Verrücktes Wetter: Windhose, Sturm, Hagel
Schwül-warm und unbeständig gehts weiter - Hagelschäden im Oberen FilstalHagelkörner mit einem Durchmesser von fünf Zentimetern: Gestern Nachmittag hats bei einem Gewitterschauer im Bereich Mühlhausen/Gruibingen in Gärten und an Autos erhebliche Schäden gegeben.
MANFRED BOMM
Raum Geislingen Die Hagelkörner waren gezackt und sahen wie eine Massagekugel aus. So jedenfalls schilderte ein Beamter des Autobahn-Polizeireviers Geislingen gestern gegen 17 Uhr, was kurz zuvor vom Himmel geprasselt war. Auf unzähligen Autos blieben Beulen zurück, in den Gärten wurden Gemüse und Blumen ramponiert. Kurzfristig staute sich auch der Verkehr auf der Autobahn im Bereich des Aichelbergs.
Das tropische Wetter spielt verrückt: Der Schwüle folgen unwetterartige Regengüsse - und innerhalb weniger Minuten ist alles vorbei. So auch bereits in der Nacht zu gestern, als eine Gewitterfront mit orkanartigen Böen durchgezogen ist. Mit 103 km/h hats bei der Wetterwarte Stötten exakt um 1.56 Uhr am heftigsten getobt. Innerhalb von zwei Stunden fielen pro Quadratmeter 7,5 Liter Wasser. Doch abgekühlt hats so gut wie gar nicht. Selbst die nächtlichen Werte gingen auf der Albhochfläche nur bis 15,4 Grad zurück (in Geislingen auf 15,7). Im Laufe des Sonntags wurde dort mit 27,5 Grad der dritte offizielle Sommertag (Maximum über 25 Grad) in dieser Saison registriert.
Der nächtliche Gewittersturm ging im Raum Geislingen glimpflich ab: Um 2.06 Uhr wurde dem Polizeirevier ein geknickter Baum im Jürgen-Klinsmann-Weg (Sportanlagen im Eybacher Tal) gemeldet. Knapp 20 Minuten später musste die Feuerwehr auf der Geislinger Steige Äste und Geröll von der Fahrbahn beseitigen - und gegen 2.40 Uhr hatte in der Kaplaneigasse ein Ast eine Stromleitung herabgedrückt und einen Stromausfall verursacht.
Sonnig wars gestern kaum noch, dafür aber hielten sich die Temperaturen auf hohem Niveau: In Geislingen kletterten sie bis 27,9 Grad, in Stötten auf 23,4 Grad. Am Nachmittag jedoch zogen erneut teilweise kräftige Gewitterschauer durch, die wie "Wasserwände" in der Landschaft standen. Gebietsweise, wie etwa in Mühlhausen, war der Regen mit Hagel vermischt.
Die sommerlich-warme, aber unbeständige Lage wird auch die nächsten Tage über anhalten. Ob sich daraus der Wettercharakter für den Hochsommer ablesen lässt? Immerhin steht am Freitag der "Siebenschläfer" auf dem Kalender. Alte Bauernregeln besagen, dass sich das Wetter jenes Tages sieben Wochen lang halten soll. Und ein bisschen was könnte sogar dran sein: Denn so, wie sich das Wetter Ende Juni/Anfang Juli über Mitteleuropa zusammenbraut, bleibt es häufig eine Zeit lang stabil - bis die Sonne Mitte August am Horizont wieder tiefer steigt.
Was Hitze auszulösen vermag, haben Mitglieder des Westerheimer Albvereins am Samstagnachmittag erlebt (wir berichteten): Aus dem Nichts heraus hat an diesem sonnigen Tag die kräftig aufgeheizte Luft einen sogenannten "Heuteufel" entstehen lassen - eine Kleintrombe, die jedoch auf engstem Raum gewaltige Kräfte entfalten kann. Während eine solche Windhose normalerweise nur daran zu erkennen ist, dass Heu oder Staub aufgewirbelt werden, kann sie gelegentlich - bei bodennaher Überhitzung der Luft - eine Spur der Verwüstung anrichten. In Westerheim, wo weit und breit kein Unwetter in Sicht war, wurden sogar Bierbank-Garnituren durch die Luft geschleudert und Pavillonzelte weggefegt. Augenzeugen berichten, dass die Kleintrombe am Westerheimer Ortsrand bei der Albhalle mit einem Durchmesser von zwei Metern rotierte und etwa vier Meter aufragte. Im Gegensatz zu einem Tornado handelt es sich bei diesem Phänomen nicht um einen "Rüssel", der aus den Wolken bis zur Erde hinabreicht.
Im Raum Geislingen wurde zuletzt Ende September 1999 eine solche örtlich sehr eng begrenzte Windhose bekannt: Am Türkheimer Ortsrand in Richtung Wittingen waren dort sechs Obstbäume entwurzelt worden. Der "Spuk", so berichtete damals ein Augenzeuge, habe nicht mal eine Minute gedauert. Am häufigsten kommen diese Phänomene in Wüstengebieten vor -jedoch auch hierzulande über freien Flächen, wie etwa an Hängen, auf Wiesen oder Sportplätzen. Ausdehnung, Drehgeschwindigkeit und Lebensdauer eines solchen kleinen Wirbelsturms können sehr unterschiedlich sein.
Erscheinungsdatum: Dienstag 24.06.2008
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