Mehr als ein violetter Fleck
Spur der Erinnerung führt am 14. Oktober auch durch NeckartenzlingenDie Spur der Erinnerung führt auch durch Neckartenzlingen. Sie ist mehr als nur ein violetter Farbklecks. Soll sie doch die NS-Gräuel in Grafeneck ins Gedächtnis rufen und ist von zahlreichen Aktionen begleitet.
JAN ZAWADIL
Neckartenzlingen Was von Januar bis Dezember 1940 in Grafeneck geschehen ist, ist noch immer unfassbar: Insgesamt 10 654 Kranke und Behinderte wurden dort ermordet und dienten damit unter anderem als Versuchskaninchen für die anschließend noch größere Tötungsmaschinerie der Nazis.
Ganze 70 Jahre nach der Beschlagnahmung der damaligen Behinderteneinrichtung durch das Württembergische Innenministerium und letztlich dem Landratsamt Münsingen gilt es, an dieses dunkelste Kapitel der Geschichte zu erinnern und darüber zu informieren, was damals geschehen ist.
Aufmerksam soll deshalb die "Spur der Erinnerung" machen, hinter der sich ein zentraler Aktionskreis des AK Euthanasie sowie der Vereinigung "Die Anstifter" verbirgt.
Zwischen dem 13. und 16. Oktober wird nun in zahlreichen Gemeinden entlang der früheren Route zwischen Grafeneck und Stuttgart, beziehungsweise dem dortigen Innenministerium, mit der violetten Farbspur die Strecke der grauen Busse nachgezeichnet und gibt noch mehr weit mehr Aufschluss darüber, was vor 70 Jahren geschehen ist. Wobei in den beteiligten Gemeinden von der Alb durchs Ermstal bis über die Fildern in die Landeshauptstadt zahlreiche Aktionen geplant sind, an denen sich am 14. Oktober auch Neckartenzlingen beteiligt.
Am Freitag wurde deshalb unter anderem von der Interessengemeinschaft Neckartenzlinger Ortsgeschichte (INO) vorgestellt, was an dem Mittwoch geschehen soll. So werden auf Neckartenzlinger Gemarkung sowie in mehreren Streckenabschnitten nämlich die farbig violetten Spuren überwiegend von Schülern mithilfe einer Schablone aufgebracht und sollen einige Zeit sichtbar sein, bevor sie der Regen wieder wegspült.
Bereits am Morgen, sowie vor der Menschenketten, die zwischen 11.15 Uhr und 12 Uhr zwischen Martinskirche und Schulzentrum gebildet wird, treffen die Neckartenzlinger und Altdorfer Initiative aufeinander, die sich mit der Spur von der Gemarkungsgrenze bis zur Zehntscheuer vorarbeiten.
Für 11 Uhr ist zudem am so genannten Ostlandkreuz an der katholischen Kirche nach der Begrüßung durch Hans-Dieter Gommel von der INO eine Lesung umrahmt von Stücken des Posaunenchors geplant. Weiterhin ist bis nachmittags in der Zehntscheuer eine Ausstellung unter anderem mit Arbeiten der Behindertenförderung Linsenhofen zu sehen. Zwischen 14 und 18 Uhr werden Filme über Grafeneck im Jugendhaus vorgeführt. Abschluss des Aktionstages ist ab 19 Uhr bei gutem Wetter vor dem neuen Rathaus oder bei schlechtem Wetter in der Kelter, bei dem eine Unterensingerin sowie eine Wendlingerin über ihre Erinnerungen an die damaligen Geschehnisse berichten.
Während in den anderen beteiligten Gemeinden sowie in Stuttgart ebenfalls eine Vielzahl von Vorhaben geplant sind und auch ein zweitägiger Lauf für alle Interessierten an die Zeit erinnern, sind sich der INO-Vorsitzende Roland Kilgus sowie Gemeinderatsmitglied Professor Helmuth Kern über die Ziele einig. Denn: "Es muss etwas getan werden, das Vergessen zu verhindern", sagte Kilgus.
Dabei gehen die Initiatoren vom Arbeitskreis Euthanasie sowie "Die Anstifter" von mehreren tausend Beteiligten insgesamt aus.
Allein in Neckartenzlingen könnten es dabei allein durch das Schulzentrum schon um die 2000 Aktionsteilnehmer sein, die letztlich ganz aktiv gegen das Vergessen aufstehen.
Erscheinungsdatum: Dienstag 29.09.2009
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