GÜTERVERKEHR / Auf der Strecke Ulm-Sigmaringen läuft alles normal weiter
Privatzug fährt auch bei Streik
Hohenzollerische Landesbahn sieht Handlungsfähigkeit noch nicht eingeschränkt

Zwischen Ulm und Sigmaringen sind mit dem Streik der GDL keine Einschränkungen im Güterverkehr zu erwarten, denn sie wird von der Hohenzollerischen Landesbahn bedient. Kritisch könnte es werden, wenn der Streik länger dauert und Güter in Ulm nicht ankommen.

INGEBORG BURKHARDT

· Die Züge auf der Strecke Ulm-Sigmaringen werden seit 2002 von der Hohenzollerischen Landesbahn bedient. Deshalb werden die Unternehmen mit Gleisanschlüssen im Raum Ehingen in den nächsten beiden Tagen von den Streiks der Gewerkschaft Deutscher Lokomotiv-Führer (GDL) kaum betroffen sein: Sie werden genau so bedient wie bisher.
 
Der Vorstandsvorsitzende der Privatbahn in Hechingen, Hans-Joachim Diesch, sieht "heute und morgen die Handlungsfähigkeit noch nicht eingeschränkt". Auch mit der Übergabe der Waggons in Ulm müsste es weiterhin klappen. Ein großer Teil der 24 000 Lokomotiv-Führer seien Beamte oder in zwei anderen Gewerkschaften organisiert. Bislang sehe er keinen Hinweis darauf, dass die Güterwaggons im Hauptbahnhof von der Bahn nicht mehr mitgenommen würden und es, wie es der Wunsch der GDL sei, zum Stillstand komme.
 
Meldungen über Kurzarbeit
 
Was Diesch nachdenklich gemacht hat ist die Meldung der Medien, dass viele Unternehmen in Baden-Württemberg Kurzarbeit angemeldet hätten. Wenn der Stahl nicht mehr aus den größeren Hütten in West- und Norddeutschland oder der Kohlestaub für die Zementwerke aus dem Raum Aachen käme, dann könnte es auch Kunden an der Schiene Ulm-Sigmaringen treffen.
 
Diesch hofft, dass die Bahn bald reagiert und der Streik dann beigelegt werden kann. Mit viel Aufwand seien Güter für die Automobilindustrie auf die Züge gebracht worden. Es wäre traurig, wenn durch Unzuverlässigkeit der Bahn diese Güter wieder auf die Straße kämen, meint der Unternehmer.
 
"Ich habe noch nichts davon gehört, dass bei uns ein Betrieb wegen des Streiks Kurzarbeit angemeldet hätte", berichtet der Leiter der Agentur für Arbeit in Ehingen, Paul Junginger. Er rechnet auch nicht damit. Es komme darauf an, wie die Logistik aussehe und große Werke könnten da schon Probleme bekommen. Junginger: "In unserer ländlichen Struktur geht fast alles nur über die Straße." Nur einige wenige Werke in unserem Raum hätten einen Gleisanschluss.
 
Feuer brennt noch
 
Dazu gehört außer dem Schwenk-Zementwerk in Allmendingen auch die Heidelberger Zementfabrik in Schelklingen. Dort hofft Florian Kredler in der Werksleitung, dass bis Mitte nächster Woche noch ein Zug mit Kohlestaub durchkommt, damit der Vorrat wieder aufgefüllt werden kann. Mit dieser Lieferung sei dann wieder für weitere Tage vorgesorgt. "Bei uns geht das Feuer noch nicht aus", sagt Kredler. Er hat sich bei der Firma Bahntransporte Häfner in Köln vergewissert, dass das Unternehmen nicht bestreikt wird. Wie die Hohenzollerische Landesbahn im Raum Ehingen, werde Häfner als Privater die Strecke Köln-Ulm ganz normal bedienen. Allerdings sei alles noch mit vielen Fragezeichen verbunden, weil keiner wisse, ob es unterwegs nicht irgendwelche Blockaden gebe, merkt der Sprecher des Schelklinger Zementwerkes an.
 
Bei der Firma Bohnacker in Rottenacker, die ihren Rohstoff über die Schiene bezieht, war der zuständige Versandleiter für unsere Zeitung nicht erreichbar.
 
Ebenfalls mit der Bahn kommt ein Großteil des Holzes beim Ehingen Sappi-Werk an. Wie lange die Vorräte reichen? Pressesprecherin Renate Distelrath wollte im Hinblick auf den nur bis Samstag befristeten Streik dazu keine Stellungnahme abgeben. Sollte die Lage an der Streikfront aber eskalieren, sei die Werksleitung bereit, sich zu äußern.
 




Erscheinungsdatum: Freitag 09.11.2007

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