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Sprache ist der Schlüssel
Internationaler Bund Ehingen kombiniert Kurse mit Praktikum

In Sachen Integration ist Ehingen gut aufgestellt. Derzeit gibt es beim Internationalen Bund zehn Sprachgruppen. Sozialpädagoge Erich Hablitzel berichtet über gelungene Integration, aber auch über Probleme.

NINA RECKMANNANDREAS MAYER

Ehingen  "Bundesweit ist Ehingen nahezu führend mit der Anzahl der verschiedenen Sprachkurse für Migranten", sagt Erich Hablitzel vom Jugendmigrationsdienst des Internationalen Bunds (IB) Ehingen. Über das Angebot allgemeiner Integrationssprachkurse hinaus, bietet der IB Sprachkurse mit Praktika und speziell für Jugendliche, Kurse für Analphabeten und Frauen an. Derzeit nehmen 150 Migranten an zehn Sprachgruppen am IB teil. An der Volkshochschule (VHS) Ehingen finden derzeit zwei Sprachkurse mit 42 Teilnehmern statt.
 
Warum ist das Angebot in Ehingen so umfangreich? "Alle Organisationen arbeiten hier sehr gut zusammen", sagt Hablitzel. Stets seien die Ausländerbehörden des Landratsamts und der Stadt, die Agentur für Arbeit, die VHS und der IB miteinander in Kontakt und könnten somit auf aktuelle Veränderungen schnell reagieren. Zum Beispiel reiche für Jugendliche ein Integrationskurs oft nicht aus, um eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu haben. "Wenn sich jemand mit Migrationshintergrund auf eine Lehrstelle bewirbt, fällt die Bewerbung häufig einfach unter den Tisch", sagt Hablitzel. Deswegen bietet das IB auch zwei Sprachkurse mit Praktika an, die mit Fördermitteln aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) und mit Mitteln aus der Landesstiftung Baden-Württemberg bezuschusst werden.
 
Mit Praxiserfahrung ist der Einstieg ins Berufsleben einfacher, das kann Hablitzel bestätigen. "Eine 22-Jährige hat bei uns den Integrationskurs und danach den ESF-Sprachkurs mit einem einjährigen Praktikum im Altenheim in Oberdischingen gemacht", sagt er. Jetzt hat die aus Polen stammende Frau dort eine Ausbildungsstelle als Altenpflegerin. Ein 26-Jähriger, der als Systemadministrator von Russland nach Ehingen kam, machte während seines dritten Sprachkurses am IB ein Praktikum bei einer Firma in Laichingen. Mittlerweile ist der Ehinger dort festangestellt - als Systemadministrator.
 
"Untätigkeit ist das Schlimmste für Jugendliche", sagt Hablitzel. Mit den Kursen, die ein Praktikum einschließen, wird etwa die zeitliche Lücke zwischen Integrationssprachkurs und weiterführenden Bildungsprogrammen geschlossen. Ein weiterer Pluspunkt: Durch das umfangreiche Kursangebot kann auf die Sprachfähigkeiten jedes einzelnen Schülers reagiert werden.
 
Es gibt aber auch Schwierigkeiten bei der Integration von Migranten, die nicht so einfach zu beheben sind. Die Dunkelziffer von denjenigen, die eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung besitzen, länger als 2005 - seitdem gibt es die Integrationssprachkurse des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) - in Deutschland leben und dennoch kein Deutsch sprechen ist hoch. "Da ist die 50-jährige Türkin, für die der Mann schreibt und redet, weswegen nicht auffällt, dass sie kein Deutsch kann", sagt Hablitzel. Solche Frauen sind schwierig zu erreichen. "Wir wollten mal Integrationskurse an Schulen - speziell für Eltern - anbieten. Es gab fast keine Resonanz." Erfolgreich sei Mund-zu-Mund-Propaganda: "Oft kommt erst einer, und später die ganze Verwandtschaft."
 
Damit ein Sprachkurs finanzierbar ist - für Schüler und Stunde erhält der IB 2,35 Euro Zuschuss - sollten 15 Teilnehmer zusammenkommen. Dadurch entstehen Wartezeiten. Um diese zu überbrücken, bietet der IB vier Sprachgruppen unter der Leitung von Ein-Euro-Jobbern an. "Wichtig ist, dass die Leute Kommunikation lernen und alleine zum Arzt gehen können." Dennoch können mit den Kursen immer noch nicht alle erreicht werden: "Für Schichtarbeiter ist es schwierig, regelmäßig in einen Kurs zu gehen."
 
Nach 12 Jahren Arbeit im Jugendmigrationsdienst freut sich Hablitzel immer wieder darüber, wenn sich Kursteilnehmer mit Eigeninitiative melden. "Die Leute erinnern sich: Da wird mir geholfen und melden sich noch nach Jahren." In Zukunft wird das Angebot erweitert. Geplant ist ein Sprachkurs mit Praktika sowie Mathematik- und EDV-Unterricht, der noch spezieller zur Berufsorientierung beitragen soll. Ab Mai ist der erste Kurs mit 20 Schülern in Ehingen.
 
Info
 
Wer Interesse an einem Sprachkurs hat, kann sich beim Internationalen Bund unter Telefon: 07391/54813 oder bei der VHS unter Telefon: 07391/503501 melden.
 




Erscheinungsdatum: Samstag 28.02.2009

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