KOMMENTAR · GEMEINDERATSWAHL: Zählbares vom Wahltag
Wahltag ist Zahltag, heißt es. Für viele Helfer war der Superwahlsonntag erst mal Auszähltag. Doch was hat nun die Geislinger Gemeinderatswahl an Zählbarem gebracht?
Überraschend mühelos hat die neue Listengemeinschaft "Junges Geislingen/Die Linke" einen Sitz im Gemeindeparlament geholt, zeitweise schien sogar ein zweites Mandat in greifbarer Nähe. Man darf gespannt sein auf den versprochenen "frischen Wind", den Holger Schrag, der Spitzenkandidat der neuen Liste, nun als Einzelkämpfer entfachen muss. Gespannt darf man auch sein, wie Grün-Alternative Liste und SPD mit dem Dissidenten umgehen: Ausgrenzung oder Umarmung?
Bei GAL und SPD hört man noch förmlich die Steine vom Herzen fallen. Beide haben ihre Sitze im Gemeinderat gehalten, der befürchtete Stimmen-Aderlass wegen der programmatisch verwandten neuen Liste fand nicht statt. Die GAL kann sich da bei ihrem überragenden Sympathieträger Bernhard Lehle bedanken. Dennoch landete die SPD auf einem weiteren Tiefpunkt. Die Freien Wähler liefen ihr erstmals den Rang ab und wurden zweitstärkste Kraft im Gemeinderat.
Wohl nicht gelungen ist das Vorhaben von "Junges Geislingen/Die Linke", durch junge Kandidaten viele junge Nichtwähler zum Urnengang zu animieren und das Wählerinteresse zu steigern. Die Wahlbeteiligung sank noch einmal leicht, auf jetzt 44 Prozent.
Die neue linke Gruppierung hat einen Sitz gewonnen, die CDU einen verloren. Darin einen ursächlichen Zusammenhang zu sehen, wäre ein Kurzschluss. Die CDU erlitt auf hohem Niveau Einbußen. Eingedenk dessen, wie komfortabel sie auch im neuen Gemeinderat vertreten ist, hält sich das Mitgefühl in Grenzen.
In der Landeshauptstadt gab es erdrutschartige Veränderungen, für die das umstrittene Bahnprojekt "Stuttgart 21" ausschlaggebend war. Demgegenüber gab es in Geislingen keinen erkennbaren Nel-Mezzo-Effekt. Befürworter wie Roland Funk (FWV), Holger Scheible (CDU) und der diesbezügliche SPD-Solist Dr. Hansjürgen Gölz erhielten am Sonntag mehr Stimmen denn je. Herbert Rapp, Kopf der Anti-Nel-Mezzo- Bürgerinitiative, holte nicht viel auf der GAL-Liste. Andererseits erklärt sich wohl der Bekanntheitsgrad des "Jungen Geislingers" Holger Schrag zum Teil mit seinem Einsatz an Rapps Seite.
Einen grandiosen Wahlerfolg landete Nel-Mezzo-Skeptiker Peter Maichle von der CDU: Er erhielt fast so viele Stimmen wie die neue Liste zusammen. Aber das Phänomen Maichle ist ein anderes Thema. Roderich Schmauz
Erscheinungsdatum: Dienstag 09.06.2009
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