Die gefundene Kunst
Ausstellung im Naturkundemuseum zeigt Objekte von Hansjörg HummelHansjörg Hummel zeigt ab heute 54 Skulpturen und 19 Fotografien im Naturkundemuseum. Das Besondere an "Der Blick auf die Dinge": Es handelt sich um von natürlichen Kräften geformte Kunstobjekte.
RALPH BAUSINGER
Reutlingen Sie heißen "verhinderter Fortschritt", "Rivalen oder Komplizen?" oder auch "Gedenkfeier für die Gebrüder Grimm": Hansjörg Hummel hat allen seinen Naturkunstobjekten, die ab heute im Naturkundemuseum zu sehen sind, einen Namen gegeben - um zu zeigen, was ihn mit ihnen verbindet.
Hummel sammle nach Form und Farbe, Skurrilität und Aussehen, sagte Museumsleiterin Dr. Barbara Karwatzki. Seine Objekte - das sind Hölzer und Gesteine, jahrtausende alte Sand- und Kieselsteine oder Exponate aus Feuerstein oder Granit. Der langjährige Leiter der Reutlinger Musikschule hat die Stücke im Wald gefunden, aus Hecken und Büschen gezogen, aus Bächen und Seen oder aus dem Strandgut von Ostsee-, Mittelmeer- und Atlantikküste geborgen.
Eine Gemeinsamkeit zeichnet alle Exponate aus: Sie sind von der Natur gezeichnet, von Fäulnis und Moder, Wind und Wetter, von der ständigen Bewegung des Wassers, durch Veränderung und Zufall geformt. Die im Naturkundemuseum gezeigten 54 Exponate und 19 Fotografien gefundener Kunst stellen rund zehn Prozent der Hummelschen Sammlungen dar. Schon seit vielen Jahrzehnten trägt der 70-Jährige auf Wanderungen Objekte zusammen, die ihm ins Auge gesprungen sind, löst sie heraus aus der "Anonymität des Wegesrandes".
Hummel sammelt, er verändert nicht: "Die Natur ist stark. Man kann ihr nicht widerstehen. Sie ist stärker als der Stärkste der Menschen", zitiert er einen Ausspruch Pablo Picassos. Er nehme Gegenstände aus der Natur und stelle sie in einen völlig anderen Zusammenhang. "Durch meine Sichtweise, durch meinen künstlerischen Willen erhebe ich sie zur Kunst", umschreibt er seine Philosophie. Dies illustriert er auch mit einem Satz des französischen Schriftstellers Paul Valéry: "Das Geheimnis der Wahl ist nicht geringer als das Geheimnis der Erfindung."
Hummel dreht und wendet seine Fundstücke, arrangiert sie mit kritischem Blick in Zweier-, Dreier- oder auch Vierergruppen. Manchmal dauere es Wochen oder auch Monate, bis er die bestmögliche Botschaft aus dem Objekt herauslesen könne, erzählt Hummel.
Heute, bei der Ausstellungseröffnung, wird sich Moritz Siebert, der in Tübingen Kunstgeschichte studiert, mit der Frage befassen, ob das Kunst ist. Die Antwort dürfte positiv ausfallen. Im Rahmenprogramm wird eine Gruppe von Kindern im Alter von acht bis 13 Jahren auf Hölzern, Brettchen und Steinen Musik machen.
Info
Die Ausstellung "Der Blick auf die Dinge", die heute, Donnerstag, 9. Juli, um 19 Uhr eröffnet wird, ist im Naturkundemuseum bis 13. September zu sehen. Sie ist dienstags bis samstags von 11 bis 17 Uhr, donnerstags von 11 bis 19 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 18 Uhr geöffnet.
Erscheinungsdatum: Donnerstag 09.07.2009
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