Kleindenkmale erzählen
Bürgermeister Hermann Branz dokumentiert Feldkreuze im Archiv

Die Geschichte der Feldkreuze und die Geschichten, die sie erzählen, dokumentiert Emeringens Bürgermeister Hermann Branz. 18 Kleindenkmale hat er auf der Gemarkung der kleinen Gemeinde gezählt.

INGEBORG BURKHARDT

Emeringen  Mit Kreuzen im Ort und auf den Fluren setzten die Menschen seit Jahrhunderten Zeichen für das Leben, den Tod und die Erlösung. Welche Geschichten sie in Emeringen erzählen, das will Bürgermeister Hermann Branz neben der von ihm verfassten Ortschronik im Archiv für die Nachwelt festhalten. Deshalb hat er eine Dokumentation über die 18 Kleindenkmale auf der Gemarkung der kleinsten Gemeinde im Regierungsbezirk Tübingen verfasst. "Mich freut es, dass die SÜDWEST PRESSE in unregelmäßigen Abständen die Feldkreuze veröffentlicht", sagt Bürgermeister Hermann Branz und stellt seine Dokumentation zur Verfügung.
 
An der Spitze rangiert das Schwedenkreuz aus dem 15. Jahrhundert, das am südlichen Ortsausgang steht. Bei Straßenbauarbeiten habe es seither schon zweimal seinen Standort wechseln müssen, das letzte Mal beim Bau der neuen Umgehungsstraße 2008. Das Kreuz aus Kalktuff, in dessen Nähe menschliche Skelettreste, Fragmente eines Pferdeskeletts, eine Lanzenspitze sowie ein Säbel oder Schwert geborgen wurden, sei wohl ein Indiz für eine Sammelbestattung aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, merkt der Bürgermeister an.
 
Seit 1723 stehe an der Braunselbrücke ein Grenzstein mit den Symbolen für das Kloster Zwiefalten und der Herren von Stein.
 
Aus dem Jahr 1955 stamme auf dem Emerberg der Gedenkstein der Familie Kreszentia und Xaver Wiker. Der Travertin sei an die Stelle eines Holzkreuzes getreten, das daran erinnere. dass an dieser Stelle am 6. September 1818 der elfeinhalb Jahre alte Knabe Josef Wiker auf dem Nachhauseweg von der Lateinschule in Zwiefalten ermordet worden sei.
 
Mit zwei Objekten hat der frühere Bürgermeister Kaspar Wiker Zeichen gesetzt: Er ließ 1802 die Josefskapelle am Ortsrand bauen und errichtete um 1820 auf seinem Hof ein Kreuz mit einem mit Lilien verzierten Kunstschmiedegitter.
 
Katharina und Anton Müller setzten 1907 im Gewann Mittlerer Klosterweg einen Gedenkstein aus Muschelkalk und Altschultheiß Josef Vetter stiftete 1918 ein Feldkreuz mit der Inschrift "Vor Pest, Hunger und Krieg bewahre uns Herr Josefs Christus".
 
Weitere Feldkreuze aus Holz und Stein wurden laut den Forschungen von Branz im 20. Jahrhundert von Kreszentia und Xaver Wiker, von Gerhard Wiker, Franz Halder und Erwin Schmid den Familien Vetter-Schneckenburger, von Gotthard Kloker, Gebhard Zitrell, Paul Wiker sowie von der Gemeinde gestiftet. 1943 ließen Maria und Nikolaus Burgmaier im Kohlenplattenhau einen Bildstock aufstellen. Wie viele Feldkreuze, so trägt auch der von Agathe Schmid aus Sigmaringendorf 1970 gestiftete Bildstock im "Schelmentat" die Inschrift: "Gott schütze unsere Fluren."
 




Erscheinungsdatum: Dienstag 26.05.2009

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