"Hitzige" Schlacht in Stein
Römerfest: Tausende strömen in Römisches Freilichtmuseum - Gäste gestalten ProgrammCaesarische Sonnenglut nach germanischem Wolkenbruch - die Götter sind mit den Römern und so strömten am Wochenende tausende Besucher ins Freilichtmuseum zur "Schlacht von Stein".
EBERHARD WAIS
Stein Dort erlebten sie nicht nur ein farbenfrohes römisches Alltagslebens sowie Kämpfe zwischen Römern, Kelten und Alamannen, sondern erstmals auch eine römische Totenfeier. Nur alle zwei Jahre findet in Stein das Römerfest statt, verständlich, dass die Erwartungen der Veranstalter, des Fördervereins Römisches Freilichtmuseum Hechingen-Stein, mit dem Wetter stehen und fallen. Vor allem, nachdem der Freitag denkbar schlecht war.
Aber die römische Anlage schluckte das viele Wasser gut weg, am Samstag und Sonntag lief das Programm problemlos ab. Allerdings am Samstag zeitlich mitbestimmt vom Fernsehen. So war die große Schlacht bereits zur Mittagszeit angesagt - Römer der Legio I Italica und anderer Kohorten, Kelten der Gruppe Carnyx, Alamannen der Gruppe ASK und benachbarter österreichischen und schweizerischen schlugen kräftig aufeinander ein. Aber römisches Alltagsleben bestand nicht nur aus Kampf, Krieg und Heldentum, sondern eben auch aus ganz alltäglichem Tun.
Ob Wolle filzen, Korn mahlen und Brot backen, Kräuter sammeln und Kleidung nähen und griechischen Philosophen lauschen. Daneben hielt das römische Leben auch Außergewöhnliches bereit - zum Beispiel den Tanz der Wassergöttinnen, der Najaden. Zu sphärischer Musik tanzten die weiß-grün gewandeten Damen vor vielen hunderten begeisterten Zuschauern.
Einmalig und erstmalig außerhalb eines Filmsets war die Präsentation einer römischen Trauerfeier für einen im Kampf gefallenen Tribun. Was im Original Tage dauerte, verkürzten die Profis der Legio I Italica auf etwa eine halbe Stunde. Genau wurden die Details der etruskischen Feier erläutert und nachgespielt. Wie schön, dass solch eine Trauerfeier auch Anlass für lautes Lachen ist. Abends wurde zudem von den Reitern der Legio Eqvit dec Solicium eine römische Hochzeit zelebriert, die lange dauerte und sozusagen im großen Feuerwerk ihren Abschluss fand, auch wenn dieses zu einer ganz heutigen Hochzeit gehörte, die just am Samstagabend im "Lamm" in Stein gefeiert wurde.
Ausgelassenes Lachen war aber auch am Sonntag auf der ganzen Anlage zu hören, denn das Römerfest soll Spaß machen und Neugier wecken, zum Beispiel auf die Geschichte der Römer. Das sei gut gelungen, freute sich gestern der Fördervereinsvorsitzende Gerd Schollian, der die Gesamtbesucherzahl auf rund mindestens 5000 bis 6000 bezifferte. Genaue Zahlen gibt es aber erst nach der Abrechnung. An beiden Tagen jedenfalls war Großandrang und neben dem römisch-alamannischen Waffengang wurde auch die Schlacht um Getränke, Verköstigung und schattige Plätze "geschlagen" . Nach dem gemeinsamen Einzug und der Begrüßung streifte Tribun Schollianus gestern Vormittag kurz die 30-jährige Geschichte des Fördervereins, der maßgeblich am Aufbau des Freilichtmuseums beteiligt war. Auch Erster Beigeordneter Klaus Conzelmann überbrachte Grußworte und blickte ins weite Rund: "Vor 30 Jahren war hier das Gelände unversehrt, bis Herr Schollian begonnen hat zu graben. . ." Nur seiner Beharrlichkeit sei es zu verdanken, dass die heutige Anlage darauf geworden sei. Eine Vorzeigeobjekt, das offensichtlich viele der tausenden Besuchergestern beeindruckte, nutzte beispielsweise doch ein US-Amerikaner, der mit seiner Familie gekommen war, eine Programmpause zum Anruf in die Staaten: "Im here in a place called Hechingen, H-e-c-h-ingen in Germany." Wo es noch Römer, Alamannen und Kelten gibt, wie in einem Hollywood-Film. Ein Flecken Voralbland, der seit gestern nicht nur einen Tribun, sondern auch einen Pro-Consul hat. Die römische Kohorten überbrachten die Ernennung direkt aus Rom von Caesar - für seine Erfolge gegen die Germanen wurde Tribun Schollianus zum Legaten und Pro-Consul ernannt - "möge er Rom noch lange dienen", und auch dem Förderverein, könnte man anfügen. Dieser reagierte ganz pragmatisch: "Endlich habe ich die Möglichkeit, höhere Steuern zum Erhalt der Villa Rustica einziehen". Zudem kann er jetzt unbotmäßige Vasallen in den Staub der Anlage zwingen.
Solcherart reihte das Programm einen Höhepunkt an den andern, dass Gerd Schollian zum Abschluss auch rundum zufrieden sein konnte - in zwei Jahren wieder.
Erscheinungsdatum: Montag 18.08.2008
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