Auf den Spuren der "Menschenkette"
Friedensradtour macht Station in Geislingen: An Demo gegen atomare Mittelstreckenraketen erinnert

Vor 25 Jahren erregte eine Menschenkette von Neu-Ulm bis Stuttgart weltweites Aufsehen. Am Samstag erinnerte eine "Friedensradtour" auch in Geislingen an den Protest gegen atomare Mittelstreckenraketen.

JÜRGEN WAHR

Geislingen  Am 22. Oktober 1983 demonstrierten über 200 000 Menschen mit einer gigantischen Menschenkette von Neu-Ulm bis Stuttgart gegen die Stationierung von atomaren Mittelstreckenraketen in Europa. Damals trugen auch viele Teilnehmer aus dem Raum Geislingen Hand in Hand entlang der B 10 dazu bei, dass die lebende Friedenskette von der Landeshauptstadt bis Bayern keine einzige Lücke aufwies. Auch in Bonn, Hamburg, Berlin und weiten Teilen Süddeutschlands gingen über eine Million Menschen für den Frieden auf die Straße.
 
Anlässlich dieses Jahrestages organisierten die Deutsche Friedensgesellschaft (DFG) / Vereinigte Kriegsdienstgegner (VK) am Samstag eine Radtour entlang der Strecke der damaligen Menschenkette. Kurz nach elf Uhr trafen die 15 Radler von Ulm kommend in der Fußgängerzone ein, um sich bei Brezeln, Tee und Erfrischungsgetränken an der vom Friedensforum Geislingen eingerichteten "Pausenstation" zu stärken. An der Radlerkleidung war zu erkennen, dass es sich dabei um eine besondere Tour der Friedensbewegung handelte. Mit einer Infotafel informierten Karl Flohr und SPD-Stadtrat Thomas Reiff Passanten rund um die Friedensbewegung. Mit einem Rückblick ging Wolfgang Menzel von der DFG/VK nicht nur auf die damalige Friedensdemonstration ein, sondern nannte auch aktuelle Aktionen für den Frieden. So viele Menschen für den Frieden zu begeistern, sei in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland bislang einmalig gewesen, sagte der Redner. Anlässlich des 25. Jahrestages der Menschenkette veranstalte der Landesverband Baden-Württemberg ein vierteiliges Programm, das unter dem Motto "Frieden schaffen ohne Waffen" stehe. Die Radtour sei ein Teil. Außerdem gebe es noch eine Galaveranstaltung im Theaterhaus Stuttgart, bei der unter anderem der Kabarettist Peter Grohmann mitwirkt.
 
Die Aktualität "Frieden schaffen ohne Waffen" sei größer denn je, betonte Menzel vor dem kleinen Kreis von Zuhörern in der Fußgängerzone. Den Afghanistaneinsatz der Bundeswehr abzulehnen, gehöre dabei ebenso zum Leitbild der Friedensorganisation wie für eine atomwaffenfreie Welt einzutreten. Mit weiteren Aktionen wolle man dies deutlich machen.
 
Dr. Hansjürgen Gölz, Geislinger Stadtrat und Sprecher der SPD-Fraktion, war bei der Menschenkette dabei. Dieses Gemeinschaftserlebnis und die Erfahrung, so viele Menschen "über alle politischen Ansichten hinweg" für eine solche gigantische nahtlose lebende Friedenskette zu aktivieren, habe ihn damals sehr bewegt, erinnert sich Gölz. Heute könne man feststellen, dass in ganz Europa und selbst in den USA sowie in Teilen der übrigen Welt aufgrund dieser Bewegung ein Nachdenken stattgefunden habe und damit ein entsprechendes Umdenken beeinflusst worden sei.
 




Erscheinungsdatum: Montag 20.10.2008

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