FRAUENFUSSBALL / Günther Wörle ab sofort nicht mehr Trainer der BundesligamannschaftKeine stille Nacht beim TSV
Vertrauensbasis für weitere Zusammenarbeit fehlt - Ab 1. Juli 2008 beim FC BayernFrauenfußball-Bundesligist TSV Crailsheim trennt sich mit sofortiger Wirkung von Trainer Günther Wörle. Der Erstligist entband Wörle von seinen Aufgaben, nachdem sein Engagement als Trainer beim Ligarivalen FC Bayern München ab der Spielzeit 2008/09 bekannt wurde.
PM/JOM
Der 58-jährige Diplom-Betriebswirt übernahm die Crailsheimer Mannschaft im Juli 2006, nachdem der Wiederaufstieg realisiert wurde. Im ersten Bundesliga-Jahr führte er den Neuling auf einen respektablen 7. Tabellenplatz. In der laufenden Saison belegt der TSV zur Winterpause erneut den 7. Rang und hat gute Chancen, wiederum den Klassenerhalt in der 1. Bundesliga zu schaffen. Ein Nachfolger für Wörle steht noch nicht fest.
Wörles Wechselankündigung traf bei Abteilungsleiter Hubert Oechsner auf Unverständnis: "Günther Wörle hat beim TSV Crailsheim sicher Großartiges geleistet. Er hat einen gewichtigen Anteil am erfolgreichen Abschneiden unserer Mannschaft in den letzten eineinhalb Jahren. Wir danken ihm daher auch für die hervorragende Arbeit. Jedoch sind wir über den Zeitpunkt, zu dem er seinen Wechsel verkündet hat, sehr enttäuscht."
Wörle hatte den TSV-Verantwortlichen und der Mannschaft direkt im Anschluss an die Heimniederlage im DFB-Pokal gegen Saarbrücken seine Entscheidung mitgeteilt. Diese traf das Crailsheimer Team um Oechsner völlig unerwartet: "Wörle hatte vor einigen Wochen zwar bereits angedeutet, interessante Angebote vorliegen zu haben. Eine Entscheidung wurde aber ins Frühjahr vertagt."
Der Teammanager zeigte sich daher weniger überrascht, dass Wörle den Vertrag in Crailsheim über das Saisonende hinaus nicht verlängern wollte. Vielmehr begründete er die frühzeitige Trennung mit der anstehenden Beschäftigung Wörles bei den Bayern. "Dass wir vor einen vollendeten Wechsel gestellt wurden, ist nicht in Ordnung. Vor allem deshalb nicht, da Wörle zum regional benachbarten Ligarivalen Bayern München geht. Er kennt unsere Ideen, Konzepte und Zukunftsplanungen. Daher ist der Wechsel zum direkten Konkurrenten nach München denkbar unglücklich. Eine sinnvolle Zusammenarbeit war aus unserer Sicht unter den gegebenen Umständen nicht mehr möglich."
Oechsner gibt sich trotz der Trennung zuversichtlich: "Wir müssen versuchen, die Mannschaft weiter auf Erfolgskurs zu halten, unabhängig von der Trainerfrage. Dies wird uns gelingen. Wir werden nun in Ruhe überlegen, was das Beste für die Mannschaft und den Verein ist." Kapitänin Ramona Treyer bedauerte Wörles Abschied: "Ich finde es sehr schade, dass der Trainer über die Saison hinaus nicht weiter mit uns arbeiten wollte. Ich denke, da spreche ich im Namen des gesamten Teams. Aber dies müssen wir akzeptieren."
Beim FC Bayern München tritt Günther Wörle am 1. Juli 2008 die Nachfolge von Sissy Raith an. Die bisherige Trainerin wechselt zum Bayerischen Fußballverband (BFV). Sie wird dort erste hauptamtliche Trainerin und ist für den Frauen- und Mädchenfußball zuständig.
Beim FCB ist die Vorfreude auf den neuen Trainer groß, wie Koordinatorin Karin Danner erklärt: "Er ist unser absoluter Wunschkandidat. Wir kennen uns schon lange. Seine Tochter Tanja war jahrelang herausragende Spielerin und Kapitänin beim FC Bayern München." Wie lange der Kontakt zwischen Bayern und Wörle schon bestand, wollte Danner auf Nachfrage des Hohenloher Tagblatts nicht näher beleuchten. Sie verwies darauf, dass das eine "interne Angelegenheit" sei. Ebenso gab die Koordinatorin keine Auskunft, ob Wörle schon früher das Traineramt beim FCB übernimmt und ob ihm Tochter Tanja im Sommer nach München folgt.
Die FCB-Spielerinnen Ulrike Schmetz und Sandra de Pohl fiebern der Zusammenarbeit entgegen, da "Günther Wörle einen sehr guten Namen im Männer- und Frauenfußball hat" und "bei all seinen Stationen immer sehr erfolgreich gearbeitet" hat.
Erscheinungsdatum: Donnerstag 20.12.2007
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