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Bauer: Schutzschirm für die Arbeitsplätze IGM-Vollversammlung gibt sich kämpferisch

Bei der IG Metall geht es zur Sache: "Wir sind bereit zum Kampf", sagte nicht nur der Betriebsratsvorsitzende von Still Wagner am Mittwoch bei der Vollversammlung. Viele Betriebe signalisieren Solidarität.

NORBERT LEISTER

Reutlingen  Im Vergleich zur Delegiertenversammlung der IG Metall im Bezirk Reutlingen-Tübingen mit den aktuellen Themen ging es bei der anschließenden Podiumsdiskussion regelrecht handzahm zu: Alle Bundestagskandidaten, die sich der Diskussion zum Thema "Abschaffung der Rente mit 67" gestellt hatten, waren sich dabei einig.
 
Aus der Reihe fiel einzig der CDU-Kandidat und Abgeordnete Ernst-Reinhard Beck, denn der war erst gar nicht gekommen. "Die Rente mit 67 muss weg", sagte etwa Heike Hänsel von den Linken. Wie aber soll der Ruhestand künftig finanziert werden, angesichts des demografischen Wandels, angesichts immer weniger Beitragszahlern, fragte Moderator Bernd Steinhilber in die Runde.
 

Während Beate Müller-Gemmeke von den Grünen für eine Bürgerversicherung nach Schweizer Vorbild plädierte, setzte Pascal Kober von der FDP auf ein Weiter der umlagefinanzierten Rente, allerdings mit deutlich mehr privater Vorsorge.
 
Sebastian Weigle (SPD) hält das bestehende Modell immer noch für das Beste, hinzukommen müsse allerdings mehr betriebliche oder private Vorsorge. "Das muss noch diskutiert werden", sagte er.
 
Hänsel forderte dazu auf, "die Rentenversicherung auf breitere Füße zu stellen". Alle müssten zu Beiträgen herangezogen werden, "wenn das solidarische System aufrechterhalten bleiben soll".
 
Deutlich mehr Zunder als auf dem Podium hatte es zuvor bei der Versammlung der IGM-Delegierten in der Wittumhalle in Rommelsbach gegeben.
 
"Rund 600 Menschen müssen in der Region wegen der Wirtschaftskrise mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes rechnen", rief Gert Bauer als Erster IGM-Bevollmächtigter der Region Reutlingen-Tübingen den knapp 100 Metallern entgegen. "Wir fordern, wie für die Banken, einen Schutzschirm für unsere Arbeitsplätze", sagte Bauer. "Es geht jetzt ans Eingemachte." Denn wie berichtet sollen nun bei Still Wagner die Hälfte der 460 Arbeitsplätze vernichtet werden.
 
"Das ist eine Riesensauerei", betonte Harry Mischke als Betriebsratsvorsitzender von Still Wagner. "Wir sind sehr kampferfahren", fuhr er fort und rief damit zu einer Großkundgebung am 8. Juli in Mittelstadt auf. "Wir sollen nicht plattgemacht werden, weil Mittelstadt ein schlechter Standort ist." Die Produktion des erfolgreichsten Gabelstaplers soll nicht etwa nach Hamburg verlagert werden, weil die Herstellung in Mittelstadt unrentabel sei, "sondern, weil das politisch so gewollt ist", sagte Mischke.
 
Viel Solidarität wurde den Still- Wagner-Mitarbeitern bei der Versammlung bekundet, von Vertretern der Firmen Elring-Klinger etwa, von Bosch und der Walter AG.
 
Solidarität benötigen aber wohl auch die Beschäftigten von Rieber: Vor wenigen Minuten erst habe Gert Bauer am Mittwochnachmittag mitgeteilt bekommen, dass ein Teil des Reutlinger Unternehmens ausgelagert werden soll - Outsourcing von zwei Werkteilen.
 
Und zudem sei der Chef von Rieber, die Max Maier Unternehmensgruppe, inzwischen aus dem Arbeitgeberverband ausgetreten. "Mit der Konsequenz, dass dann kein Kündigungsschutz mehr für die Arbeitnehmer gegeben ist", sagte ein Vertreter von Rieber. "Die Tarifbindung soll wohl gelöst werden."
 
Die Beschäftigten gehen davon aus, dass es "zu schweren Auseinandersetzungen kommen wird" - wie bei Still Wagner. "Wir sind stark, wenn wir einig und solidarisch sind, wenn wir zusammenhalten und kämpfen", rief Gert Bauer den Delegierten zu.
 




Erscheinungsdatum: Freitag 26.06.2009

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