SÜDWEST AKTIV > Dietenheim > Illertalbote
Ihre Ansprechpartner Impressum
Anmeldung für...
SÜDWEST PRESSE - Illertal Bote - Mitglied im SÜDWEST PRESSE Verbund

Artikel per E-Mail versenden Artikel drucken Schrift größer Schrift kleiner


Vergangenheit rückt ans Tageslicht
Grabungen an Balzheimer Burghalde laufen auf Hochtouren - Morgen für Interessierte offen

Balzheims Vergangenheit kommt ans Tageslicht. Mittelalter-Archäologen der Universität Tübingen und Freiwillige graben auf der Burghalde. Beim Tag des offenen Denkmals am Sonntag kann jeder kommen.

MANUELA RAPP

Oberbalzheim  Wenn Grabungsleiter Steffen Killinger Archäologen mit Krimiautoren vergleicht, dann ist da etwas Wahres dran. Wie könnte es einst auf der Burghalde hinter dem Oberen Schloss in Oberbalzheim ausgesehen haben? Wer hat dort residiert? Wie waren die Lebensbedingungen hoch über Balzheim? Wann genau war das? Vieles bleibt rätselhaft und gerade deshalb auch so spannend.
 
Doch gemach! "Wir sind erst bei der Quellenbeschaffung", erklärt Killinger. Die Arbeit an der Grabungsstätte, das Fundmaterial, "ist das Archiv im Boden", erklärt Killinger, "auch wenn manche Forscher diesen Vergleich nicht so gerne hören." Zur Auswertung selber werden eventuelle Schriftquellen, naturwissenschaftliche Untersuchungen, kurz, die verschiedensten Teildisziplinen herangezogen. "Eines musste ich hier lernen, nämlich Geduld", meint auch Edgar Huber, der Vorsteher der Palmschen Stiftung, die die Ausgrabung finanziert.
 
Natürlich wird hier nicht einfach aufs Geratewohl gearbeitet. Vorausgegangen sind geophysikalische Untersuchungen, modernes Hightech, um im Auftrag von Gemeinde und Stiftung etwas Licht in die Vergangenheit zu bringen (wir berichteten) - ein erster und vor allem viel versprechender Schritt für die Wissenschaftler.
 
Danach galt es, eine Grabungsgenehmigung einzuholen, die nötige Infrastruktur für die Archäologen zu schaffen: Dazu gehören Toiletten, Schaufeln und Strom ebenso wie ein kombinierter Regen- und Sonnenschutz auf dem Gelände. Nicht zu vergessen die Unterkunft für die Wissenschaftler.
 
"Es handelt sich um eine Lehrgrabung, an der Gruppen von sechs bis sieben Studenten im 14-tägigen Wechsel teilnehmen", sagt Steffen Killinger. Im Grundstudium seien zehn praktische Arbeitstage vorgesehen. Außerdem sind da noch die Freiwilligen aus dem Ort selber. Dies sei, betont er, nicht die Regel. In Balzheim war es möglich. Edgar Huber erinnert sich: "Wir haben in einem Rundschreiben über diese Möglichkeit informiert und dann bei einem Treffen erläutert, was auf der Burghalde passieren wird." 18 Interessierte hätten sich daraufhin gemeldet.
 
Einer von ihnen: Dietmar Czarnojan. Er fühlte sich sofort angesprochen und "war am häufigsten da", lobt ihn der Stiftungsvorsteher. "Ich habe mich schon immer für Geschichte interessiert", sagt der 43-jährige Helfer. Egal, ob Museum, Schloss oder Kirche: der Frührentner fühlt sich davon fast magisch angezogen. Die Bücher, die der Oberbalzheimer zuhause hat, "drehen sich im Prinzip alle um diese Themen." Dennoch stellt die Grabung für ihn eine Premiere da: "Ich werde diese Zeit nie vergessen." Seine Mithilfe sei eine "kleine Unterstützung, damit die Studenten Zeit haben für wichtigere Sachen."
 
Ganz einverstanden mit dieser Darstellungsweise sind weder Edgar Huber noch Steffen Killinger: "Ein gewisser Teil der Arbeit ist für alle gleich. Die Grob- und Feinabtragung des Geländes, die körperliche Arbeit, das Durchwaschen der Funde." Den Forschern ist dagegen etwa das Einmessen oder die Dokumentation der Fundstücke vorbehalten.
 
Nach all dem wundert es nicht, wenn Dietmar Czarnojan bis zum Grabungsende am 19. September mit dabei sein wird. "Man wird anerkannt und lernt auch etwas dazu." Und da ist dann noch das "Jagdfieber", wie er es nennt, und die Freude beim Fund von Tonscherben. Ein paar Interpretationen gibt Grabungsleiter Steffen Killinger schließlich dann doch noch preis: Die Anlage mit einer Ausdehnung von 500 bis 600 Metern dürfte wie vermutet die vor dem 15. Jahrhundert abgegangene Burg sein, von der auch in der Ortschronik gesprochen wird.
 
Info
 
Am Tag des offenen Denkmals am morgigen Sonntag, 14. September, ist die Grabungsstätte Burghalde von 11 bis 16 Uhr für Interessierte geöffnet. Bei schlechtem Wetter gibt es eine kleine Ausstellung in der Stiftungshalle.
 

 




Erscheinungsdatum: Samstag 13.09.2008

zurück zurück zur Ressort-Übersicht