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DEMONSTRATION / Protest gegen Gen-TechnikSchlepper-Korso durch Stuttgart
Kundgebung mit 10 000 TeilnehmernMehrere tausend Menschen sind gestern in Stuttgart gegen den Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft und in Lebensmitteln auf die Straße gegangen.
STUTTGART Ein Aktionsbündnis aus Landwirten, Gärtnern, Imkern, Bäckern, Köchen und Verbrauchern hatte zur Demonstration gegen gentechnisch veränderte Nahrungsmittel aufgerufen. Die Veranstalter sprachen von 10 000 Teilnehmern, die gestern zu der Protestkundgebung gegen "Gen-Food" nach Stuttgart kamen. 250 Traktoren rollten in einem Korso durch die Innenstadt.
Anlass der Demonstration: Seit Sonntag gilt in der Europäischen Union eine neue Kennzeichnungspflicht für Produkte, die gentechnisch veränderte Organismen enthalten. Unter dem Motto "Wir bleiben sauber" warnten mehrere Redner vor den Folgen der Gentechnik für die Bauern in Deutschland.
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ernst-Ulrich von Weizsäcker bezeichnete den Beginn der Kennzeichnungspflicht zwar als "Freudentag, für den wir weltweit von Millionen von Verbrauchern beneidet werden" und als "Sieg für die Wahlfreiheit, auf der die Marktwirtschaft beruht". Der Gründer des Wuppertaler Klimainstituts kritisierte aber auch die so genannte Koexistenz von Gentechnik und Ökolandwirtschaft. Vor Verunreinigungen seien keine landwirtschaftlichen Erzeugnisse sicher, wenn in der Nachbarschaft gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut würden. Zudem könne das Empfänger-Erbgut durch die Genmanipulation destabilisiert werden. "Das ist ein von den Gentechnik-Propheten weitgehend ignoriertes Problem", sagte der SPD-Politiker.
Nach Ansicht des Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes Tübingen, Christian Reuter, sind die Landwirte gefährdet, ihr "gutes Image einfach so zu verschenken". Ein Nebeneinander von Gentechnik und Ökolandwirtschaft werde nicht funktionieren, warnte Reuter.
Vor der zentralen Veranstaltung auf dem Stuttgarter Schlossplatz waren die demonstrierenden Bauern mit einem Schlepper-Korso durch das Zentrum der Landeshauptstadt gezogen. Mit Schildern wie "Gen-Saaten sind Tod auf Raten" und "Die Welt ist keine Ware" brachten sie ihren Protest zum Ausdruck.lsw
Erscheinungsdatum: Montag 19.04.2004
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