptgebäude gebaut worden war.
 
Zum besseren Verständnis erfuhren die Ausstellungsbesucher am Freitag auch vieles über die römische Geschichte und die Ausbreitung des römischen Reiches im südwestdeutschen Raum. Wie es aber kam, dass die Römer gerade Gomadingen als Siedlungsplatz wählten, ist zumindest Bürgermeister Betz ganz klar: "Wo denn sonst?", fragte er launig in die Runde der Gäste und hob die einmalige Lage der Gemeinde hervor. Eine Weile zumindest schienen sich die Römer dort, "auf dem Balkon über dem Lautertal, mit Wasser von drei Seiten" ganz wohl gefühlt zu haben. Ihre Hinterlassenschaften sowie die archäologischen Luft- und Messbilder sind in der Ausstellung im Gomadinger Rathaus noch bis zum 3. April täglich von 8 bis 12 Uhr und von 13.30 bis 17 Uhr zu sehen.
 




Erscheinungsdatum: Montag 30.03.2009

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