Treiben, stoppen und umkreisen
Pyrenäen-Hütehunde aus ganz Deutschland in Pfronstetten im Test

Er ist klein, beweglich, intelligent: der Pyrenäen-Hütehund. Wie gut seine Hüteeigenschaften entwickelt sind, das konnten am Samstag über 50 Hundehalter aus ganz Deutschland testen lassen.

HEIKE FEUCHTER

Pfronstetten  Auf dem Fauserhof, romantisch gelegene Heimat flauschiger Schafe, standen am Samstag weitere kuschelige Vierbeiner im Mittelpunkt des Interesses: Der "Club Berger des Pyrénées" führte dort einen Hüteveranlagungstest für Pyrenäen-Hütehunde durch. Aus dem ganzen Bundesgebiet fanden sich über fünfzig Hundehalter und Züchter ein, um die Fähigkeiten ihrer Hunde überprüfen zu lassen.
 
Klein, beweglich, leicht und intelligent kommt der Pyrenäen-Hütehund daher, ausgestattet mit einer ganz besonderen, genetisch verankerten Veranlagung: Das Hüten liegt ihm in Wiege und Wesen. Diese Hüteeigenschaft, weiterentwickelt und unverzichtbar beim ursprünglichen Hüteeinsatz im kargen Hochgebirge der Pyrenäen, ist angeboren, jedoch nicht bei allen Hunden gleich ausgeprägt.
 
Der Veranlagungstest prüft die instinktiven und spontanen Verhaltensweisen der Tiere beim Kontakt mit einer Tierherde, zeigt die nicht anerzogenen, sondern von Geburt an vorhandenen und durch den Herdenimpuls ausgelösten Reaktionen. Hier darf der Hund in erster Linie sein angestammtes Verhalten und damit eine Seite seines Wesens zeigen, die er im Alltag oft nicht in der Form präsentieren kann.
 
Die Ergebnisse der Prüfung fließen in die Zucht mit ein, damit die Voraussetzungen erhalten bleiben, erläutert Josef Müller, Juror und 1. Vorsitzender des Clubs. Ein Rassehund sollte ein vorhersehbares Rasseverhalten mitbringen als Basis für weitere Einsatz- und Ausbildungsmöglichkeiten. Denn die wenigsten der Pyrenäen-Hütehunde sind beim Schäfer im Einsatz, sondern hüten Kinder, Enten oder weitere Haustiere, sind als Rettungshunde ausgebildet oder bringen sich mit ihren Fähigkeiten beim Agility ein.
 
Beim Kontakt mit der Schafherde wird der Hütehund auf bestimmte Kriterien hin geprüft und bewertet. Das Verhalten des Hundes beim Anblick der Herde, die interessierte Kenntnisnahme und Gehorsam gegenüber dem Besitzer sind Grundvoraussetzungen dafür, dass das Tier überhaupt in den Pferch gelassen wird.
 
Bei der Interaktion mit der Herde liegt das Augenmerk der Jury auf verschieden Gesichtspunkten: Die Annäherung an die Hüteobjekte wird ebenso beurteilt wie der Umgang mit der Herde in Bewegung, die instinktive Einbringung von Kenntnissen wie Treiben und Stoppen, Umkreisen und Rückführen ausbrechender Schafe oder der dosierte Einsatz des "Griffs", wie der gezielte Führungsbiss in Fuß, Hüfte oder Hals genannt wird. Und immer wieder überraschten die Hunde mit ihren ererbten Fähigkeiten, der Umsetzung von intuitivem Wissen.
 
Mitten im Geschehen war stets Schäfereibesitzer Ernst Fauser anzutreffen, unterstützt von einem nahezu vierzigköpfigen Helferteam. Rund dreihundert Schafe hatte er im Wechsel eingesetzt, denn nach maximal fünf Prüfdurchgängen wurden die Tiere ausgewechselt, um Stress und Übermüdung zu vermeiden.
 
Trotz aller Routine ist die Arbeit mit stets wechselnden Hunden eine Ausnahmesituation, auch das helle Fell einiger Prüflinge irritiere die an dunkelfellige Hunde gewöhnten Schafe, erläuterte Ernst Fauser. Für ihn ist die Zusammenarbeit mit dem Hundeclub eine schöne Gelegenheit, seinen Beruf mit allen Facetten zu präsentieren, wozu auch die Verköstigung der Gäste mit verschiedenen Lammspezialitäten aus eigener Schlachtung gehörte.
 




Erscheinungsdatum: Montag 10.08.2009

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