Waffenklau: Strafanzeigen-Welle gegen Stadt
Jäger und Sportschützen machen bundesweit gegen Skandal auf Crailsheimer Rathaus mobil

Der Pistolen-Diebstahl zieht weite Kreise: Jäger und Sportschützen aus ganz Deutschland decken jetzt die Polizei und die Justiz mit Strafanzeigen gegen Beamte der Crailsheimer Stadtverwaltung ein.

HARALD ZIGAN

Crailsheim  Allein über die so genannte "Internet-Wache" auf der Web-Seite der Polizei in Baden-Württemberg gingen inzwischen 21 Strafanzeigen gegen den (trotz Rücktritts nach wie vor offiziell amtierenden) Crailsheimer Oberbürgermeister Andreas Raab und weitere Beamte der Stadtverwaltung ein.
 
Die Strafanzeigen werden an die Kriminalpolizei in Crailsheim weitergeleitet und wandern mit in die Ermittlungsakten, die dann wiederum wohl demnächst der Staatsanwaltschaft in Ellwangen vorgelegt werden.
 
Der quasi offen stehende Tresorraum im Ordnungsamt und die nicht getrennt von den Waffen gelagerte Munition stellen nach Ansicht der privaten Waffenlizenzträger eklatante Verstöße gegen die strengen Aufbewahrungspflichten des deutschen Waffengesetz dar.
 
In mehreren Online-Foren, in denen sich private Waffenbesitzer austauschen, spielt die Crailsheimer Affäre schon seit Tagen eine Hauptrolle. Auf diesen Internet-Plattformen wurde auch dazu aufgerufen, die Stadtverwaltung in Crailsheim anzuzeigen.
 
Symptomatisch für die Wut unter den erst recht nach dem Blutbad von Winnenden viel geschmähten privaten Waffenbesitzern im Land ist ein Beitrag von "Thomas74" in dem Forum "Waffen online". Er schreibt über den skandalösen Crailsheimer Waffen-Klau: "Ich bin nicht schadenfroh, ich bin schlichtweg angepisst angesichts der unglaublichen Dummheit . . . der Verantwortlichen." In einem Politik-Forum heißt es zudem bewusst überzogen: "Das Ordnungsamt Crailsheim verschenkt Waffen an Amokläufer."
 
Von einem "makabren Treppenwitz" spricht wiederum Hartmut M. F. Syskowski aus München, Chefredakteur des in Jägerkreisen gelesenen Magazins "Die Pirsch".
 
Der Journalist kennt auch eine (durch konkrete Quellen aber nicht belegbare) Hochrechnung, wonach in Deutschland zwischen 1949 und 1980 allein bei staatlichen Dienststellen 100 000 (!) Schusswaffen abhanden gekommen seien. . .
 




Erscheinungsdatum: Dienstag 30.06.2009

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