Fans fühlen sich zurückgesetzt
Die Ulmer Basketball-Anhänger sind von der umgebauten Kuhberghalle enttäuscht

Über die neuen Sitzplätze auf der Osttribüne ärgerten sich beim ersten Play-Off-Heimspiel der Ratiopharm Basketballer gegen Bonn viele Zuschauer.

IRA KNABBE

"Das ist ja viel zu weit weg!" Günter Parschan ist enttäuscht. In wenigen Minuten wird das erste Play-Off-Heimspiel der Ulmer Bundesliga-Basketballer gegen die Bonner Baskets beginnen. Der 62-jährige Fan im orangefarbenen T-Shirt hat soeben zum ersten Mal auf der neuen Osttribüne der Kuhberghalle Platz genommen. Dort fühlt er sich ganz schön weit ab vom Schuss. "Hier kann ich ja nicht mal einen Dreier sehen", beschwert sich der Illertissener über den großen Abstand zwischen Tribüne und VIP-Plätzen beziehungsweise Spielfeld. Dort klafft seit der Hallen-Erweiterung eine mehrere Meter breite Lücke, auf der Westseite wirds in der neuen Runde ähnlich, wenn dort die bisherige Tribüne verschwindet und die neue ausgerollt wird.
 
Dieser Zwischenraum erhitzte am Donnerstag, als sich erstmals Zuschauer auf die noch unbenutzten Bänke setzten, viele Gemüter. Dass die Kuhberghalle nicht für den Spitzensport, sondern für einen besseren Sportunterricht ausgebaut worden war (wir berichteten), war für die Basketball-Anhänger offensichtlich: "Für einen Fan-Block ist das viel zu weit hinten", kritisierte Gerhard Barthmann, Vorsitzender des Fanklubs "Magic Sparrows", die neue Osttribüne. "Die Hardliner werden zukünftig eher woanders sitzen - oder gleich stehen", schätzt der 55-Jährige. "Die ganze Atmosphäre ist weg", fassen Jan und Jochen Endregat zusammen. Beide fahren jeweils aus Stuttgart und München über 100 Kilometer zu jedem Ulmer Heimspiel. Und auch Jeff Gibbs vom Bundesliga-Team ist nicht begeistert: "Der Block ist jetzt zu weit weg. Ich hätte meine Fans lieber näher am Spielgeschehen."
 
Doch nicht nur der vergrößerte Abstand zum Spielfeld hat die Zuschauer auf den neuen Plätzen gestört. Viele starrten ungläubig auf die Anzeigentafel - respektive die von dort nur sichtbare Rückseite. Tatsächlich ist von den neuen Sitzplätzen aus kein Punktestand mehr abzulesen.
 
Beide Kritikpunkte sind Thomas Stoll bewusst: "Wir wollten die Halle nie so haben", meint der Manager der Ratiopharm Basketballer. Mit schlechteren Lichtverhältnissen und einem kaum hörbaren Hornsignal, wenn die 24 Sekunden Angriffszeit vorbei sind, vervollständigt er selbst die Mängelliste. "Leider hatten wir keinerlei Einfluss auf diesen Umbau", sagt Stoll.
 
Der Geschäftsführer erklärt, die vielfach kritisierte leere Fläche habe keinen tieferen Sinn. Aus Kostengründen habe sich die Stadt eine längere Ausziehtribüne gespart. "Wenn wir in zwei Jahren keine Multifunktionshalle bekommen, hat der Basketball in Ulm keine Zukunft", prognostiziert Stoll, "dann laufen uns auch die Fans davon."
 
Trotz allen Unmuts sahen viele Zuschauer auch positive Aspekte des Umbaus. Durch den zweiten Eingang könne man nun ohne langes Durchquetschen frische Luft schnappen und auf die Toilette gehen. Und Jan Endregat gefiel besonders der zusätzliche Snack-Stand: "Ich will ja nicht nur meckern."
 




Erscheinungsdatum: Samstag 23.05.2009

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