Es gibt ein Gebrauchtes
Gemeinderat Kirchberg schwenkt um bei FeuerwehrfahrzeugEs ist beschlossene Sache: Die Gemeinde Kirchberg kauft sich entgegen des bisherigen Beschlusses kein neues, sondern ein gebrauchtes Feuerwehrfahrzeugs. Die Kosten: rund 93000 Euro belaufen.
MANUELA RAPP
Kirchberg Neu oder gebraucht? Dass ein Feuerwehrfahrzeug angeschafft werden sollte, war ausgemachte Sache in Kirchberg, doch bislang waren die Gemeinderäte von einem Neukauf ausgegangen. Noch im November 2008 hatte das Gremium beschlossen, einen Zuschussantrag für dieses Jahr zu stellen. Obgleich er heuer abgelehnt wurde, "steht er erst einmal", erläuterte Bürgermeister Herbert Pressl zu Beginn der, wie er einräumte "etwas überraschend einberufenen Sitzung" in den Sommerferien. Aus gegebenem Anlass, denn der hieß "Beschaffung eines Feuerwehrfahrzeugs".
Grund hierfür waren zwei Angebote vom Gebrauchtfahrzeugmarkt, die neben den Mitglieder eines Sachverständigengremiums der Brandschützer, dem auch Kommandant Reinhard Kramer angehört, sowohl Mechaniker Thomas Baader als auch Thomas Kassner von der Dekra mit begutachteten. Dabei handelte es sich in beiden Fällen um den Typ LF 16 - einmal von MAN (Baujahr: 1994/95) und einmal von Mercedes (Baujahr 1993/94). Aus technischer Sicht befürworteten sowohl das Prüfgremium um den Kommandanten als auch der Bürgermeister die MAN-Ausführung. Da die gebrauchten Fahrzeuge auf dem Markt gefragt sind, war im Rat schnelles Handeln vonnöten.
Während die Kommune bei einer Neuanschaffung vom Typ LF 20 rund 200 000 Euro aus eigener Tasche zahlen müsste - vorausgesetzt die Zuschüsse in Gesamthöhe von rund 91 000 Euro fließen in voller Höhe -, kostet die MAN-Variante alles in allem rund 93 000 Euro, der Mercedes rund 97 000 Euro. Laut Kommandant Kramer kann ein Gebrauchtfahrzeuge gut und gerne 15 Jahre in der Gemeinde im Einsatz sein. "Ein Neuwagen sollte eigentlich 30 Jahre Laufzeit haben, doch veralte die technische Ausstattung schnell.", betone er. Das stellt die Feuerwehr wieder vor Probleme, denn: "Eine Fahrzeuggeneration überholt sich alle 20 Jahre."
Technische und wirtschaftliche Aspekte sowie der Bedarf der Wehr stünden im Vordergrund, betonte denn auch Herbert Pressl. Lydia Müller beschäftigte die Frage, wie groß die Unterschiede zwischen einem LF 20- und einem LF 16-Fahrzeug sind. "Beide sind direkt vergleichbar, die Norm hat sich verändert", erklärte Kramer. Die Fahrgestelle seien fast identisch, nur die Wassermenge differiere. Die Beladung werde - abgesehen von einem vorgeschriebenen Mindeststandard - individuell auf die Bedürfnisse und den Einsatzzweck der jeweiligen Gemeinde zugeschnitten.
"Wie stemmt man das finanziell?", wollte Jochen Stuber wissen. Paul Altenhöfer, der sich als Stellvertreter des Bürgermeisters in die Materie eingearbeitet hat, erklärte: "Wir haben 100 000 Euro im Haushalt 2010 eingestellt." Mit der Lieferfirma des LF 16 von MAN gebe es Verhandlungsspielraum.
Ratsherr Rainer Büchele wollte wissen, was der Umschwenk bringe. Die wirtschaftliche Situation sei eine andere gewesen, als das Gremium den Beschluss für einen Neuwagen gefasst habe, erklärte Altenhöfer. Eine neue Unsicherheit sei aufgetreten, da sich in der Zuschussvergabe des Landes etwas verändert habe. "Vielleicht ist ein Neufahrzeug doch nicht das Nonplusultra."
Selbst wenn der Zuschuss in voller Höhe komme, müsse die Kommune ihn eventuell vier bis fünf Jahre vorfinanzieren, ergänzte der Bürgermeister. Pressl sprach von drastischen Einbrüchen bei den Gemeindefinanzen. Laut Faktenlage könne man guten Gewissens auf das Gebrauchtfahrzeug von MAN zurückgreifen..
Bei der Abstimmung entschieden sich die Gemeinderäte denn auch einstimmig dafür.
Erscheinungsdatum: Freitag 04.09.2009
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