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Tierschützer als Tierquäler?
Staatsanwaltschaft klagt Vorstände der Tierherberge auch des Betrugs an

Die Staatsanwaltschaft Ulm fährt schweres Geschütz gegen die Tierherberge Donzdorf auf: Spendenbetrug und Tierquälerei lautet die Anklage gegen die Vereinsvorsitzende und ihren Stellvertreter.

REINHARD KRÖTZ

Kreis Göppingen  Harter Tobak für einen Tierschutzverein: Wenn das Amtsgericht Geislingen die Anklage zulässt, müssen sich die Vorsitzende der Tierherberge Donzdorf Martina Heinzmann und ihr Stellvertreter Michael Janovich wegen gemeinschaftlicher Tierquälerei sowie zusammen mit einem weiteren Vorstandsmitglied wegen des Verdachts des gemeinschaftlichen gewerbsmäßigen Betruges in neun Fällen verantworten.
 
So wirft die Staatsanwaltschaft Ulm den drei Vorstandsmitgliedern vor, dass sie mit dem Porträt eines Hundes von Herbst 2006 bis mindestens März dieses Jahres auf der Vereinswebsite und auf Plakaten unter dem Vorwand, der abgebildete Hund sei schwer krank, um Spenden für eine dringende Operation geworben hätten. Tatsächlich sei das Tier vollkommen gesund gewesen und bereits im vergangenen Jahr an eine neue Besitzerin vermittelt worden. Insgesamt habe der Verein dadurch wenige Tausend Euro von unterschiedlichen Spendern überwiesen bekommen.
 
Neben diesem strafrechtlich schwerer wiegenden Verdacht des gemeinschaftlichen gewerbsmäßigen Betrugs werden Martina Heinzmann und Michael Janovich auch noch der Tierquälerei beschuldigt: Sie sollen im Mai 2008 mit einem Kleinlaster nach Spanien gefahren sein und von dort etwa 100 Hunde in metallenen Gitterboxen, deren Böden nur mit Tüchern ausgelegt gewesen seien, nach Donzdorf transportiert haben - unter unglaublichen Bedingungen: Während der mindestens 17 Stunden dauernden Fahrt bei großer Hitze und fehlender Klimaanlage sollen die 38-Jährige und ihr 57 Jahre alter Vize den Tieren weder Wasser noch Futter gegeben haben. Auch hätten die Hunde ihre Notdurft in den Gitterboxen verrichten müssen und die Tiere seien durch die Fahrt noch tagelang verstört gewesen, betont die Staatsanwaltschaft. Nach Auskunft von Pressesprecher Michael Bischofberger haben die Angeschuldigten keine Angaben zu den Vorwürfen gemacht.
 
"Das ist Quatsch hoch drei", kommentierte gestern Michael Janovich in einer ersten Reaktion die Anklagepunkte. So betont die Vorsitzende, dass sie bei besagtem Tiertransport gar nicht dabei war und ihr Vize, dass es lediglich 42 Hunde waren. Janovich: "Mich haben zwei Frauen begleitet, die die Tiere permanent versorgt haben. Die Hunde hatten Auslauf und Wasser." Außerdem sei das Fahrzeug mit einer Klimaanlage ausgestattet. Auch mit Betrug will man nichts am Hut haben: Der auf der Website abgebildete Hund "Don" habe unter einem schweren Hüftleiden gelitten, das könnten Röntgenaufnahmen belegen. Weil "Don" dann doch nicht operiert worden sei, habe man die Spenden zurückgegeben, so Janovich.
 




Erscheinungsdatum: Donnerstag 08.10.2009

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