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Verdächtig viele Katzen verschwunden
Besitzer mutmaßen: Tierquäler oder professionelle Fänger unterwegs?

Fünf Katzen sind in vier Wochen in Griesingen spurlos verschwunden, in Hütten wurden jüngst zwei gequält. "Es ist im Kreis so schlimm wie nie", sagt Veronika Dörfer von der Katzenhilfe Ehingen und Umgebung.

KARIN MITSCHANG

Region  Der kleine Körper von Fröschle war noch warm, als ihn sein Besitzer tot im Garten fand. Zwei Kätzchen seien in Hütten jüngst gequält worden, berichtet Veronika Dörfer von der Katzenhilfe Ehingen und Umgebung, die den Fall bei der Polizei angezeigt hat. "Ein Tierpathologe hat festgestellt, dass es bei Fröschle kein Organ gab, das nicht verletzt wurde." Die Katze wurde vermutlich im Garten totgeschlagen, eine zweite überlebte die Quälerei.
 
So schlimm wie in den vergangenen zwei Jahren sei es mit der Tierquälerei im Alb-Donau-Kreis noch nie gewesen, berichtet die Vorsitzende Dörfer, die sich seit neun Jahren in Ehingen für Tiere einsetzt. Etwa fünf bis sechs Mal im Jahr gingen bei der Polizei Anzeigen wegen gequälter Katzen ein, doch die Dunkelziffer dürfe weit höher liegen. Anke Fritz aus Griesingen berichtet in einem Schreiben an die SÜDWEST PRESSE von fünf Katzen, die innerhalb der vergangenen vier Wochen spurlos verschwunden sind. Alle im Neubaugebiet Steigäcker. Ihr eigener Kater, der braun getigerte, elfjährige Eddi, sei - wie die verschwundenen Katzen von Nachbarn - sehr anhänglich gewesen. "Er kam jeden Tag nachhause. Auch wenn ich mal nachts heimkam, war er sofort da. Das war kein Streuner." Auch die Möglichkeit, dass die Katzen unter einen Mähdrescher gekommen sind, hat Fritz bereits ausgeschlossen.
 
Das Muster ist immer gleich: "Sie verschwinden nachts, und es gibt weder Spuren noch werden Kadaver gefunden", sagt Fritz. Die Griesinger vermuten, dass ein Katzenhasser in der Nähe wohnt oder organisierte Katzenfänger ihr Unwesen treiben, die auf das Fell aus sind oder die Tiere an Versuchslabore verkaufen. Fritz und andere Besitzer quält nun die Ungewissheit, was mit dem Familienmitglied passiert ist. "Es wäre mir lieber, ich hätte Eddi tot auf der Straße gefunden."
 
Die Griesingerin hat selbst vor vier Jahren Tierfänger zu Gesicht bekommen. "Ich wachte um halb drei auf, weil ich ihre Schiebetüren gehört hatte." Als sie die Rolladen ruckartig hochzog, habe sie dann nur noch gesehen, wie die Türen eines VW-Busses zugingen und dieser mit Vollgas wegfuhr. "Eddi war ihnen wohl noch entwischt. Er war ganz high, ich vermute, dass sie ihn mit einem Duft angelockt haben."
 
Auch Dörfer von der Katzenhilfe glaubt, dass zusätzlich zu den Tierquälern, die aus Frust Katzen malträtieren, Fänger in der Region unterwegs sind: Kleine, weiße Lieferwagen mit ausländischem Kennzeichen seien in Munderkingen gesichtet worden, wo ebenfalls in den vergangenen Wochen übermäßig viele Katzen verschwunden seien.
 
Die Autokennzeichen der Fänger seien teils abgedeckt. Dörfer empfiehlt Katzenbesitzern nun, ihre Tiere nachts möglichst ins Haus zu holen. Wenn die Katze mal weg ist, solle man Tierschutzorganisationen, Tierheime und die Polizei informieren. Auch wenn das Tier nicht bei der zentralen Tierdatenbank Tasso angemeldet war, könne diese weiterhelfen, um Plakate mit der Vermisstenanzeige zu drucken. "Viele Läden erlauben einen Aushang", sagt Dörfer.
 
Wolfgang Jürgens von der Polizei in Ulm indes hält verschwindende Katzen für "systembedingt", schließlich könne ihnen vieles zustoßen, das kein Straftatbestand sei. Die Hinweise zu Katzenfängern bezeichnet er als wiederkehrende "Gerüchte". Laut Statistik träten jährlich wenige Fälle von Tierquälerei an Katzen auf. "Keiner tut etwas", beschwert sich Anke Fritz über diese Einstellung. "Ein Tier ist für die Polizei ja nur ein Gegenstand." Sie hofft nun, dass durch ihren Aufruf, Katzen nachts zuhause zu behalten, wenigstens in Zukunft weniger verschwinden. "Auch wenn ich Eddi wohl nicht zurückbekomme."
 




Erscheinungsdatum: Dienstag 14.07.2009

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