UMWELT / Unabhängiges Institut misst in Elchinger Gebäuden Intensität des neuen Funk-DSLAlu-Tanne spürt alle Strahlen auf
Bürger unkritisch - Gemeinde setzt wie Monika Kühl auf Sicherheit und TransparenzSeit Dezember profitieren Elchinger über die Wimax-Technologie von schnellem Internet-Zugang. Seither wabern aber noch mehr elektromagnetische Wellen durch die Häuser und Straßen der drei Ortsteile. Ob diese Belastung Gefahren birgt, lässt die Gemeinde derzeit klären.
CLAUDIA REICHERTER
UNTERELCHINGEN Uwe Münzenberg zielt im Sonnenscheingruppenraum mit einem Alu-Weihnachtsbaum aus dem Fenster in Richtung Talebene. Er bewegt das Teil langsam hin und her. Martin Virnich kauert an einem Kindertisch und stiert auf einen Mini-Bildschirm, über den zackige Kurven flimmern. Ab und zu drückt er eine der zahlreichen Tasten an dem silbrigen Kästchen. Oder kritzelt etwas auf ein Blatt Papier. Die beiden Männer erproben im Unterelchinger Kindergarten St. Michael keine neue Art der Kinderunterhaltung. Statt um Kasperl und den Schutzmann geht es bei dieser Inszenierung um höhere Physik.
Denn das Alugestänge, das der Projektleiter eines Fürther Umweltinstituts schwenkt, ist in Wahrheit eine Antenne. "Eine logarithmisch-periodische", erklärt Dietrich Ruoff, unabhängiger Ingenieur und Baubiologe aus Erkenbrechtsweiler, der an dem Messauftrag beteiligt ist, der das vierköpfige Team gestern nach Elchingen geführt hat. Deshalb seien die Arme der Antenne aus nicht magnetisierbarem Material unterschiedlich lang. Je kürzer, desto höher die damit aufspürbare Frequenz, die unsichtbar durch die Räume wabert.
"Ja, da tut sich noch mächtig was", murmelt Virnich vom Kindertisch aus. Mit dem vor ihm platzierten Spektrums-Analyse-Gerät hält er die einzelnen Frequenzen, die der Alu-Tannenbaum in der Luft aufspürt, und deren Intensität in Diagrammen und Dateien fest.
Hinter der ganzen Aktion steckt die Gemeinderätin der Elchinger Umweltliste (Eule) Monika Kühl. Sie hatte das unabhängige Institut im Namen der Gemeinde beauftragt. Denn bei den Beratungen über einen Probebetrieb der seit Dezember eingeschalteten Funk-DSL-Technik namens Wimax hatte sie darauf beharrt, die zusätzlichen elektromagnetischen Wellen, die von den drei dafür notwendigen Funkmasten ausgehen, messen zu lassen und damit Klarheit darüber zu erlangen, ob die Bürger davon über die Maßen belastet werden.
Obgleich sich bei einer Bürgerversammlung nur zehn Prozent der Bürger kritisch gegenüber der neuen Technik gezeigt hatten, stimmte die Gemeinde dem zu. Bürgermeister Anton Lang legt in dieser Sache Wert auf Transparenz. Darüber sei sie froh, sagt Monika Kühl.
Den Ingenieuren waren von der Kommune vier Messpunkte vorgegeben worden. Um 10.30 Uhr hatten sie mit einem privaten Gebäude im Dahlienweg begonnen. Der Kindergarten war die zweite Anlaufstelle, in die sie ihre Messgeräte schleppten.
Am Nachmittag ging es weiter zur Grundschule und zu einem weiteren Privathaus, das "im mutmaßlich direkten Einflussbereich" der Wimax-Anlage liege, erklärt Münzenberg. Für weiter weg liegende Häuser sei die Belastung aber nicht unbedingt niedriger, sagt Ruoff. Denn die brauchen zusätzlich zum Wimax-Empfangsgerät eine kleine Antenne auf dem Dach, die mit dem Funkmast Kontakt hält. "Deren Strahlung ist mindestens so hoch wie die eines Handys." Und zwar Tag und Nacht in konstanter Intensität. Das sei "nicht ganz unkritisch", meint der Experte. Denn die Frequenz der elektromagnetischen Wellen nähert sich teilweise gefährlich jenen Wellen an, über welche die menschlichen Organe funktionieren. Häufen sich schnurloses Telefon, Handy, W-Lan-Computer und Funk-DSL in einem Haushalt, desto gefährlicher.
Die Messungen werden jetzt ausgewertet und das Ergebnis dann der Gemeinde Elchingen mitgeteilt.
Erscheinungsdatum: Donnerstag 17.01.2008
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