So verhindert man Gewalt
Runder Tisch in Geislingen soll mehr als eine Bestandsaufnahme leisten

Gewalt in Geislingen: Wie ist die Lage? Die kommunale Kriminalprävention strebt mit einem großen runden Tisch mehr als nur eine Bestandsaufnahme an.

RODERICH SCHMAUZ

Geislingen  "Man sollte das Problem nicht dramatisieren, man darf aber auch nicht die Augen davor verschließen." Das meint Paul Thierer mit Blick auf die Gewaltprävention. Sie ist das Schwerpunktthema, dem sich die Kommunale Kriminalprävention widmet. Und deren Geschäftsführung nimmt seit Jahren der Geislinger Fachbereichs- und Ordnungsamtsleiter wahr.
 
Abends trauen sich viele nicht mehr in die Geislinger Fußgängerzone. Den Sommer über machten viele einen großen Bogen um den Schlossplatz, wo grölende Gruppen ihre Besäufnisse veranstalteten. Harmlose Passanten wurden - in Einzelfällen - zu Opfern von Gewaltausbrüchen, mit schwerwiegenden, bleibenden Folgen. Einige Sportplätze gelten als Orte, an denen sich Aggressionen hemmungslos Bahn brechen. Schulen wissen um die Probleme mit Mobbing, Ausgrenzung und Schlägereien, die gefilmt und ins Internet gestellt werden.
 
Diesen Erscheinungsformen von Gewalt, vor allem aber den Ursachen von Aggressionen, widmet sich jetzt die Kommunale Kriminalprävention. Natürlich stehen dabei auch drohend die verheerenden Amokläufe an auswärtigen Schulen im Hintergrund, erläutert Thierer. Das Hauptaugenmerk gilt gleichwohl der konkreten Lage vor Ort. Vor Jahren habe man bereits dunkle Angsträume aufgelistet und versucht, Abhilfe zu schaffen, erinnert Thierer. Angst machende Situationen, Gewalt - von den handfesten bis zu subtilen Formen - und die Sicherheit der Bevölkerung würden sehr subjektiv wahrgenommen, ist sich Thierer bewusst. Oft werden sie in Zusammenhang gebracht mit Menschen ausländischer Herkunft.
 
Die Kommunale Kriminalprävention hat deswegen auf 19. November (19 Uhr im Kapellmühlsaal) 31 Vertreter gesellschaftlicher Gruppen zu einem runden Tisch geladen. Die Teilnehmer aus Kindergarten und Schule, beruflicher Bildung, Kirchen, ausländischen Vereinen, Jugendsozialarbeit, Kommunalpolitik, Polizei und Justiz sollen eine Bestandsaufnahme machen. Wie nehmen sie in ihrem Umfeld Gewalt wahr, wie reagieren sie und was tun sie dagegen? So lauten die Leitfragen. Es soll nicht bei hehren Worten bleiben, sondern in Ergebnisse und in einen Agendaprozess münden, wünscht sich Thierer.
 
Dem runden Tisch vorgeschaltet ist am morgigen Mittwoch um 19 Uhr im Kapellmühlsaal der Vortrag des Sozialwissenschaftlers Dr. Steffen Kröhnert vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung. Er referiert mit Blick auf Zuwanderer über "ungenutzte Potenziale". Sein Institut hat anhand 30 messbarer Kriterien erforscht, in welchen Bundesländern und Städten die Integration von Migranten am ehesten gelingt.
 




Erscheinungsdatum: Dienstag 10.11.2009

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