Ein mächtiger Exot am Höhenblick
Sommerserie Garten (7): Riesiger Mammut ist der Stolz des Ehepaars SchultzHeimisch und exotisch muss kein Gegensatz sein, sagen die Schultzens. In ihrem Garten in Regglisweiler stiehlt der riesige Mammutbaum der immer noch üppig blühenden Petunienpracht derzeit nicht die Show.
BEATE REUTER-MANZ
Regglisweiler Höhenblick! Die Postanschrift des Ehepaars Schultz aus Regglisweiler trifft ins Schwarze. Von Terrasse und Balkon ihres Hauses auf der Anhöhe hat das Paar einen atemberaubenden Blick. "Wenn die Alpenkette sichtbar wird, ist es einfach traumhaft", schwärmt Hausherr Walter Schultz.
Die Terrasse im ersten Stock ist zum Lieblingsplatz des Ehepaars geworden, seit der schmale Balkon vergrößert und mit schmiedeeiserner Einfassung verschönert wurde. Die Schultzens sitzen aber auch deshalb gern hier, weil von der Terrasse aus der zehn Meter hohe Mammutbaum zum Greifen nahe ist. "Mächtig und anspruchslos", beschreibt Schultz die Eigenschaften des Exoten, der in Kalifornien beheimatet ist, und den er auf einer seiner Auslandsreisen entdeckte. Dass schon König Wilhelm von Württemberg an dem Riesenbaum Gefallen fand, kann er verstehen. Vor 20 Jahren pflanzte Schultz das Exemplar, das bis zu 100 Meter riesig werden kann. "Ich muss ihn ja nicht mehr ummachen", kommentiert er den möglichen Ausgang optimaler Wachstumsverhältnisse.
Beim Rasenmähen geben die Schultzens besonders Acht, dass die unteren Äste des Exoten nicht beschädigt werden. "Ein so gerade gewachsenes, bis zum Boden üppiges Exemplar gibt es bestimmt nicht so oft", freut sich Schultz über das Ergebnis der Hege und Pflege. Obwohl: Viel Pflege benötigt der Mammutbaum eigentlich nicht, Nur bei längerer Trockenheit lassen die Schultzens ihm Wasser aus dem Schlauch angedeihen.
Walter Schultz ist der Planer und Ideengeber, was den Garten anbelangt, während seine Frau die praktische Handarbeit übernimmt. Derzeit hat Schultz neue Pläne im Kopf. Denn zusammen mit den beiden Zedern und einer Zypresse zeichnet der Mammut zwar ein stimmiges Bild im Koniferen-Garten. Doch in die Jahre gekommen sind die Nadelgehölze eben trotzdem. Zehn Meter hoch verwehren sie dem Haus nicht nur viel Sonnenlicht, sondern entziehen auch dem Rasen nötige Nährstoffe, wo dem sandigen Boden doch ohnehin der Humusgehalt fehlt. "Es wird umgestaltet", hat sich Schultz für nächstes Jahr vorgenommen. Ausgenommen von Fällaktivitäten sind der selbstverständlich der Mammutbaum und die 50 Jahre alte Buchshecke, die das 2000 Quadratmeter große Hanglagen-Grundstück einfasst.
Nur der Mammutbaum bekommt dann und wann übrigens eine Schlauchwässerung, alles andere gießt Hausherrin Brigitte Schultz per Hand und Gießkanne, mit Regenwasser, das in zwei großen Tonnen gesammelt wird. Mit einem Fassungsvermögen von je 500 Litern reicht der Vorrat eine Weile, obwohl Brigitte Schultz jeden Sommerabend bis zu eineinhalb Stunden in die Gießerei investiert hat.
Hingucker am Höhenblick 12 ist auch das gepflegte Entree mit unterschiedlich großen Buchskugeln, farbenprächtigen Hortensienbüschen, Funkien, Jucca, einer eleganten Muschelzypresse und einem selbst gezogenen Johannisbeer-Hochstamm. Apropos Beeren: Im "Brutkasten" hinter dem Haus, wie die Gärtnerin die sonnenverwöhnte Ecke bezeichnet, gedeihen Johannisbeeren, Himbeeren und Brombeeren - Grundlage für die leckeren Beerentorten der Hausherrin. Brigitte Schultz liebt Stauden. Ihre Anpflanzungen müssen robust sein und jedes Jahr aufs Neue blühen. Von Spritzen und Düngen auf Teufel komm raus hält sie nichts. Vielleicht kann die Hausherrin auch aus diesem Grund wenig anfangen mit Rosen, die gemeinhin als zickig gelten. Ihren eisernen Rosenbogen lässt sie mit wildem Wein beranken, während sich über der Terrasse eine Glyzine Weg bahnt.
Für Farbtupfer auch noch zu Beginn des Herbst sorgen üppig bepflanzte Ampeln. "Petunien in allen Farb-Variationen von pink bis lila, etwas Gelbes, etwas Weißes und ein wenig Blau", beschreibt Gärtnerin Schultz ihre Lieblings-Einjährigen, von denen sie das Aussehen sehr wohl abgespeichert hat, nicht aber jeden Namen. "Wie man sieht, funktioniert es auch so", sagt sie und deutet auf die diesjährige bunte Auswahl in Ampeln, Kübeln und Kästen. Die schwarzäugige Susanne, die einen Garagenpfeiler hinaufrankt und einen Haustürpfosten filigran umgarnt, bildet einen schönen Kontrast zum braunen Holz und den roten Klinkersteinen, die Walter Schultz als gestalterisches Element an Haus und Garten einsetzt.
Mädchenauge, Schafgarbe, Phlox und Fetthenne setzen sich derzeit in den Rabatten noch in Szene, bunte Astern vervollständigen das Bild, während im Frühjahr die vielen Tulpen und Osterglocken zum Blickfang gereichen.
Ihre Beete entlang des Walls am Grundstücks pflegt Brigitte Schultz mit Hingabe. Gern Gesellschaft leistet ihr dabei Hündchen Shila. Unkraut jäten, ausschneiden, teilen, zupfen, häckeln: In der Hauptsaison kommt sie auf mehrere Stunden Gartenarbeit täglich. "Ich finde darin aber Freude und Befriedigung, das ist keine Arbeit", sagt die 45-Jährige.
Nur so ist es auch zu erklären, dass die Gärtnerin nicht nur ihr eigenes Grundstück hegt und pflegt, sondern sich auch des rund 50 Meter langen Rains entlang des Gemeindewegs angenommen hat. Darüber hinaus kann sie auch das Halbrondell des Heimatvereins vor ihrem Grundstück nicht links liegen lassen. "Der Randstreifen sieht im Frühjahr toll aus, weil alles so bunt blüht", erzählt sie und verweist darauf, dass die Pflanzen - blühende Bodendecker, Steinkraut und mehr - sämtlich Ableger aus dem eigenen Garten sind oder aus freier Natur stammen und verpflanzt wurden.
Besonderheit des Grundstücks ist die Tatsache, dass ein kleiner Teil vom Feldweg durchschnitten wird. Vis-a-vis von Haustür und viel genutztem, wettergeschützten Freisitz hinter der Garage ist genügend Platz für ein kleines Holzhaus, in dem Brigitte Schultz ihre Garten-Utensilien aufbewahrt. Hierher zieht sich die Gärtnerin auch zurück, um mit Setzlingen, Sämlingen und Ablegern zu experimentieren, ihren eigenen Buchs zu ziehen oder einfach nur die Aussicht zu genießen. In direkter Nachbarschaft zum Sandberg ist der Blick hinunter ins Illergries mindestens ebenso beeindruckend wie der von der Terrasse.
Erscheinungsdatum: Dienstag 15.09.2009
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