Spur der Erinnerung führt auch durch Bad Urach
Eine 75 Kilometer lange Spur der Erinnerung wird ab 13. Oktober von Grafeneck bis zum Stuttgarter Innenministerium gezogen, rund 17 Kilometer laufen auf Bad Uracher und Dettinger Gemarkung.
KIRSTEN OECHSNER
Bad Urach Schulklassen und Jugendgruppen, Vereine, Privatpersonen oder Belegschaften von Betrieben sollen sie am Dienstag, 13. Oktober, eigenhändig aufmalen, die violette Spur der Erinnerung. 1939 wurde die Behinderteneinrichtung Grafeneck beschlagnahmt, von Januar bis Dezember 1940 wurden dort 10 654 behinderte und kranke Menschen vergast. Angeordnet wurde die Vernichtungsaktion im Innenministerium von Stuttgart.
70 Jahre später sollen Tatort und Planungsort verbunden werden. "Wir haben die Hoffnung, dass sich möglichst viele junge Menschen damit beschäftigen", erklärt Peter Schmid vom Initiatorenkreis rund um die Aktionsgruppe Stolperstein aus Stuttgart.
Das Ziel könnte erreicht werden: Pfarrerin Simone Heideker trifft sich nächste Woche zu einem Gespräch mit Vertretern des Gymnasiums, wo sich bereits ein Arbeitskreis gebildet hat. In Dettingen erarbeitet laut Hauptamtsleiter Stefan Wörner eine lokale Organisationsgruppe eine dreistündige Unterrichtseinheit zum Thema. In beiden Gemeinden haben sich bereits vor Monaten lokale Arbeitsgruppen gebildet, in Dettingen ist es ein offener Kreis von rund 20 Bürgern jeder Altersklasse. In Bad Urach haben sich Stadt, evangelische Kirche, die Landeszentrale für politische Bildung, die Volkshochschule und die Behindertenhilfe Ermstal des Themas angenommen. Dort wird am Dienstag, 13. Oktober, auch eine zentrale gemeinsame Abschlussveranstaltung stattfinden, bei der eines ganz deutlich werden soll: "So etwas darf nie mehr passieren", wie Bereichsleiter Hartmut Kurz erklärt.
Ziel ist laut Kurz den Menschen eine Veranstaltung anzubieten, an der sie sich gegebenenfalls auch nur kurz beteiligen und dennoch Zeichen setzten können: "So sind wir auf eine Menschenkette gekommen." Sie wird sich ab 15 Uhr ab der Bleiche in Richtung Dettingen und Bad Urach formieren und um 16 Uhr stehen. Zu diesem Zeitpunkt werden Bläsergruppen das Bonhoeffer-Lied "Von guten Mächten wunderbar geborgen" spielen. Kurz hofft auf etwa 1000 Personen: "Das ist sehr optimistisch." Ab 16.30 Uhr wird auf der Bleiche dann ein Programm unter anderem mit Heiner Kondschak geboten, bei dem sich die Besucher sammeln, zuhören und besinnen können.
In beiden Kommunen werden am 13. Oktober einige Begleitveranstaltungen stattfinden. In Dettingen ist um 8 Uhr ein meditativer Auftakt in der Stiftskirche geplant, in Bad Urach wird der Aktionstag zur gleichen Zeit mit einem ökumenischen Gottesdienst auf dem Marktplatz eröffnet. Dort wird den ganzen Tag über auch ein grau angemalter Kleinbus stehen, der rein äußerlich an die Euthanasie-Fahrzeuge erinnert. Im Innern wird mittels einer kleinen Ausstellung an ein Einzelschicksal erinnert. "Es wurden bereits 13 Personen aus Bad Urach herausgefunden, die in Grafeneck ermordet wurden", muss Bernd Mall von der Stadtverwaltung in diesem Zusammenhang bedauerlicherweise mitteilen. Ansonsten haben Dettingen wie auch Bad Urach um den eigentlichen Aktionstag herum weitere Veranstaltungen geplant. Klar ist, dass am Freitag, 16. Oktober, im Haus auf der Alb die Ausstellung "Grafeneck 1940" eröffnet wird.
Wer Interesse hat, einen Teil der "Spur der Erinnerung" aufzumalen, kann sich an Bernd Mall, Telefon: (0 71 25) 15 61 03, an Hartmut Kurz, Telefon: (0 71 25) 94 78 43 und an Stefan Wörner (0 71 25) 7 20 71 05 wenden. Infos gibt es unter http://www.spur-der-erinnerung.de .
Erscheinungsdatum: Samstag 18.07.2009
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