Mit den Skiern in die Wüste
Sechs Fahrer aus der Region starten am Samstag zur Allgäu-Orient-Rallye

Die Motoren sind warm, bald geht es los. Von Oberstaufen bis nach Jordanien führt eine verrückte Rallye. Sechs Fahrer aus Schelklingen, Ehingen und Öpfinger machen sich auf den Weg. Erster Preis ist ein Kamel.

BERNHARD RAIDT

Schelklingen  Bei Familie Bopp ist wieder das Rallye-Fieber ausgebrochen. Am Esszimmertisch wird umfangreiches Kartenmaterial gewälzt, vor der Tür stehen auffällig lackierte Autos. Sogar eigens für ihr Team Caprisonne angefertigte T-Shirts tragen Thomas, Rose und Alexander Bopp, Teamchef Patrik Wysgalla, Stefan Engler und Dominik Bause. Allgäu-Orient Rallye heißt das Abenteuer, das am Samstag in Oberstaufen startet. Nicht nur die Strecke - von Oberstaufen im Allgäu bis Amman in Jordanien bei freier Wahl der Route - ist abenteuerlich. Auch die Teilnahmebedingungen sind so wohl bei keiner anderen Rallye der Welt zu finden. Denn es dürfen nur Autos verwendet werden, die mindestens 20 Jahre alt sind oder nicht mehr als 2000 Euro kosten. Ein Mondeo Kombi, ein Passat und ein Citroen ZX - alle 1993 oder 1994 gebaut - treten jetzt die Reise von Schelklingen und Ehingen nach Amman an. "Wir haben die Autos rechtzeitig über das Internet entdeckt", berichtet Thomas Bopp. "Wenn wir länger gewartet hätten, wäre es wegen der Abwrackprämie vielleicht schwierig geworden, noch gute, günstige Autos zu finden."
 
Die Fahrzeuge sind entsprechend den Rallye-Bedürfnissen umgebaut worden. So ist jetzt ein Bett an Bord. Denn zu den Regeln gehört auch, dass nicht mehr als zehn Euro pro Person für die Übernachtung ausgegeben werden dürfen. Weitere Details sind etwa CB-Funk, Dachträger und bessere Signallampen. Die Rallyefahrer haben die Technik ihrer Autos genau geprüft - denn die Benutzung von Autobahnen, Mautstraßen oder Navigationsgeräten ist nicht erlaubt, und an die Schlaglöcher in den osteuropäischen oder nahöstlichen Landstraßen kann sich Thomas Bopp noch von der Fahrt im vergangenen Jahr gut erinnern. Sollte ein Fahrzeug trotzdem alle vier Reifen von sich strecken, bedeutet das im Übrigen noch längst keine Niederlage - wichtig ist, dass alle sechs Teammitglieder in Amman ankommen. Zur Not auch mit nur einem Auto. Zurück kommen mit die Teilnehmer übrigens dann mit dem Flugzeug.
 
Die Rallye ist aber auch eine Hilfsaktion. Die zahlreichen Autos - immerhin sind 88 Teams mit 250 Fahrzeugen am Start - werden in Jordanien samt Zubehör zugunsten eines UN-Hilfsprojekts versteigert. In den vergangenen Jahren ist damit der Aufbau einer Käserei finanziert worden. "Eines der Fahrzeuge ist außerdem komplett voll mit weiterem Spendenmaterial", berichten die Mitglieder des Teams - zum Teil werden die Sachen schon auf der Strecke verschenkt. Auch ein Callistemon rigidus ist mit an Bord. Die seltene Pflanze soll in Jordanien eine neue Heimat finden.
 
Über Österreich, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, die Türkei und Syrien führt die Route des Teams. Vor allem die Navigatoren Alexander Bopp und Dominik Bause müssen dabei im ersten Fahrzeug ganze Arbeit leisten. Mit etwas Grausen erinnert sich Rose Bopp etwa an die wilden Verkehrsflüsse in arabischen Metropolen. Gewonnen hat übrigens nicht das schnellste Team - es gilt, Etappenziele anzufahren und Sonderprüfungen zu bewältigen. Dazu kann etwa gehören, im gewaltigen Basar von Damaskus bei einem bestimmten Gewürzhändler hundert Gramm eines speziellen Pfeffers einzukaufen. Aber auch wenn das Team am Ende nicht das Kamel gewinnen sollte - eine Menge Spaß soll die Rallye machen. "Wir nehmen auf alle Fälle auch die Skier mit - vielleicht können wir damit die Wüstendünen herunterrauschen", grinst Alexander Bopp.
 
Info
 
Mehr über die Allgäu-Orient-Rallye ist im Internet unter http://www.allgaeu-orient.de zu erfahren. Das Team Caprisonne berichtet unter http://www.team-caprisonne.de über die Reise.
 




Erscheinungsdatum: Donnerstag 30.04.2009

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