Bestechend heller Klang
Brass Band Akademie begeistert in der Crailsheimer Jahnhalle

Eine diskutierbare, aber letztlich mehr als berechtigte Entscheidung der Crailsheimer Konzertgemeinde war es, die Bayerische Brass Band Akademie zum Konzert in die Jahnhalle einzuladen.

RALF SNURAWA

Crailsheim  "Brassed Off" war der Titel eines 1996 entstandenen britischen Kinofilms, der den Stellenabbau im englischen Kohlebergbau thematisierte. Gleichzeitig rückte er eine Besonderheit des Musiklebens auf der Insel in den Vordergrund: die Brass Band. Die hat nun eigentlich nichts mit Brass Bands amerikanischer Herkunft zu tun. Das zeigt schon das zum Teil auf den belgischen Instrumentenerfinder Adolphe Sax zurückgehende Instrumentarium.
 
Auch klanglich wird man vergeblich nach Parallelen suchen, da die Kornette und Saxhörner dem Klangapparat einen bestechend hellen, aber durchaus auch weich gefärbten Ton verleihen. So führte Benjamin Markl, der den Abend unterhaltsam und informativ moderierte, das Flügelhorn als eindeutiges Melodieinstrument zu Bill Whelans an irische Tanzmusik anknüpfendes, effektreiches "Riverdance"-Stück vor.
 
Wendigkeit und Virtuosität bestimmten das Spiel der Kornettisten. Philip Wilbys "Paganini Variations" forderten aber ebenso von den anderen Musikern technische Meisterleistungen. Die Variationsfolge über das a-Moll-Caprice Nr. 24 von Niccolò Paganini spielte darüber hinaus mit Klängen, die vom spannungsreichen Beginn mit Liegetönen der gestopften Posaunen und Wirbel der großen Trommel bis zu Orgelklangwirkungen am Ende des Werks reichten.
 
Philip Sparkes "Partita" ließ die Bayerische Brass Band Akademie zunächst als toccatenhaftes Räderwerk erscheinen, um Soli im langsamen Teil umso deutlicher mit rundem und weichem Ton absetzen zu können und schließlich in ein espritvolles Finale zu münden. Markls "kleine Cartoon-Figuren" konnte das Publikum in Bruce Broughtons "Harlequin" durch die Reihen der Brass Band huschen sehen.
 
Auch Komponisten der Romantik hatten dieser Besetzung Werke gewidmet, so der vorwiegend durch sein Orchesterwerk "Die Planeten" bekannte Gustav Holst. Seine "Moorside Suite" ermöglichte es den Musikern, nicht nur tänzerische Elemente, sondern auch dem fein strukturierten polyphonen Satzbau perfekt zu entsprechen.
 
Abgesehen von Klanggetöse zu fanfarenartigen Werken von Edward Gregson und Richard Strauss zeigte die Bayerische Brass Akademie am Sonntag in der Jahnhalle unter der souveränen wie motivierenden Leitung von Franz Matysiak auch, dass sie innige und kantable Töne wie zu Eric Balls "Meditation - Serenity" mit viel Ausdruck vorzutragen weiß. Begeisterungspfiffe, Bravorufe und zwei Zugaben standen am Ende eines außergewöhnlichen Konzertes.
 




Erscheinungsdatum: Mittwoch 12.03.2008

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